Blackwater

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 2, Folge 9

Es wurde Zeit, dass Pods Antlitz über einem Artikel prangt
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Es wurde Zeit, dass Pods Antlitz über einem Artikel prangt

Der ein oder andere Kommentator hat sich nicht nur hier über die Trägheit der bisherigen Folgen von Staffel 2 von Game of Thrones beschwert. Über weite Teile der Season wurde kräftig geredet, geplant, charakterisiert. Blackwater, die vorletzte Folge der Staffel, darf nun als Belohnung für die Aufmerksamkeit und Krönung der bisherigen Serie betrachtet werden. Was Game of Thrones hier abliefert, ist schlicht und einfach ganz großes Kino.

Was passiert: Die teuerste aller bisherigen Game of Thrones-Episoden spielt anders als die anderen nur an einem Ort. Vor den Toren von King’s Landing versucht Stannis Barratheon mit seiner Flotte einzufallen. Tyrion setzt ihm Wildfire entgegen und bläst in einer erstklassigen CGI-Explosion seine Gegner weg. Während draußen der Kampf tobt, ertränkt Cersei ihren Frust im Wein und lehrt Sansa die zynischen Weisheiten des Königinnendaseins. Die von George R.R. Martin geschriebene und Neil Marshall (The Descent – Abgrund des Grauens, Centurion – Fight or Die) inszenierte Episode Blackwater behält im Chaos der Schlacht den Überblick, navigiert souverän zwischen kampftrunkenen Männern und wartenden Frauen, vereinfacht die Geschehnisse zu Gunsten des Budgets (keine Kette!) und übertrumpft dennoch das meiste, das die Serien-Konkurrenz in Sachen Bombast in den letzen Jahren zu bieten hatte. Hier erhält niemand gleich zu Beginn einen Schlag auf den Kopf, um das HBO-Konto zu schonen.

Der Kampf um die Macht: Blackwater exemplifiziert womöglich all das, was ich an Game of Thrones liebe. Die Episode gibt ihren Randgestalten mehr als nur genug Raum. Der erschütterte Gesichtsausdruck von Varys, als er an seine ‘Beschneidung’ denkt, sei hier erwähnt. Der in den vergangenen Folgen vernachlässigte Hound wird plötzlich zu einem der Hauptdarsteller, spricht den Satz des Tages und drückt mit dem feurigen Schrecken der Erinnerung in seinen Augen mehr über die Sinnlosigkeit des Schlachtens aus als ein Dutzend Monologe.

Wo wir schon beim Schlachten sind: Game of Thrones war sich nie zu schade, seine Schauwerte zu zeigen, ob es sich nun um nackte Frauen, abgetrennte Beine oder düstere Kulissen handelt. In Blackwater trumpft die Serie allerdings auf, in dem sie die über acht Folgen erwartete Schlacht immer wieder mit den betrunkenen Weisheiten von Cersei Lannister kontrastiert. Die Rolle der Frauen thematisierten schon frühere Folgen von Game of Thrones. Wie die Ladies von King’s Landing aber da eingekerkert und bewacht von Ilyn Payne auf ihr Schicksal warten, bringt die gesamten Aussichten ihres Lebens in dieser Gesellschaft auf den Punkt. Sie sind nicht mehr als ein Pfand in den Händen mächtiger Männer, gerade gut genug zum Verheiraten oder Vergewaltigen und wenn beides nicht passt, dann werden sie eben umgebracht. Kein Wunder, dass sich Cerseis jahrelange Frustration ob ihres Geschlechts in dieser Situation im Wein ertränkt.

Wenn die kommende Episode Valar Morghulis auch nur ansatzweise an Blackwater heranreicht, dann haben wir nach Baelor/The Pointy End wieder ein Spitzendoppelschlag als Staffelfinale. Ich sag nur vier Worte: House of the Undying!

Die Blut- und Titten-Szene des Tages: Zermatschter Kopf, gedrittelter Kopf, abgesägtes Bein, aufgeschnittene Kehle, lichterloh grün brennender Körper… Sucht euch eine aus.

Der Hot Fuzz-Gedächtnispreis: Da steht er, der arme Soldat neben seinem König Stannis, nur damit sein Kopf von einem Steinbrocken zu Brei zermanscht wird. So ein Unfall kann schon einmal passieren.

Zitat des Tages: “Fuck the Kingsguard. Fuck this city. Fuck the king.” (The Hound)

Tyrion Lannister, Awesome Guy: In Blackwater werden de ‘Herrschaftsstile’ von Joffrey und Stannis gegenübergestellt. Der eine rennt davon, der andere stürmt als erster in den Kampf. Zwischen all dem Tyrion, der sinnbildlich als der kleine Mann die Männer von King’s Landing zu motivieren versucht. Wen interessiert schon ein König? Ihr Haus, ihr Gold, ihre Frauen sind in Gefahr: “Those are brave men knocking at our door, let’s go kill them!”

Als Blutdruck senkendes Mittel solltet ihr euch nochmal The Rains of Castamere in der Interpretation von The National anhören:

And who are you, the proud lord said,
that I must bow so low?
Only a cat of a different coat,
that’s all the truth I know.
In a coat of gold or a coat of red,
a lion still has claws,
And mine are long and sharp, my lord,
as long and sharp as yours.
And so he spoke, and so he spoke,
that lord of Castamere,
But now the rains weep o’er his hall,
with no one there to hear.
Yes now the rains weep o’er his hall,
and not a soul to hear.

Weitere Game of Thrones-Recaps
The North Remembers – Staffel 2, Folge 1
The Night Lands – Staffel 2, Folge 2
What Is Dead May Never Die – Staffel 2, Folge 3
Garden of Bones – Staffel 2, Folge 4
The Ghost of Harrenhal – Staffel 2, Folge 5
The Old Gods and the New – Staffel 2, Folge 6
A Man Without Honor – Staffel 2, Folge 7
The Prince of Winterfell – Staffel 2, Folge 8

moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

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