Punsha

user content

Punsha aus Jena heißt Lars R, ist 20 Jahre alt. Er hat sich auf moviepilot angemeldet und hat schon unglaubliche 1279 Filme bewertet und legendäre 819 Kommentare geschrieben. Mehr


Gästebuch

hoffman587

Hm, verstehe, was ich aber dabei nicht ganz nachvollziehen kann, ist wieso du nicht den scheinbar sehr dicht an der Vorlage bleibenden FAUST von Peter Gorski aus 1960 nimmst auf der einen Seite als strenge Adaption und auf der anderen Seite für die eher lose Adaption Sokurovs Faustfilm (den du wie ich schätze sowieso schon für diese Position angepeilt hattest?) oder eben den Murnau? Das würde doch auch hinhauen, oder?

hoffman587

Dann interessiert mich jetzt natürlich noch, weshalb du das genau erfahren wolltest und wieso du dir diese bestimmte Antwort gewünscht hast? Da muss doch irgendetwas bestimmtes dahinterstecken? ;)

P.S: Da ich vor kurzem gesehen habe in Timos Gästebuch, dass du dir Triers GEISTER zulegen willst, es vielleicht schon getan hast, es vielleicht noch nicht getan hast, möchte ich dich darauf hinweisen, dass Arte demnächst die Serie auch wieder ausstrahlt, sofern du es nicht schon selbst erfahren hast.

hoffman587

Hättest du mich das vor schätzungsweise drei bis vier Jahren gefragt, zu einem Zeitpunkt, wo ich mich tiefer mit der Faust-Materie beschäftigt habe und einige Monate danach auch den Murnaufilm gesehen habe, dann hätte ich dir jetzt ausführlich mit Rad und Tat zur Seite stehen können. So ist mein Wissen nur noch sehr bruchstückhaft, ich werde aber versuchen das Beste daraus zu machen.^^
Als sehr dicht würde ich Murnaus Film nicht bezeichnen, dafür macht er zu viele Umschweife in seiner Geschichte. Eher als irgendetwas zwischen den beiden Fronten (es steckt zumindest mehr Faust I. in Murnaus Film als in dem Film von Sokurov meinem Empfinden nach). Murnaus Film ist eher ein Gemisch aus Goethes Interpretation, der von Marlowes, Murnaus Eigenwillen und dem Urfaust. Am ehesten lässt sich sein Film tatsächlich als Märchen mit großen und ausschweifenden Bildern zusammenfassen und keineswegs als Tragödie, wie es bei Goethe der Fall ist. Jedoch fühlt sich Murnau nichtsdestotrotz Goethe oft sehr nah. Als Beispiel gibt es einen Prolog im Himmel, andere bekannte Bilder aus der Vorlage sind zu finden und auch die Geschichte um Gretchen ist ähnlich aufgebaut wie bei Goethe, auch wenn hier Murnau zu Abweichungen neigt. Ein weiterer Unterschied ist als Beispiel das Murnau seinen Faust sympathischer hält. Er ist zwar hier ebenfalls auf der Suche nach Weisheit, aber das zum Allgemeinwohl. Faust ist ein Menschenfreund. Eine Pest geht um und Faust geht den Pakt mit Mephisto ein, um eine Heilmöglichkeit zu finden. Ich würde es so zusammenfassen: Murnaus Film ist zwar eigenständig, schlängelt sich aber oftmals an dem Gerüst von Goethes Faust entlang. Wenn es dir um eine werkgetreue Verfilmung, dann bist du in diesem Fall wohl besser mit der theaternahen Version von 1960 mit Gründgens beraten.

_Garfield

Guter Punkt, er spielt ja auch ganz physisch nicht nur im Gefängnis. Die sicherlich vorhandene Kritik kann ich aber nicht hundertprozentig ernst nehmen. Es gibt zwar viele Aspekte und vieles wird angerissen, aber in erster Linie beugt man sich einem dramaturgischen Konzept (was ich auch völlig legitim finde). Aber das kannst du bei der erneuten Sichtung ja selber nochmal überprüfen.

_Garfield

Mhm, sind tatsächlich valide Punkte, die wir ja meistens ähnlich sehen. Da warte ich doch besser auf die DVD oder das TV. Zu "Der Eissturm" wollte ich eigentlich nichts schreiben, weil du schon so viel dazu geschrieben hast (was mir übrigens ein bisschen dabei geholfen hat, zu verstehen, was man in dem Film sehen kann). Ich muss den unbeding nochmal schauen, denn im Grunde ist der nahezu makellos - alle Darsteller sind klasse, der reinigende Eissturm hat mich sogar an "Magnolia" erinnert, er wurde von Lee unaufdringlich in Szene gesetzt, gut geschrieben isser auch. Trotzdem weiß ich nicht, was ich aus dem Film ziehen soll. Und ich finde es seltsam, dass Weaver auf dem Filmplakat so prominent besetzt ist, ist sie doch weder die spannendste, noch die vorherrschende Figur im Film. | Und was schreibt man bitte zu "Ein Prophet"? Ist halt maga-unterhaltsam, Gangster-Rise-mit-ein-bissel-Fall-Geschichten machen mir meistens Spaß. Schön nah dran inszeniert, gut gespielt, macht einfach Bock (und das Ende, wenn die Wagen-Kolonne hinter ihm herfährt.)

_Garfield

Ich wollte dieses Wochenende endlich in den neuen Petzold - vorgestern oder so wurde er offenbar aus dem Programm des einzigen Kinos in meiner Nähe, der ihn gezeigt hat, genommen. Nur damit du dich nicht wunderst, dass von meiner Seite dazu erstmal nichts kommen wird. | Erzähl mal was zum neuen Akin - im "Stern" war dazu ein sehr schöner Artikel, auch darüber wie sehr er mit der allgemeinen Rezeption bislang hadert. Gerade im Hinblick auf die Risiken, die er mit dem Film einging, von der investierten Zeit und der Leidenschaft ganz zu schweigen. Der Hauptdarsteller ist außerdem der aus "Ein Prophet"...

_Garfield

Klingt toll. Dann schaue ich mir den vielleicht wirklich alleine an. Bin immer etwas weniger euphorisch, wenn sich Petzold in die Vergangenheit begibt, aber du und Timo gebt mir Hoffnung. | Ich hätte den Link noch nachgeliefert, ist mir aber gestern erst aufgefallen, als der Laptop schon aus war.

Timo K.

Auch die Arte-Edition zu einem ähnlichen Kurs. Schön gestaltete Edition in gewohnter Qualität von Koch Media. S1 ist komplett synchronisiert (allerdings nur bei der Arte-Ausgabe), S2 wartet dagegen mit einigen Stellen auf, die ins Dänische wechseln und sich Untertitel einschalten. Wie viel genau, keine Ahnung. Ich werde sowieso in Dänisch schauen - mit deutscher Untertitelung. Besser so!

_Garfield

Ja, ich habe noch ne Woche frei und nicht sonderlich viel zu tun - dafür ist die Festplatte randvoll. Ich überlege für den neuen Petzold schon die ganze Zeit, ob ich nun das erste Mal alleine ins Kino gehen soll. Für "Gone Girl" würde ich noch wen finden, aber für einen Petzold ist mein Freundeskreis noch nicht gereift - oder einfach nicht groß genug. ^^

hoffman587

Dann lass mich das doch noch etwas weiter ausführen, weil dich das zu interessieren scheint und ich nicht damit rechne, dass ich in nächster Zeit dazu kommen werde meine Information zum Hintergrund des Films kundzutun oder gar über den Film zu diskutieren: Der Film ist, wie bereits festgestellt, ein Gemeinschaftsprojekt von Fellini und Lattuada, die bereits vor dem Film an mehreren Drehbüchern zusammengearbeitet hatten, bei der sie auch ihre beiden Ehefrauen (Fellini-Massina / Lattuada-Carla Del Poggio [die Darstellerin der Liliana]) in den Hauptrollen besetzten und das sie selbst produzierten. Fellini, der bekannte Fabuleur und Lügenbaron, der oft sehr gerne seine Geschichten umdichtete [weshalb nur schwer festzustellen ist, was nun die Wahrheit war], meinte einmal, dass er dabei nur die Arme dabei verschränkt hätte und Lattuada bei seiner Arbeit zugeschaut hätte, jedoch steckt schon sehr viel vom frühen Fellini in diesem Film, da ist die fröhliche und bittersüße Art, wie dieser Film erzählt ist, da ist der schlichte und realistische Stil des Films, der an den Neorealismus erinnert, den alle Frühwerke Fellinis auszeichnet (ich musste hier besonders an I Vitelloni denken) und da sind natürlich die Artisten, besser gesagt eine Varietétruppe, diese Show-Biz-Leute, die Reisende sind, die kein festes Heim haben, aber zusammenhalten auf ihrem Weg. Sie sind ihre eigene Familie. Leute für die Fellini schon immer eine Vorliebe hatte (denke nur an La Strada), Fellini zeigt aber auch die Probleme, die ein solches Leben mitsichbringt, wo wir wieder beim Neorealismus wären, der aber bei Fellini stets liebenswert und munter vorgetragen wird. Es ist eben auch eine Komödie. Somit passt er eigentlich ideal in das Schaffen Fellinis.

Was darf ich mir genau unter 80er vorstellen? Da denke ich, so verallgemeinert, an irgendwelche Stallone- oder Schwarzeneggerfilme, wenn du das so schreibst?^^


Logge Dich jetzt ein, um einen Gästebucheintrag zu schreiben.