Carlos - Der Schakal - Kritik

Carlos

FR/DE · 2010 · Laufzeit 330 Minuten · FSK 16 · Drama, Historienfilm, Kriminalfilm · Kinostart
Du
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    Ich werde wohl nie verstehen, was an religiösen Extremisten mit radikaler nationalistischer Agenda, Führerprinzip, Männlichkeitswahn, Sexismus, Militarismus, extremem Machtstreben, fragwürdigem Personen- und Waffenkult, Welteroberungsphantasien, Völkermord und Sadismus "links" sein soll. Oder auch, warum das etwas Positives sein soll. Eigentlich wird das in den üblichen Kategorien dieser Richtungsbegriffe als "rechts" bzw. "rechtsextrem" bezeichnet. Als "links" werden (in diese Richtung der eindimensionalen geometrischen Achse entsprechend auf die ökonomische Ebene bezogen...weswegen ein solches Richtungssystems mit nur einer Ebene keinerlei Sinn ergibt, wenn zwei unterschiedliche Ebenen auf einer Achse eingetragen werden sollen) ökonomische Ideen bezeichnet, die Richtung Sozialismus/Kommunismus/staatswirtschaftlich organisiertes Wirtschaftssystem/Kollektivismus tendieren. Aber darum ging es diesen Gruppen ja nicht. Also, beispielsweise den Gruppen in diesem Film nicht. Ist mir ein Rätsel, was die Bezeichnungen sollen, denn das sind ja nicht nur Eigenbezeichnungen, die nicht übernommen bzw. nur kommentiert übernommen werden.

    Naja, egal. Zum Film:

    Die Inszenierung gefiel mir gut, gerade auch die Mehrsprachigkeit (Englisch, Arabisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Ungarisch, Japanisch, Russisch), doch die letzten Filme von Olivier Assayas ("Sils Maria", "Personal Shopper") hatten natürlich noch mal ein ganz anderes künstlerisches Niveau. Für einen über 5-stündigen Film bzw. für eine Mini-Serie auf hohem Niveau. Letztendlich glaube ich nicht, dass man "Carlos" gesehen haben muss, da man inhaltlich nichts Neues erfährt, da auch keine Interpretation stattfindet und kaum Aussagen getroffen werden, die über das Triviale hinausgehen. Die reinen Fakten sind ohnehin bekannt bzw. können in 5 Stunden locker im Detail nachgelesen werden. Einen Mehrwert dazu sehe ich hier nicht. Nüchtern erzählt. Ausschließlich die Perspektive der kämpfenden (+redenden + fickenden + rauchenden) "Linken"/Rechten. Wer Spaß an Gangsterfilmen hat, sollte lieber zu fiktiven Exemplaren oder zu den üblichen Biographien reiner materieller Gangster ohne ideologische Hintergründe greifen. Dafür ist die Thematik dann doch zu ernst, um sich daraus einen netten Popcorn-Abend zu machen. Zumal das Spannungsniveau eigentlich durchweg nicht besonders hoch liegt in den 330 Minuten Laufzeit.

    Kann man sich aber sicher ansehen. Von den 3 Folgen würde ich die letzte als die beste und inhaltlich sowie atmosphärisch (Ostblock!) interessanteste Folge einstufen. Aber gesehen haben muss man das nicht. Speziell psychologische Tiefe sucht man hier vergebens. Die Figuren sind allesamt nicht mehr als Klischee-Typen ohne Nuancen und ohne Charakterentwicklung.

    Nach über 5 Stunden denke ich mir nur noch: "Genug!" Achtsprachig.

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    • 7 .5

      Atemberaubendes Terroristenepos, dem es gelingt, Fakten und fiktiven Thriller glaubhaft und fesselnd zu verbinden. Die wichtigsten Asse von Regisseur Assayas: der großartige Hauptdarsteller Ramírez (César 2011), ein tolles Drehbuch und jede Menge cooles 70er-Jahre-Flair.

      • 8
        sachsenkrieger 30.03.2017, 23:39 Geändert 30.03.2017, 23:39


        Am Anfang war das A ... wie Adam ... oder Apfel ... Adams Apfel ... der erste ultimative Zankapfel. Die eine wollte, das der andere reinbeißt. Der andere wollte aber nicht reinbeißen, wollte aber auch nicht, das die, die wollte, das er reinbeißt, nicht mehr wollte, wenn er wo reinbeißen wollte. Das wurde später als Schlange, die Adam verführt, interpretiert. Die Schlange war der Teil von Adam, der bei allen Männern, wenn akiviert, sofort und ohne jegliche Einschränkung, die volle Kontrolle über den Körper übernimmt, den Geist abschaltet und auf die unsterbliche Seele pfeift. Also kam B ... der Biss ... dann die Belohnung der Schlange ... dann die Bestrafung durch den Chef ... dann der Bann ... der Bannfluch des Todes für die Nachkommen, die man auch als Bonus-Bestrafung des erfolgten Bisses deuten kann. Dann kam das C, das D, das E und so weiter, bis lange, sehr lange Zeit danach, das P zu den Menschen kam. P wie Papyros, Parther, Phalanx ... und irgendwann Politik. Politik ist wie das mit dem A, dem Apfel, um den sich zwei zanken, den der eine will, der andere nicht und ... siehe oben. Bloß lief das Ganze hier schon damals nicht mehr so einfach, denn der Mensch hatte bereits das Streben nach seinen Begehrlichkeiten wesentlich verfeinert. Wenn man also, bildlich gesprochen, die dickste Banane erwischen wollte, oder die, die sich der Blödmann vom andern Ast gerade geschnappt hatte oder man wollte alle Weibchen für sich oder bestimmen, wer wann und wo auf dem Baum sitzen darf oder bestimmen, wer diese Woche den unter dem Baum lauernden Löwen zum Fraß vorgeworfen wird, der musste sich im Laufe der Zeit subtilerer Methoden bedienen. Das nennen wir heute Politik. Wenn dann der gerissenste Affe, die dicksten Bananen, alle Weibchen und die volle Kontrolle über den Baum übernommen hatte, musste er nur noch den anderen einreden, das das alles nur zu ihrem Wohle geschehe und das er alles nur für den Baum täte und das er sich Tag und Nacht abrackere, um die Zukunft seiner Mitästler zu verbessern. Naja, was sollten die andern schon machen? Denn der Boss, der schon beim B erfunden wurde, aber erst jetzt ein wirklicher war, hatte Freunde, die die zweitdickste oder drittdickste Banane bekamen, ab und zu mal ein Weibchen ausleihen durften oder mitbestimmen, wen die Löwen bekamen. Also fraßen die unterdrückten und entrechteten Massen, die kleinsten und gammeligsten Bananen, legten tagtäglich selbst Hand an und ab und an, musste einer von ihnen in die Löwengrube hüpfen ... gehüpft werden. Eines Tages aber, man war beim R angelangt, erschien einer, der die Backen dicke hatte, der halt auch die dickste Banane und ... siehe oben. Er sammelte ein paar besonders dürre, unzufriedene Kollegen um sich, die schon ganz krumme Finger hatten und in Gefahr waren, als nächste Hüpfer dem Wohle der Gesamtheit dienen zu dürfen, nannte sich Revolutionär und nagte mit seinen ... G wie Genossen ... an dem Ast des Bosses. Er versprach ihnen, wenn erstmal der Boss und seine Capos weg wären, das sie dann alle gleich und brüderlich und schwesterlich leben könnten, Männchen und Weibchen sich munter miteinander vergnügen könnten, alle Bananen allen gehören würden und die Löwen dumm aus der Wäsche gucken würden, weil sie nur noch Bananenschalen kriegen würden. Das Ende der Geschichte kennt ihr ja...

        Das mit den Wurzeln der PFLP (deutsch: Volksfront zur Befreiung Palästinas), begann ja auch schon um Christi Geburt, also lange nach der Sache mit Adam und Eva und den Affen, irgendwo am östlichen Mittelmeer. Das Alphabet war schon mehrere Male durch und irgendwie war auch alles durcheinander geraten. In der römischen Provinz, die Römer waren gerade die Bosse in der Gegend, gab es die Volksfront von Judäa (VFvJ), die Judäische Volksfront (JVF), das Judäische Frontvolk (JFV), die Front der Völker - Abteilung Judäa (FdV-J) und mehrere Dutzend kleinerer Splittergruppen, die sich gebildet hatten, weil man sich nicht ganz einig war, wie und wann und auch warum, man sich jetzt vom Joch der römischen Besatzer befreien solle. Alles war ein wenig anders geworden, das mit den Ästen sehr, das mit den Weibchen ein wenig, nur die Löwengrube gab es noch. Bei B wie Babel, waren ja bekanntlich die Sprachen bunt gemischt worden und bei G wie Gott, hatte man sich daran erinnert, wo man eigentlich auch hergekommen sein könnte. Naja, um die Geschichte mal etwas abzukürzen, vielleicht bin ich auch bei dem einen oder anderen Punkt selbst etwas durcheinander geraten, hatten viele Jahrhunderte später die Judäer das Sagen in der Gegend und gegen ihr Terrorregi ... äh gegen ihre dem Wohle der Menschheit dienende Politik, rührte sich ebenso die unterdrückte und entrechtete Masse unterworfener Völker der Umgebung und...

        ... jetzt sind wir endlich halbwegs bei CARLOS angelangt, einem Film über Illich Ramirez Sanchez, einem der, je nach persönlicher Sicht der Dinge, populärsten Terroristen der Neuzeit oder wagemutigsten Kämpfer für eine der gerechten Sachen. Besser bekannt unter seinem Kampfnamen Carlos, war er unter anderem für die PFLP, an etlichen, spektakulären Terroranschlägen seit 1973 beteiligt und konnte erst nach 20 Jahren dingfest gemacht werden. Seit 1994 sitzt er in Haft und wurde erst vor zwei Tagen, zum dritten Mal zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Olivier Assayas zeigt in seinem nüchtern-kühl gestalteten Portrait, einen nüchtern-kühlen Menschen, der getrieben von persönlichen Gefühlen und denen bei uns allen vorkommenden, in irgendeine Richtung zielenden Vorwänden, seinem endlichen Leben einen Sinn zu verleihen versucht. Anfangs noch irgendwie politisch motiviert, vielleicht beseelt vom Glauben, das Gewalt Frieden und Terror Gerechtigkeit erzeugen könne, verliert sich Carlos nach und nach immer mehr in seinem eigenen Streben nach Anerkennung, nach Macht, nach Fidel Castros Zigarren, halt nach all dem, nach dem Menschen streben, seit sie dem Nachbarn erstmals die Banane neideten. Wunderbar gelingt Assayas auch der Blick hinter die Kulissen, hinter denen sich Staaten und Organisationen gegeneinander ausspielen, um ... naja, Ast, Weibchen, Banane, Löwen usw. halt. Erschreckend sind auch die Schwierigkeiten, mit denen der neu entflammte Terrorismus der 1970er, anfangs gar nicht wirklich ernst genommen wurde, so das ein Mann wie Carlos, sich dermaßen lange auf freiem Fuß bewegen konnte und erst festgenommen wurde, als selbst der letzte "Bundesgenosse" ihn fallen ließ. Ich war 1973, mit fünf Lenzen, ungefähr ebenso "politisch", wie ich es heute bin, weil es im Endeffekt doch alles nur ein unendlich komplexes Paarungsritual zu sein scheint. Trotzdem ... oder vielleicht gerade wegen meiner ganzheitlichen Distanz, empfand ich CARLOS als einen starken, vielleicht nicht unbedingt bewegenden, aber zumindest breitflächig aufklärenden Film. Ein Dokument aus einer Zeit, die vielleicht vergangen ist, die aber ihre Samen weit in der heutigen Welt verbreitet hat...

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        • 9

          Olivier Assayas’ episches Biopic über den berüchtigten Terroristen Carlos entkleidet den Mythos, ohne ihm ein neues Kostüm zu verpassen. Eine faszinierende historische Recherchereise in die 70er und 80er Jahre, mitreißend, vieldeutig und opulent. [Patrick Seyboth]

          • 7

            So...endlich habe ich den Film hinter mir, denn am Ende ist das Gucken fast schon in Arbeit ausgeartet. Der Doku-Stil hat mir eigentlich gut gefallen, das Thema fand ich interessant und die schauspielerischen Darstellungen sehr ansprechend.
            Aber der Stil und der nicht vorhandene Spannungsbogen machen den Film absolut untauglich für die Länge von 5 1/2 Stunden. Zudem ist er völlig ungeeignet, um ihn als Trilogie zu gucken.
            Ich vermute mal, dass ich lieber die abgespeckte Version hätte sehen sollen, aber es lief nunmal so auf Arte ;) . Daher empfehle ich die kürzere Fassung, obwohl ich sie nicht gesehen habe.

            • 5

              Ich habe mir diesen 5-Stunden Film angeschaut, leider leider !
              "The Assignment - Der Auftrag" ist um Lichtjahre besser.

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              • 8

                Wer sich bei diesen Film die Langfassung anschaut braucht natürlich einiges an Sitzfleisch, wird dafür jedoch auch ordentlich belohnt.
                Der Film vom Aufstieg und Fall des internationalen Top-Terroristen Ilich Ramírez Sánchez ist trotz seiner etwa 330 Minuten äußerst packend und nie langweilig.
                Die Handlung des Filmes setzt erst in den frühen 70ern ein, als Ilich Ramirez Sanchez anfing für die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) zu arbeiten
                Die Figur des Carlos wird dabei in keinster weise glorifiziert sondern eher entzaubert und das ohne das der Film einmal den moralischen Zeigefinger erhebt.
                Der Film zeigt einfach hervorragend wie die einstigen linksgerichteten Terroristen nach und nach zu einfachen Söldnern und Verbrechern verkommen die keine wirklichen Ziele haben.
                Besonders deutlich wird dies bei der Figur Hans-Joachim Klein der diese Entwicklung erkennt und mit dem Terrorismus bricht.
                Das der Film bei so einem Thema natürlich ab und an etwas fiktiv ist, ist mehr als verständlich, wobei man sagen muss das die geopolitischen Situationen und die Entwicklungen im internationalen Terrorismus der damaligen Zeit sehr gut gezeigt werden.
                In einigen Szenen verliert man dabei vielleicht etwas den Überblick, doch durch Einblendungen der Handlungsorte und Namen, der jeweils auftauchenden Charaktere, kann man der Handlung insgesamt gut folgen.
                Was das Handwerkliche angeht so ist dem Film kaum etwas vorzuwerfen.
                Hauptdarsteller Édgar Ramírez ist einfach grandios in der Rolle des Ilich Ramírez Sánchez und überzeugt in jeder Szene.
                Auch die anderen Darsteller machen ihre Sache unterm Strich sehr ordentlich, wobei die Charaktere leider nicht immer besonders gelungen herausgearbeitet sind.
                Desweiteren sind die Settings großartig gestaltet und der Soundtrack gut gewählt.

                Alles in allem ein außergewöhnliches Biopic über einen der bekanntesten und brutalsten Terroristen der 70er und 80er Jahre.

                8
                • 6 .5

                  Der längste Zigarettenwerbesport den ich je gesehen habe. Carlos hat übrigens immer Zigarren geraucht, keine Zigaretten.

                  • 7

                    Kurzfasssung (180 Minuten) am Stück gesehen, viele Sprünge von Stadt zu Stadt, dazwischen zu wenige Erklärungen. Etwas verwirrend. Vielleicht nehme ich mir aber ein Herz und schaue mir an 2 Tagen die 5 1/2 Stunden-Fassung an, von der alle hier so schwärmen, da mir der Stil des Filmes und die Thematik schon sehr gut gefielen.

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                    • 7 .5

                      Guter Film.

                      Hab gerade die Langassung gesehen. Ich hatte von Carlos null Ahnung, kannte nur die ganz ganz groben Zusammenhänge, dafür ging der "erste Teil" etwas schnell, ein wenig mehr historischer backround hatte da wohl nicht geschadet. Wurde wenig erklärt, dafür viel in die Luft gejagt, Anschläge verübt etc. Im "zweiten Teil" wird dann doch etwas mehr erklärt bzw. die Handlung ist besser zu Verfolgen auch ohne Hintergrundwissen. Im ganzen ein guter und solider Film, man sollte sich aber schon ein wenig für die Thematik interessieren. Sehr gut fand ich die Charakterentwicklung von Carlos, die sehr gut zu beobachten war. Und auch krass dass noch jemand die Eier hat und sich traut einen 5 Stunden Film zu drehen.

                      • 6

                        Technisch und schauspielerisch solide inszeniert. Leider wirkt die Geschichte (zumindest in der Kurzfassung) zu unscharf und holprig erzählt. Da geht's dann teilweise im Sekundentakt an andere Orte und Geschehen, so dass man leicht die Übersicht verliert.

                        • 8 .5

                          Genialer Film. Ich hab mir erstmal die "Kurz-"fassung (die immerhin drei Stunden geht) angeguckt und fand war geflasht. Trotz der Dauer war es keine Sekunde langweilig und obwohl "Der Schakal" ein Terrorist und Mörder ist konnte man sich doch in ihn wiederfinden. Desweiteren bekommt man eine halb-dokumentarische Zeitreise geboten, in denen historische Personen und Ereignisse vorkommen, die jedoch nur als Vorlage dienten und umgearbeitet wurden.

                          8,5 Punkte gibt es, weil man es der Kurzfassung doch anmerkt, das gekürzt wurde (Besonders zum Ende hin) und weil der Film handwerklich super ist, mich aber die 2 musikalischen Untermalungen gestört haben (gibt aber eher 0,1 Minuspunkte als einen halben ;)!)

                          Ich werd mir vielleicht heute noch die Langfassung angucken, um den direkten Vergleich zu haben und später nochmal das Remake von 1997 und 1973. Bin gespannt.

                          • 8

                            8 Punkte für die Langfassung: über 5 Stunden im Kino sitzen, für einen Film - das ist ein Fest!

                            • 9

                              Hab jetzt nur die kurzfassung gesehen und fand den Film schon grandios... Werd mir auf jeden Fall die Langfassung angucken. Dann wahrscheinlich noch auf 10 aufstocken; )

                              • 9

                                Die 9 Punkte gelten ausschließlich für die Langfassung... Die Kinofassung ist viel zu sehr zusammengestaucht und erhält nur 7,5 Punkte von mir...

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                                • 9

                                  Da dieser Film es geschafft hat mich 330 Minuten zu unterhalten, ohne dabei langweilig zu werden hat er definitiv 9 Punkte verdient. Der Film überlässt jedem selber was er von Carlos halten will und zwingt einem keine Meinung auf. Ein gut gespielter und interessant erzählter Film.

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                                  • 7

                                    Ich habe die Langfassung gesehen und was ich mitnehmen kann sind 2 Dinge:
                                    - ohne Geheimdienste kein Terror
                                    - die Stasi hatte wirklich hässliche Büros
                                    Zugegeben, beides keine neuen Erkenntnisse.

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                                    • 5

                                      Tja, was soll ich sagen. In den drei Stunden hätte ich mich lieber in die Fußgängerzone der Bremer Innenstadt setzen und vorbeigehende Passanten mit Pfandflaschen bewerfen sollen. Das wäre definitiv ein spannenderer Zeitvertreib gewesen als sich diesen Film anzugucken.

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                                      • 7

                                        Als TV-Dreiteiler auf Arte - Funktioniert ganz gut. Besser als Baader Meinhof Komplex, bei weitem nicht so gut wie Soderberghs Ché. Tolle Schauspieler, aber ein wenig zu viel Einzelstationen mit "Ich hab jetzt 'nen Bart"-, "Ich hab jetzt kruze Haare"- und "Ich hab jetzt 'ne fette Wampe"-Es sind ein paar Jahre ins Land gezogen-Abschnitten. Gegen Ende wird es richtig gut, wenn es mehr um die Logistik und die Geheimdienste geht. Vermutlich konnte der Film nicht mehr davon liefern, weil es eben noch immer alles recht.. nunja... geheim ist. Aber gefallen hat mir das Ganze. Ich würde gerne wissen, wie das Gesamtwerk am Stück wirkt, aber die Kurzfassung ist vermutlich ziemlich furchtbar.

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                                        • 7

                                          Wir schauen über 300 Minuten dem Schakal über die Schulter, wie er sich auf seine Beute stürzt. 300 Minuten, in denen Ilich Ramírez Sánchez, genannt "Carlos", seinem Mythos entgegen flüchtet. 300 Minuten voller entfesselter Energie, die ganz allein Édgar Ramírez gehören. Für diese 300 Minuten und ein bisschen mehr spielt Édgar Ramírez nicht Carlos, für diese 300 Minuten und ein bisschen mehr darf er Carlos sein, ist er Carlos, lebt er Carlos. Carlos – Marxist, Schürzenjäger, Terrorist; Legende, Phänomen, Phantom, im Begriff mehrere Kugeln ins Magazin zu laden für den Kampf der Unterdrückten gegen den "imperialistischen Kapitalismus", ein Anwalt für die Dritte Welt. Olivier Assayas skizziert Carlos' Schicksalsstationen in unterschiedlich zeitliche Rhythmen, überspringt dort Tage, überbrückt da Jahre, lässt Carlos von Weltereignis zu Weltereignis eilen, sodass Carlos wie eine jämmerliche Schachfigur auf dem historischen Schachbrett wirkt, die sich mit jedem neuen Spielzug seiner veränderten Situation bewusst werden muss, während sie sukzessive von Angreifern bedrängt wird, das Feld zu räumen. Denn letztendlich war Carlos auch nur ein: Gehetzter, ein Improvisationstalent. Es entsteht ein historischer Rundumschlag, der seinen Anfang in den 60er Studentenprotesten markiert, und symbolisch in zwei Fällen endet, dem Mauerfall und in Carlos Fall. Erstaunlicherweise funktioniert Assayas' politischer Essay deswegen so nahtlos, weil er schauspielerisch ein Ausrufezeichen setzt. Trotz, dass Assayas kaum psychologisch erforscht, sondern mit seinen Figuren reagiert, der Film also gewissermaßen mehr über das System Carlos als über den Mensch Carlos auszusagen weiß, fesselt der Regisseur nichtsdestoweniger exorbitant, wenn er alle Zeit der Welt darauf verwendet, eine möglichst authentische Beobachtungsstudie anzufertigen, die weder ideologisiert noch heroisiert, die nur aus dem Blickwinkel seines Protagonisten das reflektiert, was er erlebt. Personen kommen und gehen dabei, Orte wechseln stakkatohaft schnell, zwischendurch werden Thesen geschrien, es wird geraucht bis zum Tod, geblasen bis zur Hodenerkrankung, Türen geöffnet, Räume geschlossen, wieder verlassen, nach dem kaum variablen Muster in nostalgischem Zeitkolorit, das die vergangenen Jahre zu vertrauten Jahren der Gegenwart ästhetisiert. Besonders bei zentralen Vorgängen – wie der OPEC-Entführung in Wien –, wofür Assayas nahezu akribisch nachdokumentiert, wird der Charakterwandel der handelnden Individuen spürbar nachvollziehbar, gerade im Wesen Carlos', der sich von nun als professioneller Auftragskiller neu definiert. Aus der Hilfe mehrdimensionaler Nebenfiguren bezieht "Carlos" seine Tiefe. Etwa mit der militanten Feministin Magdalena Koop (cool unter der Oberfläche: Nora von Waldstätten), Carlos' baldige Familie, die ihn lediglich in seinem Narzissmus bestätigt. Oder mit Hans-Joachim Klein alias "Angie" (Christoph Bach), überzeugter Mitläufer, aber kein Antisemit, weil die Auschwitz-Bilder für immer eingebrannt sind. "Carlos" thematisiert vordergründig also das Verlieren, nicht per se den verlorenen Kampf, sondern vielmehr den Verlust der ideologischen Identität, sobald die Mittel des Revolutionärs allmählich denjenigen des zu bekämpfenden Systems ähneln.

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                                          • 7 .5

                                            Beeindruckender Film über eine starke Zeit mit guten Darstellern. Der Film hat den entscheidenden Vorteil, zu wirklich jedem Zeitpunkt ein gutes Tempo und Spannung zu haben. Das Zeitkolorit der Siebziger kommt recht überzeugend rüber. Empfehlenswerter Streifen.

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                                            • 8

                                              Die 3 Stunden im Kinosessel sind wie im Flug vergangen...sehr guter solider Film mit einem hammer Hauptdarsteller!

                                              • 9

                                                Ich habe vor ein paar Tagen die 5 Stunden-Fassung gesehen und muss im Nachhinein sagen, dass es die 3 Stunden-Fassung wohl auch getan hätte. Den Haken entdeckt man recht schnell: Keiner der Charaktere wird richtig ausgeleuchtet. Obwohl man es wohl halbwegs versucht hat, bleibt Carlos zumindest in diesem Film eine undurchsichtige Persönlichkeit. An dieser Stelle hätte ich mir da mehr Tiefe gewünscht.

                                                Auf der anderen Seite ist "Carlos - Der Schakal" ein realistischer Film mit einer guten Leistung aller Akteure. Die ersten zwei Stunden vergingen wie im Flug. Ich war gespannt und fühlte mich gut unterhalten, habe mitgedacht, mitgefiebert und mich versucht möglichst weit in die Situation hinein zu versetzen. Jedoch war dann auch irgendwann Schluss mit der Spannung. In der Mitte des Films klafft ein riesiges Loch, welches irgendwie mit einem zähen Handlungsstrang gefüllt wurde.

                                                Im Endeffekt hätte ich mir trotz der realitätsnahen Verfilmung etwas mehr Ernsthaftigkeit gewünscht. An manchen Stellen wirkten die Darsteller gerade zu belustigend auf mich. Vor allem Carlos machte ab und zu den Eindruck auf mich, als mache er das Ganze aus Spaß. An den Stellen konnte er mich nicht von seiner Sache überzeugen.

                                                Wenn man also einen Spielfilm mit einem leichten Doku-Touch zu Gesicht bekommen möchte, dann macht man mit diesem Film nichts falsch. Es reicht aber die 3 Stunden-Fassung, außer man möchte wirklich den gesamten Werdegang mitbekommen. Die Thematik wurde angenehm behandelt, auch wenn es hier und da ein paar kleine Makel gibt. Ein gelungener Film.

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                                                • 8 .5

                                                  Was für ein Mammutwerk, 5 1/2 Stunden ist echt mal 'ne Hausnummer. Das große Kunststück dabei ist, dass er trotz einiger unvermeidbaren Längen tatsächlich über die gesamte Dauer fesselt. Klingt komisch, aber stellenweise hätte ich es schön gefunden, wenn er auf einige Nebenfiguren und Hintergründe noch intensiver eingegangen wäre. Das hätte aber wohl den Rahmen doch endgültig gesprengt und ist daher entschuldbar. Der Fokus liegt ja nunmal auch auf Carlos, ganz stark verkörpert von Edgar Ramirez. Ähnlich wie Robert De Niro in "Wie ein wilder Stier" musste scheinbar auch er sich während des Drehs einiges drauffuttern, um die Figur über 20 Jahre glaubhaft darzustellen. Da freut sich der Hausarzt. Von den Nebendarstellern überrascht mich Alexander Scheer, von dem ich seit "Sonnenallee" nicht mehr viel gesehen habe. Starke Leistung auch von ihm.
                                                  Man braucht ganz viel Zeit und sicherlich auch etwas Interesse an der Thematik, dann dürfte aber kaum eine zweite Meinung bestehen: "Carlos" ist eine der beeindruckensten europäischen Produktionen der letzten Jahre. Ganz großes Kino!

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                                                  • 6 .5
                                                    lieber_tee 12.08.2011, 19:41 Geändert 01.04.2017, 23:08

                                                    Extended Director’s Cut :
                                                    Die überlange Zeitreise begleitet semidokumentarisch einen wenig sympathisch dargestellten Terroristen bei seinen „wichtigsten“ Stationen. Authentisch gespielt und trotz der unglaublichen Länge überraschend kurzweilig. Eine wirklich tiefgreifende Betrachtung des Menschen und Mythos „Carlos“ gelingt aber nicht. Leider schwach synchronisiert.

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