10 Jahre Mamma Mia!: Niemand muss sich schämen, diesen Film zu lieben

Mamma Mia!
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Wenn Colin Firth über seine Favoriten aus der eigenen Filmografie spricht, dann stößt er dabei ganz sicher den einen oder anderen vor den Kopf. Neben den recht offensichtlichen Kandidaten The King's Speech und A Single Man befindet sich nämlich auch Mamma Mia! in der persönlichen Top 3 des Oscarpreisträgers. Zwar wird häufig erwartet, der Schauspieler schäme sich für seine Rolle in der bunten Musikkomödie nach dem gleichnamigen ABBA-Musical. Tatsächlich aber bezeichnet er seinen von Konventionen losgelösten Auftritt als Banker, Sänger, Tänzer und Gitarrist als "eines der besten Dinge", die er "je getan habe". Schließlich sei es schwierig, "puren Eskapismus" zu machen. Noch deutlich stärker unter Beschuss steht Pierce Brosnan, der für seine inbrünstige Darstellung eines verliebten Architekten - das New York Magazine verglich seinen Gesang mit dem eines Wasserbüffels - die Goldene Himbeere erhielt. Nun ist es wahrlich nicht schwer, Mamma Mia! für sein etwas unglaubwürdiges Drehbuch oder eben auch die uneitlen Darbietungen seiner Schauspieler zu kritisieren - und doch ist dieser erfrischend unironische Herzblutfilm direkt von Wolke 7 über all das erhaben. Den legendären Songs von ABBA steht er mit seiner konsequenten Absage an Allüren näher als ohnehin schon.

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Die ABBA-Magie versetzt in Mamma Mia! Berge

Bereits auf dem Papier ist Mamma Mia! gerade mit Blick auf die Besetzung eine kleine Sensation, erleben wir hier doch eine illustre Darstellerriege, die aufspielt, als würden gar keine Kameras mitlaufen. Meryl Streep zum Beispiel springt glückselig auf Betten herum und wir fragen uns unweigerlich, wo plötzlich jene Oscar-wirksame Fieberhaftigkeit geblieben ist, die sie 2011 im Thatcher-Biopic Die Eiserne Lady noch einmal auf die Spitze treiben sollte. Charakterdarsteller Stellan Skarsgård ist ohnehin für jeden Party-Spaß zu haben und Pierce Brosnan schmettert SOS, als sei er nie James Bond gewesen. Möglicherweise werden wir bei Mamma Mia! einfach nur Zeuge dessen, was die oberflächlich fröhlichen, unterschwellig hingegen mitunter ziemlich schwermütigen Lieder von ABBA mit einem anstellen können. Dass sie auch von ungeübten Stimmen vorgetragen noch mitreißen, zeugt umso mehr von ihrer zeitlosen Qualität. Vor längerer Zeit habe ich einmal irgendwo gelesen, dass es nur zwei Sorten von Menschen gebe: die, die ABBA lieben und solche, die es nicht zugeben. Für Mamma Mia! könnte selbiges gelten.

Mamma Mia! bricht mit altbackenen (Rollen-)Klischees

Dabei ist die Geschichte, die der Film erzählt, keineswegs so seicht, wie es wohl mancherorts den Anschein hat. Alles dreht sich um die heiratswillige Sophie Sheridan (Amanda Seyfried), die anlässlich ihrer Hochzeit unbedingt herausfinden möchte, wer ihr leiblicher Vater ist und zu diesem Zweck heimlich das Tagebuch ihrer Mutter Donna (Streep) studiert. Die Nachforschungen ergeben, dass gleich drei Männer (verkörpert von Firth, Skarsgård, Brosnan) in Betracht kommen und Sophie zögert keine Sekunde, das Trio zur Trauung einzuladen. Damit ist einem urkomischen Chaos ebenso Tür und Tor geöffnet wie dem Wiederaufleben großer Gefühle zwischen Donna, die eigentlich glaubte, mit Liebesdingen abgeschlossen zu haben, und einem ihrer Affären aus jungen Jahren. Am Ende hat Sophie jeden einzelnen der drei Kandidaten ins Herz geschlossen und wer von ihnen denn nun wirklich die DNA mit ihr teilt, ist plötzlich gar nicht mehr so wichtig. Was für eine herzerwärmende Pointe.

Neben Pierce Brosnan - wie sein Kollege Colin Firth steht auch er voll und ganz hinter Mamma Mia! - ist zweifellos Meryl Streep die schillerndste Attraktion des Films, worauf ihre Rolle allerdings auch angelegt ist. Die Single-Mutter Donna - eine Frau mittleren Alters - hat zwar nie geheiratet, wird aber trotzdem nicht als frustrierte ewige Jungfer gebrandmarkt. Im Gegenteil versprüht sie von allen Figuren die größte Ausgelassenheit, welche sich wiederum unvermittelt auf den Zuschauer überträgt. Ihrer Tochter Sophie macht Donna im Übrigen keine Vorschriften, gleichwohl die 20-Jährige sich zunächst für einen denkbar anderen Weg als ihre Mutter entschieden hat. Selbstverständlich ist das keineswegs im echten Leben und vielleicht sogar noch weniger in Filmen.

Ein Film für laue Sommernächte

Die Regie von Phyllida Lloyd ist wild und ungestüm, darin jedoch wundersam homogen. Ob nun eine Gruppe von Tauchern spontan zum Strandballett ansetzt, Meryl Streep durchs Hotel wirbelt oder Colin Firth auf einem Boot die Klampfe auspackt, um ein Lied auf alte Zeiten anzustimmen: alles wirkt wie aus einem Guss, während die griechische Sommerkulisse sowieso zum Träumen einlädt. Mit tristem Alltagsgrau jedenfalls will Mamma Mia! nichts zu tun haben und das ist verdammt gut so. Nicht mehr lange träumen müssen wir zum Glück von der Fortsetzung Mamma Mia 2! Here We Go Again, die am 19.07.2018 in den deutschen Kinos startet. Die Tatsache, dass ABBA sich ausgerechnet jetzt anschicken, nach rund 35 Jahren musikalischer Funkstille zwei neue Songs zu veröffentlichen (einen davon im Dezember), befeuert den Hype um das magische Universum zwischen Musik, Musical und Film selbstredend zusätzlich - aber wenn es nach mir geht, darf dieses Franchise noch viele Jahre wachsen.

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