Tatort-Kritik

Altlasten aus dem Papierkorb der Drehbuchautoren

© ARD

Genügsam scheint das einzig passende Wort, um den Tatort: Altlasten zu bewerten, vom den wir als 750. Tatort-Jubiläum mehr erwartet hätten. Zwar kam er sympathisch und einigermaßen unterhaltsam daher. Da hatte das Erste dieses Jahr eindeutig miesere und langweiligere Tatorte (und Polizeirufe!) im Repertoire. Dennoch leisteten weder das Drehbuch, noch die Umsetzung einen Beitrag dazu, diesen Krimi unvergesslich zu machen. Immerhin spielten die Schauspieler gewohnheitsmäßig gut, allen voran natürlich das Komissar-Duo Richy Müller und Felix Klare.

Foto-Show: die Bilder zum “Tatort Altlasten”

Beim Setting ging es schon los. Wenn die altbekannte Titelsequenz nicht gelaufen wäre, hätten wir wohl bei all den Rechtsanwälten, Erbschaftsintrigen und durchsuchten Villen genauso gut in eine Folge Derrick gestolpert sein können. Am Ende löste sich zudem noch alles in Wohlgefallen auf und der vermeintlich Vergiftete hatte nur versucht, mit seiner Frau Selbstmord zu begehen, um in Würde aus dem Leben zu scheiden. Ziemlich viel Wirrwarr um einen nicht existenten Mordfall also – und ein ziemlich lapidares Krimielement, mit dem Tatortfans keineswegs mehr zu fesseln sind.

Ein Kind rennt, ein altes Paar tanzt und am Ende liegt einer von beiden tot im Sarg. Der Tanz entpuppte sich als Phantasie der Witwe. Wenn diese Anfangssequenz subtile Kunst sein soll, gibt es auf jeder beliebigen Filmhochschule Studenten, die einen Anfang mit der gleichen Aussage weitaus ansehnlicher und weniger verwirrend hinkriegen. Der gut gemeinte “Kunstgriff” von Tatort-Debütant und Regisseur Eoin Moore verfehlte allerdings sein Ziel um ein Weites.

Dieses Kuddelmuddel setzte sich dann im Drehbuch fort. Die anrührende Geschichte über die Witwe (Bibiana Zeller), die ihrem Mann aus Angst vor Alzheimer in den Tod folgen wollte, hätte alleine schon für einen Tatort gereicht und wäre dank Bibiana Zeller auch durchaus sympathisch gewesen. Gleichzeitig musste auch noch ein 40 Jahre zurückliegender Mord erwähnt werden. Das behinderte Kind stellte leider ein ebenso sinnloses Gimmick dar wie die Enkelin, die den Zuschauer kurzzeitig auf eine falsche Fährte locken sollte. Selbst die Nebenhandlung mit dem Taugenichts-Sohn (Andreas Schmidt) blieb farblos und ohne jede Konsequenz – schade eigentlich. So wie es war, schien dieser Tatort: Altlasten eher aus dem Altpapier zusammengeklaubt.

Und was meint ihr: War der Tatort: Altlasten tatsächlich nur Altpapier aus dem Papierkorb der Drehbuchautoren?

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Moviepilot Team
Kängufant Andreas Gerold
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Lovely, in a fluffy, moist kind of way.
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