Allein machen sie Dich ein!

Buried - ein Kammerstück im Sarg

Buried - Lebend begraben
© Ascot Home Entertainment
Buried - Lebend begraben

Ein Mann erwacht in einem Sarg. Wie er dahin gekommen ist, weiß er nicht. Wie er hier wieder rauskommt, ebenso wenig. Bei sich findet er bald ein Smartphone und ein Feuerzeug – ein bisschen Licht, ein bisschen Verbindung zur Außenwelt. Nur die Luft wird langsam knapp …

Ein meisterliches Kammerstück

Klingt zunächst vielleicht bildschirm-, aber noch nicht direkt abendfüllend – und doch gelingt das Wunder: Buried – Lebend begraben ist ein atemberaubend spannender, buchstäblich beklemmender Film, der in bemerkenswerter Konsequenz sein Projekt durchzieht und dabei doch mehr leistet, als bloße Filmakrobatik. Seine Auflagen erfüllt Buried – Lebend begraben jedenfalls klar: Kein Ortswechsel, keine Zeitsprünge – ein Sarg, ein Schauspieler! Das klaustrophobische Setting wird bestens etabliert, Kamera und Schauspieler – sehr bemerkenswert: Ryan Reynolds, der hier auf buchstäblich engstem Raum den ganzen Film trägt – geben ihr Bestes, um den Film dennoch zu keiner Sekunde langweilig werden zu lassen. Und selbst wenn das Bild, was oft genug geschieht, komplett schwarz wird, ist das noch mitreißend: Edge of the seat stuff, wie das im Englischen so schön heißt.

Tatsächlich erzählt Rodrigo Cortés auch eine Geschichte in Buried – Lebend begraben: Ryan Reynolds ist als LKW-Fahrer auf humanitärer Mission im Irak gewesen, als er in eine Hinterhalt geraten ist und nun als Geisel unter der Erde liegt. Wenn der Rubel von den USA in Richtung Widerstandskämpfer rollt, so die Auflage, sieht er das Tageslicht wieder. Anderenfalls ist spätestens nach 90 Minuten Schicht im Schacht, dann geht nicht nur der Film, sondern auch die Luft aus. Dank des sorgfältig erarbeiteten Skripts gelingt es Rodrigo Cortés in der Tat ganz hervorragend, diese dichte und mit ordentlich viel Subtext aufgeladene Geschichte anhand weniger Telefonate aus dem Dunkel des Sargs heraus zu kommunizieren.

Natürlich ist das im Sarg hinterlegte Telefon ein narrative device wie es im Buche steht, damit die Handlung so irgendwie voran und die Außenwelt so irgendwie in den Sarg kommt – dass man aber bald gar nicht mehr auf solche Trickmanöver achtet, sondern mit Reynolds bibbert, zittert und um Atem ringt, macht die eigentliche Qualität des Filmes aus. Und noch nie waren unwillige Telefonistinnen, vergnügte Anrufer und ekelhaft diplomatische Militärs so unglaublich gruselig wie in diesem Sarg …

Viel Bonus

Für mich jedenfalls war Buried – Lebend begraben eines der ganz großen Highlights im vergangenen Kinojahr – wer auch nur annähernd auf spannende Filme steht, wird an diesem Leckerbissen kaum vorbeikommen. Schön ist vor diesem Hintergrund auch, dass Ascot den Film dieser Tage in einer gut ausgestatteten Special Edition auf den Markt bringt, auch wenn es ein klitzekleines bisschen dick aufgetragen ist, den Film gleich in einem 2er-DVD-Set auf den Markt zu bringen: Zieht man mal die (ja nicht eben sonderlich spannenden) Trailervarianten ab, bleiben unterm Strich knapp 30 Minuten Extras auf der zweiten Scheibe, die eine solche Bezeichnung auch wirklich verdient haben. Da wären zum einen Impressionen aus dem Tonstudio, die den mühseligen Arbeitsprozess dokumentieren, wie man den irakischen Kämpfer über das Telefon in die Tonspur des Films bastelt. Ein anderes Feature befasst sich ausführlich mit der Gestaltung einer gewissen Situation im Sarg, die an dieser Stelle nicht verraten werden sollen (nur so viel sei gesagt: Eeeeew!!). Informativer ist da der Audiokommentar mit Rodrigo Cortés, der zwar auf Spanisch gehalten, aber deutsch untertitelt ist. Dort erzählt er einiges über die teils kräftezehrend zu bewältigenden logistischen Herausforderungen der Dreharbeiten.

Merken muss man sich diesen Cortés ohnehin: Mit diesem sagenhaften Thriller hat er sich grandios in die Riege der vielversprechendsten jungen Genreregisseure gespielt!

Und dann noch der Trailer

Buried – Lebend begraben ist bei Amazon für 12,99 Euro erhältlich.

Thomas Groh lebt in Berlin, arbeitet für die Programmvideothek Filmkunst im Roderich und schreibt über Filme, zum Beispiel für die Filmzeitschrift Splatting Image, die taz und das Onlinekulturmagazin Perlentaucher. Wenn er nicht gerade sein Blog aktualisiert, verfasst er wöchentliche DVD-Kolumnen für den moviepilot, in denen er Filme von etwas jenseits des Radars empfiehlt, zuletzt etwa den Italowestern Das Gold von Sam Cooper, die Thrillerreihe Serie in Schwarz und die Geheimnisse des Meers von Jacques-Yves Cousteau.

Deine Meinung zum Artikel Buried - ein Kammerstück im Sarg