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Teure Süße

Darum bezahlt ihr im Kino so viel für Popcorn

27.07.2015 - 16:00 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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True Romance
© Arthaus / Studiocanal
True Romance
Popcorn gehört für viele zu einem gelungenen Kinobesuch dazu. Nur ist der süße Spaß, mit dem man seine Mitgucker in den Wahnsinn rascheln kann inzwischen ein recht teures Vergnügen geworden. Aber warum kostet Popcorn im Kino eigentlich so viel?

Nicht selten verbinden wir den Kinobesuch mit Geraschel von Tüten, die bis zum Rand mit lieblich duftendem, frischen Popcorn gefüllt sind. Manch einen treibt das in den Wahnsinn, für andere gehört es einfach dazu. Nur ist der süße Snack zum Film inzwischen ziemlich teuer. Woran liegt das?

Im Cinestar  kostet eine Tüte Popcorn zwischen 4,95€ und 6,75€. Im Cinemaxx schwankt der Preis je nach Größe zwischen 3,50€ (ca. 72g) und 5,90€ (ca. 290g). Aus den Preisen bei Cinemaxx ergibt sich ein Preis von 4,86€ pro 100 Gramm bei der kleinsten Tüte Popcorn bzw. bei der größten Tüte 2,03€ pro 100 Gramm. Der Kilopreis schwankt also zwischen ca. 20€ bis 49€ pro Kilo Popcorn. Astronomische Preise, wenn wir bedenken, dass es bei Rewe  die 150g-Tüte mit süßem Popcorn bereits für 0,89€ gibt. 100 Gramm kostet hier also nur ca. 0,59€ (5,90€/Kilo). Laut abc news  ist in den USA mit 5,50 Dollar eine kleine Tüte Popcorn im Schnitt teurer pro Unze (ca. 28g) als ein edles Filet Mignon.

Warum ist das Popcorn im Kino dann aber so viel teurer? In einem Artikel widmete sich die Berliner Morgenpost  der Problematik. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle. Zum einen ist die Zahl der Kinobesucher rückläufig. Die Umsatzeinbußen lassen sich nicht unbegrenzt auf die Kartenpreise auslagern. Deshalb wird versucht, dem Besucher den Kinobesuch mit anderen Mitteln "schmackhaft" zu machen und das gelingt mit Zusatzangeboten. Essen und Getränke sind in dem Falle besonders erträgliche Einnahmequellen für die Kinobetreiber. Auf dem amerikanischen Kinomarkt machen Snacks zwar nur 20% der Einnahmen aus, allerdings sind sie mit 40% ein erheblicher Anteil des Gewinns. Bei Cinemaxx sind es laut dem Artikel 23% des Gesamtumsatzes, allerdings verursachen sie auch nur 16% der Materialkosten. Ein Grund dafür sind die hohen Gebühren, die die Kinos an die Studios entrichten müssen, berichtet abc news. Immerhin produzieren sie die Filme, bezahlen die Stars und tragen die Kosten für die Werbung, welche die Zuschauer schließlich ins Kino locken sollen. Das lassen sie sich entsprechend von den Kinos bezahlen, die damit einen Großteil aus den Ticketeinnahmen wieder abtreten müssen.

In diesem Zusammenhang veröffentlichte die Welt  bereits 2008 einen Artikel. Gegenstand ist hier ein Buch des amerikanischen Ökonomen Richard B. McKenzie mit dem treffenden Titel Why Popcorn Costs So Much at the Movies. In diesem entschlüsselt er für uns, warum Popcorn im Kino entsprechend viel kostet. Zwar sind die Materialkosten gering, aber oft würden dabei die sogenannten Opportunitätskosten vergessen werden. Der Arbeitsaufwand, die Bezahlung der verantwortlichen Angestellten und die Zeit der Herstellung. Berechnet man den Kostenfaktor Zeit, Arbeitsaufwand und die Gehälter der Angestellten ein, wären die Preis weit weniger abwegig.

Auch wenn die Preise damit noch immer stark auf den Geldbeutel schlagen und vielleicht das ein oder andere Cineastenherz zum Weinen bringen, so ergibt sich aus diesen Fakten doch zumindest ein klares Bild der Preissituation. Und was wäre eine Welt ohne Kino und Popcorn?

Kauft ihr überhaupt noch Popcorn und Cola im Kino?

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