Mein Herz für Kino

Das KommKino in Nürnberg

Das KommKino im Kulturzentrum Nürnberg
©
Das KommKino im Kulturzentrum Nürnberg

Es gibt Multiplexkinos und es gibt Programmkinos, die sich dem Arthouse verschrieben haben und vielleicht auch mal im Rahmen von Retrospektiven Filme zeigen, die selten zu sehen und fast vergessen sind. Doch manche Filme, vor allem solche, die einst verlorenen Seelen in verranzten Bahnhofskinos und schummrigen Hinterhoflichtspielen das Leben versüßten, fristen ein geradezu untotes Dasein, zwischen verstaubtem Archiv und Müllhalde. Wer will heute noch Filme wie Griechische Feigen, den totgeschwiegenen Klassiker des deutschen Urlaubsfilms, oder Malabimba – Komm und mach’s mit mir, die italienisch frivole Variante des Exorzismusfilms sehen? Ich will! Und das KommKino macht’s möglich!

Ein Ort des freien Geistes

Das KommKino ist Teil des KunstKulturQuartiers in Nürnberg, das aus dem von 1973-1997 selbtverwalteten Kommunikations- und Kulturzentrum KOMM hervorgegangen ist. Dieses wurde in der Ruine des schon 1910 von Nürnberger Bürgern gestifteten Künstlerhauses eingerichtet und war unter anderem auch ein Sammelpunkt für linksautonome Gruppierungen, was 1981 zu der völlig überzogenen sogenannten “Massenverhaftung von Nürnberg” führte, in deren Verlauf 141 Pesonen verhaftet und bis zu zwei Wochen festgehalten wurden. Passend, das gerade in dieser traditionsreichen Festung des freien Geistes das Kommkino die Fahne hoch hält für die Pfui-Filme des Spießbürgers.

Filme die einem Hose und Hirn platzen lassen

Das Programm des Kommkinos ist immer spannend und eröffnet jedem wahrhaft aufgeschlossenen Kinofreund völlig ungeahnte Dimensionen des Filmgenusses. Schon die Trailer zu so manchem Film verkünden: “Da platzt Ihnen die Hose!” Das ist mir zumindest zwar noch nicht passiert, aber bei manchen Filmen reißt schonmal das Zwerchfell an, wie bei der burlesk-alpenländischen Hexalogie Liebesgrüße aus der Lederhose, seinerzeit übrigens riesige Kassenerfolge in der deutschen Kinolandschaft, die heute mit falscher Scham unter den Tisch gekehrt werden. Ein andermal ging ich nichts Böses ahnend in einen japanischen Horrorfilm aus den 70ern über einen den Ausflug einiger Schulmädchen aufs Land und wurde mit einem völlig deliranten in psychedelische Bilderkaskaden entgleisenden Feuerwerk wie Hausu – House verköstigt.

Prominente Gäste und andere Specials

Auch wenn das KommKino klein ist und manchmal wie der geheime Versammlungsort der Jünger eines düsteren Kinokults wirkt, kommen zuweilen sogar prominente Gäste zu Besuch, um ihre Filme zu präsentieren, etwa die Underground-Legende Jörg Buttgereit, der Troma-Gründer Lloyd Kaufman oder sogar der Grande des rischtisch juuten Films, Uwe Boll himself! Außerdem sorgt das KommKino mit verschiedenen Reihen und Specials für Abwechslung auf der Leinwand. Einmal im Monat gibt es beispielsweise den “Rollenwechsel”, bei dem ein Film mit queerer Thematik gezeigt wird, wie beispielsweise der höchst umstrittene Cruising, Fassbinders orange-pinker todesnah-schwülstiges Vermächtnis Querelle – Ein Pakt mit dem Teufel und aktuell Taxi zum Klo, das schonungslos bissige Selbstportrait von Frank Ripploh. Zu besonderen Anlässen wie der Nürnberger Blauen Nacht oder den großen Feiertagen veranstaltet das KommKino häufig ein spezielles Sonderprogramm, bei dem z.B. Noisebands und Witze-Erzähler die Zuschauer geistig auf die filmische Begegnung der siebten Art vorbereiten.

Ich kann das KommKino wirklich jedem empfehlen, der aufgeschlossen und entdeckungsfreudig ist und keine Berührungsängste mit Trash, Exploitation und Experimentalfilm hat!

Das Programm des KommKinos gibt’s hier. Wenn ihr auch ein Lieblingskino habt, was ihr gerne auf moviepilot vorstellen wollt, dann schickt uns einen etwa 300 Worte langen Text an redaktion [at] moviepilot.de. Bei Veröffentlichung erhaltet ihr zwei Kinofreikarten für dieses Lieblingskino!

Wähle dein Lieblingskino auf moviepilot und gewinne zwei Kinofreikarten!

Community Autor
folgen
du folgst
entfolgen
Deine Meinung zum Artikel Das KommKino in Nürnberg