Der Nebel im Serien-Check: Die Alpha-Männer sind die größte Gefahr

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Am 12.11.2017 jährt sich der Kinostart von Der Nebel zum 10. Mal. Der Horrorfilm, der auf dem gleichnamigen Roman von Stephen King basiert, handelt von einem plötzlich auftauchenden Nebel, in dem sich Insekten verstecken, in deren Größe sie nicht einmal in Australien zu finden sind. Menschen sehen sie als geeignetes Mahl oder Brutstätte für ihre Larven. Im Film verfolgen wir eine kleine Gruppe an Leuten, die es schafft, sich in einem Supermarkt zu verbarrikadieren und den Nebel zunächst ausharren will. Doch wie das so ist, befinden sich unter den Fliehenden eine verrückte Kirchen-Lady und mehrere Männer, die durch beständiges Wettpinkeln herausfinden wollen, wer der Härteste ist. Der Nebel von Frank Darabont war ein mittelmäßiger finanzieller Erfolg, Kritiker fanden ihn ebenfalls durchschnittlich. Über sein legendäres Ende wird jedoch bis heute noch diskutiert. Stephen King-Geschichten waren immer schon beliebter Stoff für Adaptionen und sind gerade heißer denn je. So findet die gleichnamige Serie Der Nebel ihren Weg auf die heimischen Bildschirme. Ist sie sehenswert?

Eine Klischee-Stadt, in der ausschließlich Stereotypen leben

In Der Nebel befinden wir uns in einer typischen und gewöhnlichen amerikanischen Kleinstadt irgendwo im Nirgendwo. Sie liegt in Kessellage und ist umsäumt von stattlichen Wäldern. Die Bewohner sind ebenso gewöhnlich. Im Zentrum steht eine junge und attraktive Familie. Eve (Alyssa Sutherland) und Kevin Copeland (Morgan Spector) haben eine 16-jährige Teenager-Tochter, Alex (Gus Birney), die sie selbst in diesem Alter bekommen haben müssen. Die Darsteller Sutherland und Birney können auf eine Karriere bzw. vereinzelte Jobs als Model zurückblicken. Eve wird in der ersten Folge aus ihrem Dienst als Lehrerin suspendiert, da sie ihren Schülern etwas über Oralsex erzählte (amerikanische Kleinstadt). Dies führt zu einer ersten Anspannung in der Beziehung von Eve und Kevin. Eve scheint sehr unzufrieden in dieser Stadt, in der ihr Ehemann aufgewachsen ist und sich wohl fühlt. Alex wiederum soll ein unscheinbarer Teenager sein, auch wenn sie aussieht, als könne sie im asiatischen Raum als Model Millionen verdienen. Ihre einzige Bezugsperson ist ihr bester Freund, Adrian. Dieser ist Goth und schwul, auch wenn er darauf beharrt, pansexuell zu sein. Die beiden sind Außenseiter und freuen sich daher sehr, als sie zu einer Party der coolen Kids eingeladen werden.

Ihr Vater erlaubt ihr zu der Party zu gehen, die plötzlich doch sehr strikte Mutter macht Alex, wie scheinbar allzu oft, einen Strich durch die Rechnung. Die Offenheit der Mutter scheint sich nicht auf die eigene Tochter zu übertragen und es wird angedeutet, dass sie einst etwas Schlimmes erlebt hat. Kevin setzt sich - zur Ausnahme - über den Wunsch seiner Frau hinweg und lässt Alex in der Begleitung von Adrian zur Party gehen. Schnell zieht ein tanzender Adrian die Blicke der anderen Gäste auf sich und wird kurz darauf als Schwuchtel beschimpft. Einer von zwei scheinbar guten männlichen Bewohnern der Kleinstadt - Football-Star Jay - nimmt ihn in Schutz und zeigt Interesse für Alex, deren Gebete damit erhört werden.

Eine Stadt voller männlicher Feinde

Am nächsten Tag finden Eve und Kevin ihre Tochter verstört auf der Hollywood-Schaukel sitzend. In einem Gespräch erzählt sie ihnen, dass sie auf der Party Alkohol trank und mit Jay aufs Zimmer ging. Sie erwachte am nächsten Tag auf einem blutigen Laken. Kevin ist außer sich vor Sorge, Eve hingegen kann ihre Wut auf ihren Mann kaum verbergen und gibt ihm die Schuld für alles. Die scheinbare Vergewaltigung wirkt etwas an den Haaren herbeigezogen und untermauert die Existenz der bedrohlichen Alpha-Männer in Der Nebel umso mehr. Die aufgebrachte Eve bestraft sowohl ihren Mann als auch die eigene traumatisierte Tochter damit, die Stadt zu verlassen, um für ein paar Tage bei ihrer Schwester unterzukommen. Es scheint eine sehr unlogische Entscheidung, da Mutter und Tochter ohnehin ein angespanntes Verhältnis haben und dies nicht der Moment für mütterlichen Egoismus ist.

Im Trailer zur Serie ist zu erkennen, dass Alex in späteren Folgen vom Nebel mysteriöserweise verschont bleibt, was hoffentlich nicht auf ihr traumatisches Erlebnis zurückzuführen ist. In der Pilotfolge wirkt der Vorfall zunächst wie ein willkürlicher Plotpoint, um die Familie zu trennen. Der Nebel taucht auf und Alex und Eve finden sich in einer Mall gefangen. Kevin steckt mit Adrian und zwei Gefängnis-Insassen im Polizeirevier fest.

Die Gefangenen wurden dort von einem verständnislosen Klischee-Polizisten eingesperrt. Er ist der Vater von Jay, dessen Fokus darauf liegt, dass sein Sohn nicht ins Gefängnis kommt. Dem Ereignis an sich steht er eher indifferent gegenüber und fragt den eigenen Sohn nicht einmal, ob er sich an Alex vergangen hat. In einem vorangegangenen Moment verkündete der Polizist stolz, Jay als Mann zu erziehen. Ein Beistehender erwidert in Bezug auf Familienvater Kevin, dass dieser nicht wisse, was ein Mann sei. Die zwei männlichen Figuren, Kevin und Adrian, die zum einen empathisch und zum anderen queer sind, werden in dieser Stadt der Alpha-Männer ausgegrenzt, was die Serie fast altertümlicher erscheinen lässt, als den 10 Jahre älteren Spielfilm.

Die Nebelmaschine

Über die Makel und zumindest anfänglich stereotype Darstellung der Figuren ließe sich vielleicht hinwegschauen, wenn der titelgebende Nebel wenigstens spannend inszeniert wäre und so für leichte aber immerhin Unterhaltung sorgen würde. Dem ist leider nicht so. Zum einen sieht er dürftiger animiert aus, als der aus dem gleichnamigen Film von 2007. Zum anderen erinnern Szenen, in denen sich Bewohner im Nebel befinden, an eine mit wenig Geld inszenierte Traumsequenz aus einer Schultheaterproduktion. Es gibt zwei Jump Scares, für deren Herannahen ihr keinen sechsten Sinn braucht.

Unser Serien-Check beruft sich natürlich lediglich auf die erste Folge von Der Nebel. Wenn anderen Kritiken Glauben geschenkt werden kann - und sie lagen mit ihrer Kritik an der Pilotfolge richtig - wird die Serie sich auch im Verlauf nicht bessern. Somit reiht Der Nebel sich in eine lange Liste von Stephen King-Adaptionen ein, die es nicht schaffen, auf dem Bildschirm und der Leinwand ebenso zu glänzen, wie auf dem Papier. Für Fans des Filmes könnte die Serie gegebenenfalls etwas interessanter sein als für mich, der bereits am Film einiges auszusetzen hat. Auch im Kinofilm waren die Charaktere Klischee beladen, aber es entstand zumindest eine gewisse klaustrophobische Anspannung, die in der Serien-Adaption aufgrund der verschiedenen Schauplätze ausbleibt. Die Serie wirkt jetzt schon veraltet und inszeniert mit seinen männlichen Charakteren ein ausgelutschtes und altmodisches Männerbild, das neben dem Nebel die größte Gefahr für die weibliche und "andersartige" Bevölkerung darstellen soll.

Fazit:

Die 10 Folgen der 1. Staffel von Der Nebel könnt ihr euch ab dem 25.08.2017 auf Netflix anschauen.

Werdet ihr euch Der Nebel angucken?

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