Dschungelcamp 2016 – Don't fuck with Helena Fürst!

Helena Fürst, die Thronfavoritin der Herzen.
© RTL/Stefan Menne
Helena Fürst, die Thronfavoritin der Herzen.
22.01.2016 - 09:10 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Mit Gunter Gabriel verließ einer der interessantesten Kandidaten das diesjährige Dschungelcamp aus freien Stücken. Die große Jubiläumsstaffel muss daher nun Helena Fürst im Alleingang rocken. Ein Zwischenfazit zum Fernsehglück.

Kein Dschungelcamp ohne traurige Überraschungen. Noch bevor sein gefallener Stern neu erstrahlen durfte, rief Gunter Gabriel den meistgefürchteten aller Sätze des australischen Dschungels. Die zehnte und zum Jubiläum leicht abgewandelte Staffel von Ich bin ein Star - Holt mich hier raus verlor dadurch vielleicht nicht ihren größten Sympathieträger, aber doch einen der wenigen Kandidaten mit Profil. Von Beginn an fühlte sich Gunter Gabriel unwohl im sogenannten Base Camp, einem von erstmals zwei Promi-Lagern. Die Dämonen seiner Vergangenheit schienen ihn schon einzuholen, bevor er es sich überhaupt auf seiner Hängematte gemütlich machte. Körperlich sei der 73-jährige Countrysänger zwar topfit, versicherte Dr. Bob nach dessen Auszug, aber psychisch war er in sichtlich schlechter Verfassung. Es fühlte sich an, als finde da ein stets gut gelaunt auftretender Zampano plötzlich melancholisch zu sich. Und als könne er diesen Zustand unmöglich ertragen. "Im Grunde ist mein Leben eine einzige Katastrophe", teilte Gabriel die – wie er sie nannte – düsteren Gedanken über seinen Lebensstil mit dem Publikum. Es war ein großer Moment. Man hätte gern mehr davon gesehen.

Mehr: Dschungelcamp 2016 – Das erwartet uns in Staffel 10 

Der vorzeitige Abschied des Mannes mit der zweitmarkantesten Halbglatze im Dschungelcamp ist nicht zuletzt deshalb bedauerlich, weil kaum jemand so ausgesucht geschmackvoll Paroli zu bieten wusste wie Gunter Gabriel. Als bislang einziger Kandidat wies er David Ortega in die Schranken und streichelte ihm zugleich verbal über den Kopf. "Ersteche mich, töte mich – dann haben wir eine gute Quote", murmelte er dem formvollendet verwirrten Ortega einmal zu. Die Kriegsstrategie von Gunter Gabriel verstand sich nicht auf Konfro (Helena Fürst) und auch nicht auf Kasalla (Thorsten Legat), sie war heimtückischer. Im selben Moment, wie er dem kleinen David Honig ums Maul schmierte, erschütterte er ihn in seinen Grundfesten. Mit der Mischung aus vergiftetem Lob (im Subtext: du bist toll, nervst aber unendlich) und treffsicherer Analyse des Kontrahenten ("Wahrscheinlich ist er zu jung oder zu blöd.") hatte sich Gabriel bereits früh für das Finale empfohlen. Was nun bleibt, sind halbfertige Erkenntnisse und uneingelöste Versprechen. "Wenn einer Scheiße redet, ist er ein toter Mann", hieß es vor Gabriels Einzug ins Base Camp. Doch David Ortegas Sprachakrobatik erfreut sich noch immer bester Gesundheit.

Großer Bruder immer da: Jürgen Milski und Thorsten Legat.

Um an die Stärken der fünften und achten Staffel anzuknüpfen, fehlt der Jubiläumsshow bisher jene debile Intelligenza, die erst in ihren Abgrenzungsversuchen gegenüber dem vermeintlichen Castingshow-Pöbel wahren Schrecken verbreitet. Wie oft jedenfalls wünschte man sich schon einen Mathieu Carrière oder Winfried Glatzeder zur Seite, wenn Jürgen Milski und Thorsten Legat Ringelpietz mit Anfassen spielten (gleichwohl die dann drohende Verschmelzung von körperlicher und geistiger Potenz andererseits sehr besorgniserregend wäre). Der Mallorcasänger und sein Ersatz-Zlatko haben sich in einer virilen Selbstgefälligkeit eingerichtet, gegen die bisher kein publikumswirksames Ankommen möglich scheint. Der eine möchte alles "wegklatschen", was nicht im Sitzen pinkelt, der andere inszeniert sich als brüderlicher Altenpfleger mit markiger Sensibilität. Treffen tun sich Legat und Milski folglich dort, wo es Sorgenkind Menderes Bagci (der zu Recht ins Finale einziehen wird) zum ganzen Kerl auszubilden gilt: Irgendetwas muss bei einem Mann, der nicht als aggressiver Platzhirsch auftritt, falsch gelaufen sein. Ab ins Dschungeltelefon, dem Menderes suchen wir jetzt erstmal eine Frau.

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Natürlich ist das kaum zu ertragen. Die psychopathischen Blicke des einen, das gönnerhafte Abzocksendergrinsen des anderen. Und der ständig in der Luft liegende Hauch von Aggression, sobald ein Thorsten Legat mal wieder die Welt nicht versteht. Man kann den Dschungelgöttern nur dankbar sein, dass sie die wider Erwarten unbedingt ernstzunehmende Helena Fürst ins diesjährige Dschungelcamp entsandt haben. Sie stellt sich dem Zirkus gerade nicht mit gesteigerter Streitlust, sondern der Contenance einer Thronfavoritin der Herzen. Gänzlich unbeeindruckt zeigt sie sich vom Testosterongebaren ihrer männlichen Ko-Camper, wunderbar klar analysiert sie die Regeln des Spiels. Das Dschungelcamp ist für sie nichts anderes als eine weitere Doku-Serie auf RTL, die man bestenfalls zu eigenen Bedingungen umgestaltet. Großartig etwa die Szene, in der sie Thorsten Legat nach dem gemeinsam bestrittenen defekten Promi-Dinner ("Karattenschwänze mit Eutern der Provence" – schon jetzt ein Klassiker) den verräterischen Satz entlockte: "Ich möchte nicht mehr, dass du meinen Namen in den Mund nimmst. Das dürfen nur meine Frau und meine Mutter."

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