Harry Belafonte - Zum 90. Geburtstag des Multitalents

Harry Belfonte in Sing your Song
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Die größte Rolle von Harry Belafonte ist, seiner Ansicht nach, die des lockeren, charmanten Sängers, den er auf der Bühne verkörpert. Er ist aber noch viel mehr. Als Entertainer, Sänger und politischer Aktivist wirkt Belafonte, der heute seinen 90. Geburtstag feiert, immer noch auf die Welt ein. Das ist Grund genug, einen Blick auf den Mann zu werfen, der sich nicht zur Ruhe gesetzt hat.

In einen Interview mit PBS bezeichnete Harry Belafonte sich selbst nicht als Sänger oder Musiker, sondern als Schauspieler. Eine bemerkenswerte Einstellung, weil er vor allem als Sänger bekannt ist. Seine Einstellung ist aber verständlich, weil er sich durch die Musik seine Schauspielausbildung finanzierte, das Gelernte aber auch auf der Bühne anwendet. Mit dem Geld, das er später durch seine Arbeit verdiente, unterstützte Harry Belafonte als einer der Ersten aktiv die Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King Jr. und setzte sich gegen den Rassismus in den USA ein.

Sein schauspielerisches Talent stellte er vor der Kamera in seiner Hauptrolle im 1954 veröffentlichten Musical-Drama Carmen Jones zur Schau, in dem Belafonte einen jungen Soldaten spielt. Dieser verliebt sich in die Gefangene, die er eskortieren soll. Bereits mit dieser ersten Hauptrolle stellte er sich als ernsthafter Schauspieler unter Beweis. Zehn Jahre zuvor, während des 2. Weltkriegs, trat Belafonte in die US-Navy ein. Somit konnte er seine Rolle auf eigenen Erfahrungen aufbauen. Seine späteren Rollen waren sehr bewusst ausgesucht, im Hinblick darauf, dass sie gegen den vorherrschenden Rassismus in den USA wirken oder mit den Erwartungen der Zuschauer spielen.

Der Öffentlichkeit zeigte Harry Belafonte, zumeist während seiner Konzerte, seine charmante Seite, die er mit lockerem Humor verknüpfte. Exemplarisch dafür ist sein Auftritt in der Muppet Show 1979. Bei seinem Auftritt sang er Day-O, sein bekanntestes Lied, erstmals im Fernsehen, zusammen mit den Muppets. Bei dem 1956 veröffentlichten Lied handelt es sich um einen jamaikanischen Worksong, der von Hafenarbeitern im Bananenexport erzählt.


Seine Filmrollen waren meistens ernster als viele seiner bekannten Lieder, weil er sie sehr bewusst ausgewählt hat. Beispielsweise spielte er im Krimi-Drama Wenig Chancen für morgen von 1959 einen Musiker, der dringend Geld braucht und sich dafür zu einem Banküberfall überreden lässt. Durch den Konflikt mit einem rassistischen Partner droht der Überfall zu scheitern.

Welche Präsenz Harry Belafonte auf der Leinwand hat, zeigte er 1959 mit dem Endzeitdrama Die Welt, das Fleisch und der Teufel. Das Psycho-Duell mit Mel Ferrer demonstrierte die darstellerische Kraft von Belafonte, gleichzeitig war es aber auch seine letzte Rolle für die folgenden 11 Jahre. Laut Foster Hirschs Buch The Man Who Would Be King, sollte er danach die Hauptrolle in Otto Premingers Musical Porgy und Bess von 1960 spielen. Belafonte lehnte aber ab, weil er an der Seite von Dorothy Dandridge, mit der er bereits in Carmen Jones vor der Kamera stand, erneut einen Mörder verkörpern sollte. In den folgenden 1960ern widmete er sich, von seinen stereotypen Rollenangeboten frustriert, der Musik.

Erst in den 1970ern kehrte er mit der Hauptrolle in Ein Engel namens Levin zur Schauspielerei zurück. Im Film übernahm Belafonte die Rolle eines Mannes, der sich einem jüdischen Hutmacher als flügelloser Engel vorstellt, vom Hutmacher aber nicht ernst genommen wird.

Im Kontrast dazu steht seine Rolle im Thriller Kansas City von 1996. In diesem spielt Harry Belafonte, mit ungewöhnlicher Härte und Gerissenheit, den stolzen Gangsterboss Seldom Seen. Dieser will an einem weißen Kleinkriminellen ein Exempel statuieren, weil dieser sich für seinen Beutezug als Afroamerikaner verkleidet hat. Während Seen durch den Diebstahl nur genervt ist, ist es die Feigheit und die Verkleidung, durch die der Dieb Seens Zorn auf sich zieht.

Bis heute zieht sich das Engagement von Harry Belafonte gegen Rassismus und Ungleichheit durch seine Arbeit. Er setzte sich vor der Kamera und auf der Bühne ebenso für seine Werte ein wie durch die Organisation von Projekten wie der Aufnahme von We Are the World. Zuletzt vertrat er seine Überzeugungen öffentlich durch seine Unterstützung von Bernie Sanders im US-Wahlkampf 2016. Wir wünschen Harry Belafonte alles Gute zum 90. Geburtstag.

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