Ich, Street Fighter II & echte körperliche Schmerzen

16.06.2015 - 15:05 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
Street Fighter II auf dem SNES
Nintendo/Capcom
Street Fighter II auf dem SNES
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Mein Herz für Klassiker gehört Street Fighter II und seinen diversen Nachfolgern. Kein Spiel habe ich öfter und über einen längeren Zeitraum gespielt. Was natürlich am genial-simplen Spielprinzip, aber auch an einer erbitterten Rivalität liegt.

Nach einer ordentlichen Runde Street Fighter II  tun mir immer gleich mehrere Stellen des Körpers weh: Der linke Daumen, beide Handgelenke, sowie die Oberseite der Knie und eine meiner Schultern – je nachdem, ob ich links oder rechts von meinem Lieblings-Gegner sitze. Denn Street Fighter II ist und bleibt für mich der Inbegriff des perfekten Multiplayer-Titels (neben Super Bomberman 2  und Mario Kart 64 ). Der Inbegriff des lokalen Multiplayers, wohlgemerkt. Und den hat traditionell niemand so fest im Griff wie Nintendo – erst recht nicht Mitte der 1990er Jahre.


Denn damals, lange bevor ich mich in die Materialschlachten eines Titanfall s gestürzt habe, gab es schlicht keinen Online-Multiplayer. Aber dafür den SNES und Street Fighter II: Es begab sich also zu der Zeit, dass der kleine Mave noch in die Grundschule ging. Dessen Freund Matthias hatte einen großen Bruder, der wiederum einen SNES samt besagtem Street Fighter II besaß. Immer wenn ich, aber der große Bruder nicht da war, haben wir auf einem unglaublich winzigen Fernseher in dessen Zimmer Street Fighter II , Super Mario All-Stars  und Rock N Roll Racing  gespielt.


Seitdem hat sich vieles geändert: Der Fernseher wanderte in das Zimmer des Freundes und irgendwann gehörte der SNES sogar ihm. Später bekam auch ich einen Super Nintendo geschenkt und habe mir quasi sofort Street Fighter Alpha 2  zugelegt. Anfangs flehte ich meinen traditionellen Widersacher noch um Gnade an und er durfte keine "Tricks" benutzen. Irgendwann kannte ich die Tasten-Kombinationen für Hadoukens und Uppercuts aber endlich auch selbst. Ungefähr ab dem Zeitpunkt, als ich Street Fighter Alpha II bekam, würde ich uns als halbwegs ebenbürtige Gegner bezeichnen. Auch wenn Matthias immer "auf Auto" gespielt hat.

Mehr: Street Fighter 5 ist hier! 

Was sich seit unseren Anfangsjahren allerdings nicht geändert hat, sind folgende Dinge: Wenn wir uns heute treffen und die Möglichkeit besteht, spielen wir Street Fighter gegeneinander. Und wir spielen das sehr erbittert gegeneinander. So, wie man es eben gegen seinen persönlichen Nemesis, seinen Hass- und Angstgegner spielen würde. Denn egal, ob bei Street Fighter II, Street Fighter II Turbo , Super Street Fighter II, Street Fighter Alpha II oder jetzt eben Ultra Street Fighter IV  (und bald hoffentlich Street Fighter 5 ): Seit zwei Dekaden versuchen wir, abschließend klarzustellen, wer denn nun der Bessere von uns beiden ist.


Das führt traditionell zu wüsten Beschimpfungen und eingangs erwähnten Schmerzen: Die Daumen und Handgelenke schmerzen vom stundenlangen Tasten-Drücken. Die Oberseite der Knie von den Schlägen, die man sich vor lauter Ärger über sich selbst mit der flachen Hand zufügt. Und die Schulter schmerzt natürlich ebenso, weil der Andere ein schlechter Verlierer ist. Was natürlich "nur am Drücker" liegt, oder daran, dass die Konsole "immer den Spieler 1 bevorzugt". Aber wir werden hoffentlich nie endgültig herausfinden, wer der Bessere ist. Denn es macht jedes Mal aufs Neue unglaublich großen Spaß. Trotz der Schmerzen und obwohl wir sowohl das Spielprinzip als auch unseren Gegner in- und auswendig kennen.

Ich schenke Street Fighter II also mein Herz für Klassiker, weil ich es seit über 20 Jahren immer wieder spiele – egal ob im Original oder einen der Nachfolger. Weil 8 wählbare Charaktere einfach genug sind, um für ewigen Spielspaß zu sorgen. Weil kein Spiel bessere und wuchtigere Sound-Effekte hat als Street Fighter II sie hatte. Und weil Ken immer gegen Ryu gewinnen wird.

Street Fighter II: The Animated Movie


Auch wenn die Street Fighter-Spiele stets mit konsequenten Neuerungen verbessert wurden, gehört mein Herz ganz klar dem Ursprung, der Essenz des Spielprinzips. Einem Spiel, bei dem man die vier ultra-fiesen Endgegner eben nicht einfach selbst steuern darf, aber dafür mit bloßen Händen Autos zertrümmern soll. Dem Spiel, das mich an dieses wundervolle Hobby herangeführt hat.


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