Nicht amerikanisch genug: Neuer Ryan Gosling-Film sorgt für heftige Diskussionen

Ryan Gosling in Aufbruch zum Mond
© Universal
Ryan Gosling in Aufbruch zum Mond

Bei der letztwöchigen Premiere von Damien Chazelles Aufbruch zum Mond in Venedig kam der Film überaus gut bei den Kritikern an und kann sich somit einige Chancen bei der nächsten Oscar-Verleihung einrechen. Eine Sache hat allerdings für Irritation gesorgt: Der Film hat ausgerechnet den ikonischen Moment ausgelassen, in dem Neil Armstrong (Ryan Gosling) die US-amerikanische Flagge auf dem Mondboden platziert. Damit wurde eine Kontroverse vom Zaun gebrochen, die Aufbruch zum Mond jetzt Anti-Amerikanismus vorwirft. Besonders erzürnt zeigte sich unter anderem der republikanische Senator Marco Rubio, der seinen Unmut auf Twitter kundgab: Der Film sei ein "Bärendienst in einer Zeit, in der unsere Leute eine Erinnerung brauchen, was wir alles erreichen können, wenn wir zusammen arbeiten." US-Amerikaner hätten die ganze Mission bezahlt, mit US-amerikanischer Technik gearbeitet und US-amerikanische Astronauten in den Weltall geschickt. Es sei keine UN-Mission gewesen.

Damien Chazelle und Ryan Gosling verteidigen ihren Entschluss

Einer der ersten, der die Auslassung der US-Flagge verteidigte, war Ryan Gosling. Auf der Pressekonferenz in Venedig (via Business Insider) begründete er die Entscheidung damit, dass die Mondlandung letzten Endes eine Errungenschaft der gesamten Menschheit war und keine exklusiv amerikanische. Außerdem sei solch eine Darstellung näher an dem Charakter von Neil Armstrong:

Ich glaube nicht, dass Neil [Armstrong] sich als amerikanischen Helden gesehen hat. [...] Es war eher das Gegenteil. Und wir wollten, dass der Film Neil reflektiert.

Wenige Tage später hat nun auch Regisseur Damien Chazelle ein offizielles Statement veröffentlicht, wie Deadline berichtet. Die Entscheidung sei keineswegs ein politisches Statement, es sei ihm schlichtweg um die weniger bekannten Seiten von Neil Armstrong und sein Innenleben gegangen:

Ich wollte, dass der Fokus auf Neils einsamen Momenten auf dem Mond liegt. [...] Meine Hoffnung ist, dass wenn wir tiefer graben und die Ikone menschlich machen, können wir besser verstehen, wie schwer, gewagt und heroisch dieser Moment wirklich war.

Die Söhne von Neil Armstrong unterstützen die Entscheidung ebenfalls

In einem Statement bei Entertainment Weekly haben sich auch Armstrongs Söhne Rick und Mark verteidigend vor den Film gestellt und argumentieren dabei ähnlich wie Damien Chazelle:

Das ist ein Film, der sich darauf konzentriert, was man nicht über Neil Armstrong weiß. [...] Es ist ein sehr persönlicher Film über die Reise unserer Vaters, so wie er es gesehen hat. Die Geschichte ist menschlich und universell. Natürlich feiert es eine amerikanische Errungenschaft. Es feiert auch eine Errungenschaft "für die ganze Menschheit", wie es auf Tafel geschrieben steht, die Neil und Buzz auf dem Mond zurückgelassen haben. [...] Kurz: Wir finden nicht, dass der Film auch nur im Geringsten anti-amerikanisch ist. Im Gegenteil.

Abseits davon ist den Venedig-Berichten zu entnehmen, dass die auf dem Mond aufgestellte Flagge definitiv im Film zu sehen ist. Nur eben nicht jener Moment, in dem sie aufgestellt wird. Ob das nun kontrovers ist oder nicht - davon können wir uns in knapp zwei Monaten selbst ein Bild machen, wenn Aufbruch zum Mond am 08.11.2018 in den deutschen Kinos startet.

Ein Neil Armstrong-Film ohne den ikonischsten Moment - geht das in Ordnung?

moviepilot Team
Pfizze Sven Pfizenmaier
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