Niemand war mit Justice League zufrieden: Eine Chronologie des Scheiterns

Justice League
© Warner
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Eigentlich dürfte Warner Bros. Justice League längst als unangenehmen Fehlschlag verbucht haben. Für das Studio bedeutete der Blockbuster, der bei einem geschätzten Budget von 300 Millionen Dollar weltweit nur gut 657 Millionen Dollar wieder eingespielt hat, den bislang größten Misserfolg des DC Extended Universe (DCEU). Die Gründe dafür sind wie so oft vielzählig, lassen sich im Kern aber sicherlich auf die überaus chaotische Produktionsgeschichte des Films zurückführen, die von etlichen Problemen behaftet war. Der neueste Anlass, weshalb die Öffentlichkeit nun an das Desaster hinter den Kulissen von Justice League erinnert wird, sind Tweets des Vulture-Redakteurs Kyle Buchanan, über die Comic Book Resources jetzt berichtet hat.

Kyle Buchanans Tweets über die Probleme hinter den Kulissen von Justice League

Buchanan beschreibt in seinem Tweet einen Vorfall, bei dem der damalige DC-Chef Geoff Johns offenbar massive Änderungen am Drehbuch von Chris Terrio vornahm, während die Dreharbeiten mit Zack Snyder als Regisseur noch in vollem Gange waren. Terrio war von den ständigen Anpassungen offenbar so frustriert, dass er sarkastisch angemerkt haben soll, ob man es nicht vielleicht auch mal mit einigen der von ihm geschriebenen Seiten versuchen wolle:

In einem nachfolgenden Tweet wurde Buchanan konkreter. So gab er an, das Studio sei offenbar derartig unzufrieden mit dem Drehbuch gewesen, dass Warner ein Treffen mit verschiedenen Drehbuchautoren organisierte. Unter anderem Joss Whedon, Allan Heinberg, Seth Grahame-Smith und Andrea Berloff sollten sich bisher gedrehtes Material ansehen und neue Vorschläge bezüglich des Drehbuchs abgeben. Hiernach soll Whedon dann für Drehbuchänderungen sowie Nachdrehs eingestellt worden sein:

Diese Aussagen werfen wiederum einen großen Schatten über die weit verbreitete Annahme, die chaotische Produktionsgeschichte des Superhelden-Blockbusters begann hauptsächlich nach dem Ausstieg von Snyder. Vielmehr enthüllen die neuen Informationen eine umfassende Chronologie des Scheiterns, die Justice League als entstelltes Produkt unentwegter Zerwürfnisse brandmarkt. Gleichzeitig gibt die Hintergrundgeschichte des Films nahezu perfekt Aufschluss darüber, was in teuren Hollywood-Produktionen großer Studios im Zuge des gegenwärtigen Franchise-Zwangs alles schiefgehen kann.

Zwiesgepaltene Unzufriedenheit hat Justice League in Einzelteile gerissen

Der wohl tragischste Verlierer von Justice League ist Zack Snyder. Ursprünglich verfolgte der Regisseur den Plan, das DCEU mit dem im Voraus als Zweiteiler angelegten ersten Part von Justice League in ungeahnt düstere Dimensionen zu führen. Erst mit der Fortsetzung wollte Snyder neues, hoffnungsvolleres Licht in sein Superhelden-Universum strahlen lassen. Ein Ansatz, der Warner anscheinend massiv missfiel. Bereits die vorangegangen DCEU-Filme wie Snyders Batman v Superman: Dawn of Justice oder Suicide Squad stellten Kritiker und Publikum alles andere als zufrieden, erwiesen sich für das Studio aber zumindest noch am Box Office als zufriedenstellend.

Der unweigerliche Konkurrenzkampf gegen das Marvel Cinematic Universe (MCU), das seit mittlerweile 10 Jahren als finanzielles Musterbeispiel in Sachen idealer Franchise-Vernetzung des Superheldenfilms gilt, dürfte Warner aber schließlich in die Knie gezwungen haben. Einen Aufwärtstrend, was die Rezeption eines DCEU-Films betrifft, brachte erst Wonder Woman, der überwiegend sehr positiv aufgenommen wurde. Dieser strahlte wesentlich positivere Töne und vor allem mehr Humor als alle bisherigen Filme des DC Extended Universe aus. Was dabei herauskommt, wenn sich ein Studio dem auf spaßige Unterhaltung verschriebenen Erfolgsrezept der Konkurrenz anbiedern und trotzdem die eigene, düstere Handschrift nicht vollkommen einbüßen möchte, ist Justice League. Die erste große Zusammenkunft der DC-Superhelden, die so etwas wie Warners Avengers werden sollte, ist ein unförmiger Flickenteppich auseinandergerissener kreativer Einflüsse.

Justice League wurde zum künstlerischen wie kommerziellen Fiasko

Nachdem Zack Snyder die Dreharbeiten zu dem Film bereits abgeschlossen hatte und nur noch die Post-Produktion zu erledigen war, zog sich der Regisseur nach dem Suizid seiner Tochter Autumn vollständig von dem Projekt zurück. Ein Bruchpunkt, der nach neuesten Erkenntnissen offenbar nicht so eklatant war, wie es die ganze Zeit schien. Schon davor stand für Warner offenbar fest, dass Avengers-Regisseur Joss Whedon die ideale Wahl sei, um den Blockbuster in eine andere gewünschte Richtung zu lenken. Gerüchte über eine frühere unanschaubare Fassung und Nachdrehs durch Whedon, die angeblich nur 15-20 % des finalen Films ausmachen sollten, führten am Ende zu einem künstlerischen wie kommerziellen Fiasko.

Bände spricht zudem der Umgang des Studios mit einer offensichtlich halbgaren Fassung, in der schlampige Effekte zusammen mit den gegensätzlichen Visionen von zwei so unterschiedlichen Regisseuren wie Zack Snyder und Joss Whedon zu einem Film geführt haben, der eher an ein notdürftiges zusammengeflicktes Ungetüm à la Frankensteins Monster erinnert. Spekulationen zufolge war sich Warner dem Umstand, dass Justice League ein garantierter Misserfolg werden würde, schon vor der Veröffentlichung bewusst. Somit ist der Streifen am Ende eine einzige Chronologie des Scheiterns wie aus dem Lehrbuch. Selten war einem Blockbuster in den letzten Jahren so sehr anzusehen, wie eine chaotische Produktionsphase voller Unzufriedenheiten, Zerwürfnissen und Fehlkalkulationen einen Film auf hässlichste Art entstellen kann.

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