Roseanne-Revival wird verlängert - trotz seiner kontroversen Hauptdarstellerin

31.03.2018 - 10:26 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Roseanne Revival - Trailer (English) HD
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© Roseanne-Revival
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18 Millionen Menschen sahen die Premiere, nun hat ABC das Revival von Roseanne verlängert. Derweil polarisiert Roseanne Barr mit ihren Tweets.

Wer glaubt, dass Revivals sich automatisch in einschläfernder Nostalgie üben, liegt zumindest bei Roseanne falsch. Kaum eine brandneue Serie hat die Gemüter in den USA dermaßen erhitzt wie die Neubelebung der Sitcom mit Roseanne Barr und John Goodman. Die Quoten der beiden Auftaktfolgen ließen Branchenbeobachter vergangene Woche mit offenen Mündern zurück, widersprechen sie doch allen Untergangsprophezeiungen für das lineare Fernsehen. Da nun ausgerechnet die Heldin einer progressiven Sitcom, die manch Pointe aus ihrem Widerstand gegen aufdringliche Chefs zog, Donald Trump gewählt hat, schlitterte das Feuilleton in manische Tiefenanalysen der amerikanischen Popkultur. ABC freut's. Der Sender hat Roseanne um eine 11. Staffel verlängert. Das Revival wird, wie schon das von Will & Grace, von Dauer sein.

Auch schlechte Publicity ist Publicity

Die Verlängerung des Roseanne-Revivals überrascht wenig, wenn auch die Frage im Raum steht, wie lange der Sender an seiner kontroversen Hauptdarstellerin festhalten wird. Roseanne Barr ist in der Realität nicht nur eine eifrige Trump-Unterstützerin, sondern watet in ihrer alle paar Wochen bereinigten Social Media-Präsenz durch die Untiefen von Verschwörungstheorien, ob es nun um Überlebende eines Amoklaufs geht, die sich für die Verschärfung der Waffengesetze einsetzen (Business Insider ), oder um ein bizarres Pizzagate-Sequel aus den paranoidesten Winkeln von 4Chan (Daily Beast ). Wieder aufgetauchte Fotos von Barr im Hitler-Kostüm seien hier nur am Rande erwähnt (Daily Dot ). Während US-Präsident Trump die Zeit fand, der Hauptdarstellerin zu den Premierenquoten zu gratulieren (BBC ), übt sich Roseanne Barr als Skandal-Magnet.

Roseanne

Auch schlechte Publicity ist allerdings Publicity und ABC wusste von vornherein, worauf sie sich mit dem Engagement einer polarisierenden Komödiantin wie Roseanne Barr einlassen. Entsprechend glücklich zeigt sich der Sender, der, wie der Hollywood Reporter  anmerkt, mit The Good Doctor das erfolgreichste neue Drama der TV-Saison sein Eigen nennt und mit Roseanne die erfolgreichste Serie der Saison. Zeitversetzte Zuschauer mit eingerechnet, belaufen sich die Einschaltquoten der Roseanne-Premiere mittlerweile auf sagenhafte 21,9 Millionen Zuschauer. Zum Vergleich: Die Oscars hatten dieses Jahr 26,5 Millionen Zuschauer.

13 Folgen, Starttermin unbekannt

Die 2. Staffel des Roseanne-Revivals und 11. insgesamt wird laut Hollywood Reporter aus 13 Folgen bestehen. Showrunner Bruce Helford hatte von vornherein angemerkt, dass 22 Folgen pro Staffel mit Darstellern wie John Goodman und Laurie Metcalf, die beide im Kino aktiv sind, unwahrscheinlich wären. Dafür sei eine kürzere Staffel pro Jahr denkbar. Ob die 2. Staffel von Roseanne bis zur kommenden Herbst-Saison umgesetzt werden kann, bleibt ungewiss.

Roseanne hat sich in kürzester Zeit in eine der relevantesten "neuen" Serien verwandelt, keine kleine Leistung im Zeitalter des Peak-TVs. Die Thematisierung der (weißen) Arbeiterklasse im Zeitalter der Trump-Präsidentschaft trägt einen genauso großen, wenn nicht größeren, Anteil wie die Nostalgie. Immerhin gibt es gefühlt stündlich Artikel der New York Times, in denen sich Trump-Wähler aus vergessenen Ecken der Staaten zu Wort melden. Ebenso wichtig für die Diskussionen ist indes die Tendenz, die politische Einstellung der Hauptfigur und ihrer Darstellerin mit der der Serie zu verwechseln. Zwei Folgen von Roseanne wurden bisher ausgestrahlt, umso spannender wird deshalb sein, wie die Familie und Serie mit ihrem kontroversen Zentrum umgehen wird.

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