Streit zwischen Netflix und Cannes - Streaming-Dienst zieht sich komplett zurück

12.04.2018 - 12:25 Uhr
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Okja
© Netflix
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Der Konflikt zwischen Netflix und Cannes hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Netflix-Programmchef Ted Sarandos verkündete jetzt, nicht am Festival teilnehmen zu wollen.

Seit Wochen werden die bevorstehenden, 71. Internationalen Filmfestspiele von Cannes von einem weitreichenden Konflikt überschattet. Nachdem im vergangenen Jahr noch zwei Original-Produktionen von Netflix im Wettbewerb liefen, verbannte Festivaldirektor Thierry Frémaux den Streaming-Dienst in diesem Jahr komplett aus diesem Wettbewerb, da Netflix-Filme in Frankreich keinen Kinostart erhalten. Über die genauen Hintergründe und Zusammenhänge dieser Entwicklung berichteten wir euch bereits in einem ausführlichen Artikel. Nun hat Netflix reagiert und zeigt seine Filme gar nicht beim Festival.

In einem Exklusiv-Interview mit Variety  bezog Netflix-Programmchef Ted Sarandos Stellung und gab an, nicht mehr am Festival teilnehmen zu wollen. Zu dem Angebot des Festivals, dass Filme des Streaming-Anbieters außer Konkurrenz laufen dürften, äußerte er sich wie folgt:

Wir wollen, dass sich unsere Filme auf genau derselben Ebene befinden wie die der anderen Regisseure. Es würde für uns ein Risiko darstellen, diesen Weg einzuschlagen, der unsere Filme und unsere Regisseure respektlos behandelt. Sie [Cannes] haben den Ton vorgegeben. Ich denke nicht, dass es gut für uns wäre, dabei zu sein.
Okja

Konkret betroffen von dieser Entscheidung sind die Netflix-Filme Roma, Norway, Hold the Dark, The Other Side of the Wind und die Orson Welles-Doku They’ll Love Me When I’m Dead. Näheres zu den Filmen könnt ihr hier bei uns erfahren.

Weitere Äußerungen von Ted Sarandos

Ted Sarandos gab im Gespräch außerdem an, dass er selbst dieses Jahr nicht am Festival teilnehmen werde. Es werden allerdings Mitarbeiter von Netflix vor Ort sein, die in der Film-Akquise tätig sind. Auch wenn der Streaming-Anbieter keine eigenen Filme mehr für das Festival einreichen wird, will der Netflix-Programmchef nach wie vor auf dem dortigen Markt mitmischen und sich zumindest die Vertriebsrechte für vielversprechende Filme sichern. Auf die Frage, ob er glaube, Cannes könne seine Meinung gegenüber Netflix in Zukunft nochmal ändern, zeigt sich Ted Sarandos optimistisch. Er habe den festen Glauben, dass Thierry Frémaux seine Liebe zum Kino teilt. Sobald der Festival-Direktor merke, was für eine Bestrafung die aktuellen Richtlinien für Filmemacher und Filmliebhaber darstellten, würde dieser erneute Veränderungen mit Sicherheit begrüßen.

Was haltet ihr von der Entscheidung des Netflix-Programmchefs?

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