Tatort-Kritik

Tatort Kassensturz: Klasse an der Kasse

Odenthal ermittelt
© ARD
Odenthal ermittelt

Gestern abend durfte wieder einmal die Frau für die schwierigen (Sozial)-Fälle ran: Lena Odenthal, eine Tatort-Kommissarin, die gerne mal in Fällen zu aktuellen Themen ermittelt. Im Tatort: Kassensturz wagte sie sich in die Niederungen einer Discounter-Kette. Mit Erfolg: 8,72 Millionen Zuschauern waren dabei, das entspricht einem Marktanteil von 23,8 Prozent. Spitzenwert für den Sonntagskrimi!

Die Leiche liegt im Müll

Auf einer Mülldeponie wird die Leiche von Boris Blaschke gefunden, der bis zu seinem Ableben Gebietsleiter bei der Discount-Kette Billy für Ludwigshafen war. Als Lena Odenthal und Mario Kopper in den dortigen Filialen die Ermittlungen aufnehmen, bekommen sie Einblick in eine Branche, in der extremer Druck auf die Angestellten ausgeübt wird. Immer höheres Arbeitstempo und unbezahlte Überstunden sind an der Tagesordnung, und selbst vor der Beobachtung der Angestellten durch eine Detektei schreckt ein Gebietsleiter wie Blaschke nicht zurück.

Am Abend vor seinem Tod hatte er Gisela Dullenkopf, Beate Schütz und andere Frauen aus einer seiner Filialen bei einem Treffen am Feierabend aufgespürt, bei dem sie die Gründung eines Betriebsrats planen wollten. In dieser Atmosphäre des Misstrauens, der Kontrolle und der unterdrückten Wut finden Lena und Kopper etliche Mitarbeiter mit potenziellen Mordmotiven.

Blaschkes Nachfolger Günter Novak, der offensichtlich wenig von seinem ehemaligen Kollegen hielt, versucht zu verhindern, dass Angestellte mit den Kommissaren kooperieren. Trotzdem finden die beiden Kommissare heraus, dass sich wenige Monate zuvor Gisela Dullenkopfs Sohn Jan, der ebenfalls bei Billy arbeitete, umgebracht hat. Nun rückt seine Mutter in den Fokus der Ermittlungen.

Kritik: Geiz ist geil – um jeden Preis

“Kassensturz von Lars Montag bietet einen gelungenen Einblick ins miese Milieu der Billigdiscounter: Abschachteln und Umwälzen”, meint “Meine Filmwelt”-Kritiker Tobias Bauckhage. "Geiz ist geil hat seinen Preis: um immer günstiger anbieten zu können, müssen alle Handgriffe im Billigdiscounter bis aufs Unmenschliche hin optimiert, gestrafft und beschnitten werden. Nur dann stimmt die Filialrendite. Dafür gehen Gebietsleiter schon mal über Leichen, schikanieren und bespitzeln ihre Kassiererinnen, erpressen Unmengen unbezahlter Überstunden. Und züchtigen Mitarbeiter, die die Kassencodes für Zucchini nicht auswendig aufsagen können. Klingt alles ganz schön behauptet. Wenn da nicht diese Lidl Skandale im letzten Jahr gewesen wären.

Regisseur Lars Montag und Autor Stephan Falk haben genau recherchiert, tief in das Lidl-Schwarzbuch geblickt und so ein wirklich neues, fieses Setting für ihre Geschichte gefunden. Jan Henrik Stahlberg (Muxmäuschenstill) und Adele Neuhauser sind als die üblen Discounter Schergen super besetzt. Und so entsteht ein wirklich wunderbar unangenehmes Milieu, das bei einer guten Einschaltquote die Umsätze von Lidl, Penny und Aldi in der kommenden Woche einbrechen lassen dürfte.

Die Geschichte an sich geht in Ordnung. Odenthal und Kopper machen einen soliden Job. Sie gehören ja erfreulicherweise auch zu den weniger aufgeregten Kommissaren. Auch auf die üblichen jovialen und ein wenig schlecht gelüfteten Dauergags zwischen Kollegen wird verzichtet, was sehr angenehm ist. Am Ende scheint Autor und Regisseur dann aber leider vor lauter Milieustudie ein bisschen die Puste auszugehen. Die Auflösung purzelt am Ende durchs Wohnzimmer wie ein Stapel leerer Kartons Bückware.

Aber alles in allem war das ein guter Tatort."

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