The Greasy Strangler - Darf's bei Ihnen noch etwas mehr Fett sein?

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Lovely, in a fluffy, moist kind of way.

Die EU-Gesundheitsminister warnen - oder sollten es vielleicht, denn was unter dem an sich schon ominösen Namen The Greasy Strangler hier und da auf den Speisekarten der Streaming-Restaurants eurer Wahl steht, ist ein Fünf-Gänge-Menü des Irrsinns, eine wahre Geschmacklosexplosion, ein Buffet der unglaublichen Szenen und Dialoge, an dem ihr lange zu knabbern haben werdet, denn dieser Bratfett-Killer-Film ist definitiv eine der, wenn nicht DIE... nun, sagen wir mal: exotischsten cineastischen Mahlzeiten, die euch je aufgetischt wurden.

Und sie ist ganz und gar nicht gesund - und daher umso leckerer! Ein bisschen so wie zu viel Fett, zu viel Salz, zu viel Zucker ... Sollte euch also heute der Sinn nach zu viel, nach etwas ganz und gar Ungesundem stehen, dann hat FrancisYorkMorgan genau das richtige Rezept, um euch den Mund wässrig zu machen. Mindestens!

Der Kommentar der Woche von FrancisYorkMorgan zu The Greasy Strangler

Darf's bei Ihnen etwas mehr Fett sein?
Oh ja!

Zutaten: gesättigte Fettsäuren; drei schrumpelige Hauptdarsteller; essbare Augen (herausgedrückt im eigenen Saft); furchtbare Klamotten; grausame Frisuren; ein überdimensionierter und ständig präsenter P e n i s mit extra Leerzeichen; Fettextrakte; Salz in Wunden; eine ölige, gerubbelte Kirsche auf fettiger Grapefruit; ein cholesterinreicher Soundtrack; natürliche Aromen; ungelenk gesetzte Verdickungsmittel; ungesättigte Fettsäuren; Eigelb und Hodenweiß.

Bei einer Portion von 90 Minuten The Greasy Strangler bitte drei Brechbeutel je Zuschauer bereithalten, bei Bedarf mit Bier und Butterschmalz kontern. The Greasy Strangler kann unter Rühren erwärmt werden und ist auch für Mikrowellen geeignet. The Greasy Strangler passt hervorragend zu fleischiger Wurst, in Butterreinfett gebratenen oder vollmundig geräuchertem Fisch und allen leidenschaftlich durchzogenen Fleischgerichten. Reste in einem warmen Fettfass voller Fett aufbewahren und spätestens nach drei Tagen verbrauchen.

Mindestens haltbar bis Ende: Siehe unten.

The Greasy Strangler ist vermutlich das Beste, was der Filmwelt jemals passiert ist. Diese schwarze, triefende und irritierend magische Dramödie, verfeinert mit einem knusprig tropfenden Speckstreifen Splatter-Horror, gehört gesehen, vertilgt und verdaut. Und zwar bis zum bitter-träufelnden Ende. Etwas abseitigeres, schrägeres und seltsameres als The Greasy Strangler, lässt sich dieser Tage einfach nicht finden.

Big Ronnie (Michael St. Michaels) lebt mit seinem Sohn Big Brayden (Sky Elobar) zusammen. Beide führen tagsüber Touristen an Orte, an denen sich Künstler eventuell (!) in ihrem Schaffen inspirieren ließen. Big Ronnie ist ein Fleisch- und Fettliebhaber höchster Genüsse (er würde sogar Öl in seinen Kaffee oder auf Süßwaren schütten) und lebt des Nachts seine angereicherten Gelüste und Triebe als fettummantelter Würger, als 'Greasy Strangler', aus. Der bestimmende Big Ronnie wird zum ranzig verschmierten und 'maskierten' Mörder und stillt seinen unersättlichen Hunger nach Fett, während sich sein unsicherer und zunächst schüchterner Sohn Big Brayden unsterblich in die eigenartige Janet (Elizabeth De Razzo) verliebt.

Die alltägliche Dynamik der beiden ungleichen Männer gerät aus den fettigen Fugen und die Emotionen von Vater und Sohn kippen in einen unvergesslichen, schillernden und leuchtenden Fress-, Konfetti- und Sexrausch, der nur ganz schwer ohne mehrfach amüsiertes Kopfschütteln auszuhalten ist. Großartig und fordernd, schmackhaft und exotisch eingelegt.
The Greasy Strangler ist DER grelle Antifilm und ein betörender, sleaziger und sättigender Gag voll der erlösenden Ernsthaftigkeit, eingeölt in ein lipid ausgespieltes Empfinden für Humor und brenzlige Geschmacklosigkeiten, welche sich nur schwerlich beschreiben lassen, hat man sich diesen kreativen, unvergesslichen und würzig markanten Film nicht selbst auf den Geschmacksknospen zergehen lassen.

Dabei lässt sich Jim Hoskings köstliches Wunderwerk des Autorenfilms nicht lumpen und sorgt für porentiefe Abscheu par excellence! Alles in The Greasy Strangler schreit und stöhnt nach einer seltsam faszinierenden, aber durchweg selbstbewussten und köstlich glänzenden Hässlichkeit. Würde man die Gesichter der hier gespielten Figuren bei irgendeiner FaceApp umgestalten wollen, gäbe es wohl Fehlermeldungen am laufenden Band. Äußere Schönheit gibt es in The Greasy Strangler nicht einmal in Ansätzen - der Film gibt sich wirklich größte Mühe - und auch die inneren Werte der Protagonisten sind, nebst ihrer durchweg schwachsinnigen, aber höchst erheiternden Ansagen, keine leicht verdauliche Kost.

The Greasy Strangler liegt, auf eine sehr lustige und schiefe Art, verdammt schwer im Magen, setzt definitiv an und das, was einem der Film gibt, wird man nie wieder von den Hüften oder aus'm Kopf kriegen, ganz gleich, was man von dieser, in Fett getränkten Delikatesse letztlich halten mag, oder wie streng man Diät hält.

Bullshit-Artist! Hoskings wirft einige schmackhafte Vorbilder (u.a. Todd Solondz und Quentin Dupieux) in eine entsetzlich verschrobene Fritteuse und streicht seinen eigenen, ziemlich derben und zielsicher schmatzenden Humor auf die Speisekarte. Ein saftiger Knorpel und eine unnachahmliche und nie dagewesene Großtat des Bad Taste-Films. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt, Bullshit-Artist! Dieser Film ist eine anstrengende und lustvolle Völlerei, ein, in ästhetischer Hinsicht, ziemlich ausfallender und doch so selbstsicherer Film, den ich einfach lieben muss!

Großes Lob gebührt den aufopferungsvollen und hingebungsvollen Darstellern. Einen so dermaßen überzogenen, unterhaltsamen und grenzenlos geschmacklosen Wahnsinn so konzentriert zu spielen, ohne dabei vor Gelächter in seinen eigenen Fäkalien zusammenzubrechen, ist schlicht überirdisch gut! Das Herz des Films ist das regelrecht bizarre Spiel von Michaels und Elobar. Ohne die beiden talentierten Akteure, die sich hier für GAR NICHTS zu schade sind, würde dieser Film nicht funktionieren, was auch immer das bedeuten mag.

The Greasy Strangler ist eine letztlich herzliche, absurde und zutiefst einfühlsame Reise zweier Männer, die einfach nicht gar nicht wahr sein kann. Ein spaltendes, schwitzendes und saukomisches Bratfett-Wunder.

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