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Mein Herz für Klassiker

Und täglich grüßt das Murmeltier - Eine wahrhaft zeitlose Liebeskomödie

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© Sony Pictures
Und täglich grüßt das Murmeltier mit Bill Murray und Andie MacDowell
18.07.2017 - 11:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Mein Herz für Klassiker schlägt aus vielen Gründen für die zeitlose Liebeskomödie Und täglich grüßt das Murmeltier. Lasst euch von meinem Artikel mit in die Zeitschleife von Phil Connors entführen.


"Okay, raus aus den Federn! Nicht die warmen Schühchen vergessen. Es ist saukalt da draußen."

"Es ist jeden Tag saukalt. Wo sind wir hier? In Miami Beach? Wohl kaum."

Richtig: Wir sind nicht in Miami Beach, sondern in Punxsutawney, Pennsylvania. Hier wacht der Wettermann Phil Connors am Morgen des 2. Februar in seinem Hotelzimmer auf. Und das nicht nur einmal. Sondern immer und immer wieder. Die Geschichte des Mannes, der den gleichen Tag in einer Zeitschleife jedes Mal aufs Neue erlebt, ist den meisten sicherlich bekannt. In diesem Herz für Klassiker erkläre ich, was diese intelligente Liebeskomödie mit unbestreitbarem Kultfaktor für mich so besonders macht.

Ohne auch nur einen Hauch von Filmen oder gar Filmklassikern zu verstehen, sah ich Und täglich grüßt das Murmeltier das erste Mal im Alter von acht Jahren. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ist es als Kind nicht immer so schön einfach? Ich mochte den Film eben. Fertig. Heute aber gehe ich auf Spurensuche in den Tiefen meiner eigenen Gefühlswelt.

Phil trotzt dem Schneesturm - vergebens

Eine grandiose Idee wird geboren

Die Geburtsstunde eines jeden Films beginnt mit dem Drehbuch. So setzte sich Danny Rubin eines Tages an das von Und täglich grüßt das Murmeltier. Seine ursprüngliche Idee  drehte sich eigentlich um eine unsterbliche Person. Jahre später ist daraus eine der besten Liebeskomödie überhaupt entstanden. Und das liegt vor allem an dem richtig guten Drehbuch. Die fröhlich leichte Verpackung mit einem top aufgelegten Bill Murray birgt ein wahrlich philosophisches Thema. Das ist es, was mich von Anfang an so fasziniert hat. Dieser Film ist originell, philosophisch, tiefgründig und wahnsinnig lustig. Dramen und große Gefühle hipp oder hopp - womit man mich wirklich überzeugen kann, ist eine Komödie mit Grips! Fehlt die Substanz, greift der Humor für mich ins Leere.

Phil ist alles egal

Die Sache mit der Zeitschleife

Zwar erschien bereits 1933 der erste Film, der das Zeitthema  genauer unter die Lupe nahm. Letztendlich jedoch gelang es Danny Rubin, was sich jeder Künstler wünscht: Er machte eine Grundidee populär. Viele Theorien und philosophische Ansätze ranken sich um das unerklärliche Phänomen, das Phil widerfährt. Der Drehbuchautor beteuerte 2016 in einem Interview mit The Telegraph , dass er und Regisseur und Ko-Drehbuchautor Harold Ramis keine tieferen Intentionen gehabt hätten. Sie wollten die Leute schlichtweg unterhalten. Deshalb ist es trotzdem nicht verboten, eigene Gedanken oder Assoziationen zu dieser Trope zu entwickeln.

Der Klavierunterricht hat sich ausgezahlt.

Phils erstaunliche Wandlung beginnt mit seiner spontanen Zuneigung zu Rita (Andie MacDowell). Er spielt mit der Idee, sie besser kennenzulernen, und verliebt sich schließlich in sie. Zu Beginn verwendet er seine Situation, um herauszufinden, welche Dinge sie am liebsten mag, um am "Tag darauf" besser bei ihr punkten zu können. Einer der besten Szenen dieser Art ist seine spontane Reaktion auf ihr Studienfach Französische Literatur des 19. Jahrhunderts - Was für eine Zeitverschwendung! Da das nicht so gut bei Rita ankommt, versucht er es beim nächsten Mal mit einer Rezitation auf Französisch. Im Laufe des Films entdeckt Phil durch den gleichen Tag um sich herum viel mehr Dinge über sich und über das Leben. Er wird - und das klingt so schrecklich bieder - zum besseren Menschen. Das liegt zum großen Teil an seinem Interesse an Rita. Aber auch die Begegnung mit dem Bettler, den er nicht vor dem Tod retten kann, oder seine Selbstmordversuche lassen ihn als Person wachsen und machen aus dem griesgrämigen Wettermoderator einen anderen Menschen.

Die Balance ist Gold wert

Es ist nicht nur der Glaube an das Gute im Menschen, der mir hier so gut gefällt. Der Film hat darüber hinaus etwas ausgesprochen Zauberhaftes. Abgesehen von seiner ungewöhnlichen Handlung mit Fantasy-Elementen wirkt die Atmosphäre des winterlichen Punxsutawney oft märchenhaft. Dabei rede ich nicht von kitschigen Glitzereffekten oder verschwommenen Linsenblenden. Und täglich grüßt das Murmeltier entkommt diesen kitschigen Klischees, die Liebesmärchen oft anhaften, durch seine realistische Ausarbeitung und den ausgezeichneten Humor. Früh genug wird der Zuschauer durch Ernsthaftigkeit genauso wie durch Humor auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Beispielsweise, wenn Phil sich mit schicksalhafter Musik vom Kirchturm stürzt oder wenn der Toaster in der Badewanne landet und daraufhin der Strom im Hotel ausfällt.

Ausbruchsversuch

Zitierfähige Charaktere

Ohne Frage ist Bill Murray in seiner Rolle als Phil das Zentrum von Und täglich grüßt das Murmeltier. Spannend gezeichnet sind aber auch die restlichen Charaktere, die sich in dem kleinen US-amerikanischen Städtchen tummeln. Zuallererst ist da natürlich Rita, durch die Phil nicht nur die besten Dating-Tipps, sondern auch einiges fürs Leben lernt. Sie ist eine herzensgute Person, ohne nervig oder belehrend zu sein. Die wunderschöne Rita ist mehr als eine Liebschaft. Meine persönliche Lieblingsfigur bleibt ohne Frage Ned, der nervige Schulfreund Phils, der ihn auf der Straße anspricht. Im Laufe des sich wiederholenden Tages muss sich Phil immer wieder neue Ausflüchte ausdenken, um den Versicherungsvertreter loszuwerden. Ein einfacher, aber wirkungsvoller Dialog entsteht auch zwischen der zuckersüßen Hotelbesitzerin, als Phil beginnt, an seinem Verstand zu zweifeln:

"Haben Sie manchmal Déjà-vus, Mrs. Lancaster?"

"Ich glaube nicht, aber ich könnte in der Küche nachfragen."

Das deutsche Filmplakat zu Und täglich grüßt das Murmeltier

Für mich ist Und täglich grüßt das Murmeltier ein Film, den ich - ironischerweise - immer und immer wieder schauen könnte. Tatsächlich fand am 02.02.2016 anlässlich des Murmeltiertags ein Event in Liverpool  statt, an dem der Film ganze 12 Mal innerhalb von 24 Stunden gezeigt wurde. Ich verlange ja nicht, dass ihr ihn 12 Mal hintereinander schaut - aber gesehen haben sollte man diesen charmanten Klassiker auf jeden Fall. Viel Spaß bei vielen Murmeltiertagen!

Wie gefällt euch Und täglich grüßt das Murmeltier?

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