Warum George Millers Justice League Mortal scheiterte

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Warum George Millers Justice League Mortal scheiterte

Reisen wir zurück in das Jahr 2007. Superman Returns hat an den Kinokassen enttäuscht, die Dreharbeiten zu The Dark Knight ziehen gerade von London nach Hongkong und Warner plant einen Justice League-Film. Nicht mit Brandon Routh oder Christian Bale in den Hauptrollen, sondern einem neuen Cast unter der Führung von Mad Max-Regisseur George Miller. Justice League Mortal lautet der Arbeitstitel und im November dringen die ersten Besetzungen nach außen. Adam Brody soll The Flash spielen, Megan Gale wird als Wonder Woman gecastet. Der weitgehend unbekannte Armie Hammer ist für die Rolle des Batman vorgesehen, Common verkörpert Green Lantern und Jay Baruchel wird zugetraut, den Bösewicht Maxwell Lord zu spielen. Es ist eine junge Darstellerriege, die den auf 220 Millionen Dollar veranschlagten Blockbuster tragen soll, in dem Warner den Start eines neuen Franchise erhofft. Aber noch nie hat eine Comic-Verfilmung so viele ikonische Superhelden versammelt. Haben wir es hier nicht mit einem Selbstläufer zu tun?

Justice League Mortal kommt im Sommer 2009 nicht ins Kino. Erst verzögert der Streik der US-Drehbuchautoren die Arbeit. Kurz vor dem Dreh gibt es Probleme mit den australischen Behörden. Das Budget steigt. Der enorme Erfolg von The Dark Knight wiederum wirft beim Studio die Frage auf, ob die parallele Einführung eines zweiten Batman wirklich so clever ist. George Miller verlässt das Projekt im Dezember. Er wird statt des Superheldenfilms Happy Feet 2 und Mad Max: Fury Road drehen. Warners Superhelden-Strategie wendet sich wieder Einzelfilmen zu, der erste wird Green Lantern 2011.

So hätte die Justice League aussehen können:

Das geleakte Drehbuch zu Justice League Mortal präsentiert eine ungewöhnliche Ausgangslage: Der Weltfrieden ist erreicht. Wonder Woman spricht vor der UN. Andere Justice League-Helden gehen ihren alltäglichen Berufen nach. Nur Batman mag nicht loslassen: Er überwacht jeden Schritt seiner Kollegen, falls, ja falls die Götter auf Erden vom rechten Pfad abkommen. Einige Story-Elemente in dieser frühen Drehbuchfassung werden wir so oder so ähnlich in den Folgejahren im Kino sehen: Batman mit seinem Überwachungsapparat wie in The Dark Knight, einzelgängerisch und paranoide wie in Batman v Superman: Dawn of Justice; ähnlich wie in Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron wendet sich die von ihm genutzte Technik gegen ihren Schöpfer; à la The First Avenger: Civil War und Batman v Superman versucht der Bösewicht die Helden gegeneinander aufzubringen, was im Drehbuch zu einem ziemlich epischen Kampf zwischen Superman und Wonder Woman führt; der Klimax wird mit Hilfe von Robotern in Gang gesetzt und ein Held muss dem Schurken das Genick brechen. Was vor allem zeigt, wie generisch das Skript mit dem Finale verfährt.

Andere Elemente scheinen Problemen vorzubeugen, die insbesondere Batman v Superman vorgeworfen werden. So lockert das Justice League-Skript von Michele und Kieran Mulroney (Sherlock Holmes 2: Spiel im Schatten) die abgehobene Stimmung zwischen den Super-Göttern auf, in dem der Flash zum heimlichen Helden gemacht wird. Er kann stellvertretend für den Zuschauer gar nicht glauben, dass er mit Wonder Woman, Green Lantern und Aquaman abhängen darf. Das Grundproblem des Skripts wird aber auch von der offenkundigen Liebe zur DC-Mythologie und deren Fans nicht verborgen: Justice League Mortal liest sich wie der dritte Akt eines Franchise, ist aber der erste.

Mit Kisten voller Comics im Keller steigt man ohne weiteres in die Story ein. Alle anderen warten vergeblich auf erklärende Einführungen des Martian Manhunters, Talia al Ghuls, Aquamans oder von Green Lantern. Insofern bildet das Skript nachträglich ein triftiges Argument für Marvels Held-für-Held-Weg zum Avengers-Film. In der Fassung, in der es momentan im Netz zugänglich ist, wäre das Drehbuch wohl nicht verfilmt worden. George Miller wollte eine junge Besetzung für den Franchise-Start, das Drehbuch ging von gestandenen Helden aus. Wer will einem 21-jährigen Armie Hammer schon diesen Batman abnehmen? Als Idee für eine Franchise-Etablierung ist Justice League Mortal mit all seinen Problemen heutzutage allerdings ein exzellentes Lehrbeispiel, nach dessen Analyse wir uns zumindest auf eines einigen sollten: Ein Glück, dass George Miller stattdessen Mad Max: Fury Road gedreht hat!

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