Iranisches Kino

Zeit des Zorns von Rafi Pitts

Der Polizistenmörder in Zeit des Zorns
© Neue Visionen Filmverleih
Der Polizistenmörder in Zeit des Zorns

Dass das iranische Kino nicht gerade floriert, dürfte nicht nur denen klar sein, die aufmerksam die Affäre um die Verhaftung von Jafar Panahi (Offside, Der Kreis) oder den Tod der Demonstrantin Neda verfolgt haben. Mahmud Ahmadinedschads diktatorisches Regime geißelt die Filmindustrie, wo es nur kann und auch Rafi Pitts dürfte sich nach seinem letztjährigen Kritiker-Erfolg Zeit des Zorns freuen, wenn er sich wenigstens im Exil sein Leben genießen kann. Das Drama um einen Mann, der Frau und Tochter durch die Polizeigewalt in Teheran verliert, ist keineswegs Zucker in den Ohren des Staatsapparats, welches Dissidenten gerne mal in Ketten legt.

Rafi Pitts wohnt deshalb auch mittlerweile in Paris. Er verbrachte zwar seine Jugend in England, studierte dort Film- und Fotografie, gilt aber dennoch als einer der bekanntesten Vertreter des iranischen Kinos. Zeit des Zorns ist sein vierter Spielfilm, nachdem er zuletzt 2007 mit Zemestan – Es ist Winter auf sich aufmerksam machte. Nun spielt er unter seiner eigenen Regie die Hauptfigur eines Mannes, der in stummer Ohnmacht den Mord an Frau und Kind durch Selbstjustiz gegen den übermächtigen Mullah-Staatsapparat zu sühnen versucht.

Schlechter Film?

Dass Zeit des Zorns dennoch kein guter, weil extrem zäher und konfuser Film geworden ist, ist schade. Der Regisseur hätte sicherlich alle Zeichen unserer Zeit zu seinen Gunsten stehen gehabt, um das aussagekräftige Drama zu einem wirklich interessanten, viel diskutierten Werk zu befördern. Doch Zeit des Zorns langweilt. 88 Minuten lang verfolgt der Zuschauer einen Protagonisten, dessen Tun und Empfinden seltsam fern bleiben, dessen Inneres nicht erklärt wird, dessen Trauer nicht verbildlicht. Er wartet auf einer gefliesten Polizeistation, er jagt mit seinem Auto den Polizisten davon, er streift stumm mit seinen Henkern durch den Wald. Ein Flashback, das ein seltsames Licht auf die getötete Ehefrau wirft, wirkt unpassend und verläuft im Leeren. Aufgeteilt in drei Akte – Mann und Familie, Mann und Mord und Mann und Polizei – bietet der Streifen rein gar nichts, was einem den heutigen Iran irgendwie verständlich machen könnte. Nicht nur, dass der Film langweilt: Rafi Pitts bietet nichts, was der Zuschauer nicht ohnehin schon weiß. Ein paar schöne Bilder, die das heutige Teheran zeigen, sind da leider als Ausgleich für das konfuse und unberührende Drehbuch zu nennen. Auch die Musik von Thom Yorke bis zu Arvo Pärt trägt dazu bei, dass einzelne Szenen als stimmungsvoll wahrgenommen werden.

Gute Presse!

Nichtsdestotrotz feierte die Presse den Film auf der Berlinale. Die Zeit sieht in Pitts Werk die klare Botschaft: “Der Staatsterrorist Ahmadineschad muss gestürzt werden, denn die Menschen haben nur ein Leben, und danach sind sie tot” und stuft ihn als “prophetisch” ein. Der Tagesspiegel lobte den Film, die Berliner Zeitung zeigt sich begeistert: “Es ist ein großartiger Film.” Der persönliche Eindruck der Autorin steht demnach im Widerspruch zur allgemeinen Begeisterung für Pitts Film.

Hier könnt ihr euch den Trailer zu Zeit des Zorns anschauen

Das Bonusmaterial der DVD

Die DVD von Zeit des Zorns ist lobenswert aufbereitet. Wer sich für das iranische Kino interessiert oder für stille Dramen begeistern kann, wird sicherlich seine Freude mit der Scheibe vom Neue Visionen Verleih haben. Als FSK-12er-DVD erscheint der Film am 29. Oktober 2010 und bietet als Bonus ein ausführliches, 40 Minuten langes, Interview mit dem Regisseur.

Der Film wird im O-Ton (Farsi) mit deutschen Untertiteln sowie deutsch synchronisiert geliefert, wobei die Synchronversion gut gelungen ist.

Zeit des Zorns erscheint am 29. Oktober 2010 auf DVD. Mehr Informationen findet ihr auf der offiziellen Filmseite.

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