Al Swearengen (Ian McShane) in Deadwood
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Am Anfang war der Hass. Nach Ansicht der ersten Episode der Westernserie Deadwood habe ich den Saloonbesitzer und Zuhälter Al Swearengen (Ian McShane) verabscheut. Immerhin schlägt er Frauen grün und blau und benimmt sich die meiste Zeit wie ein gewissenloses Scheusal. Doch nach und nach hat der kantige Al mein Herz erwärmt, was nicht nur an der geradezu süßen Bromance mit seinem chinesischen Bruder im Geiste, Mr. Wu, liegt. Kein Wunder, dass ich ihn heute als meinen Serienhelden oute.
Wer ist Al Swearengen?
Bevor die real existierende Stadt Deadwood zur hippen Goldader mit lauter Glücksrittern wurde, war Al schon da. Überhaupt wittert der bärtige Herr vom Balkon seines Saloons The Gem aus die neuesten Trends und Intrigen, bevor auch nur irgendjemand davon Wind bekommt. So verwandelt sich Al Swearengen im Verlauf der drei Staffeln von Deadwood vom Antagonisten des zwanghaft aufrechten Seth Bullock (Timothy Olyphant) in eine Art Kommentator der Ereignisse. Mit einer Mischung aus Fuck-Tiraden und Monologen, die eines Shakespeare würdig sind, agiert er als Strippenzieher und Marionettenspieler, der auch nicht zurückschreckt, selbst Hand anzulegen, wenn jemand das Zeitliche segnen soll.
Agiert Al Swearengen zu Beginn wie der inoffizielle Alleinherrscher von Deadwood, muss er sich von Folge zu Folge mit größer werdenden Veränderungen auseinandersetzen. So bekommt er in Gestalt von Cy Tolliver (Powers Boothe) einen Konkurrenten, der ihm sein Revier mit edleren Huren streitig macht. Außerdem droht der Außenposten Deadwood seine semi-anarchische Unabhängigkeit zu verlieren und von den Bundesstaaten verschluckt zu werden. Dabei legt Al vor allem eine unglaubliche Wandlungsfähigkeit an den Tag in einer Zeit, in der sich die jungen USA von Grund auf veränderten. Denn Deadwood ist eine Serie über die Geburt einer Zivilisation und Al Swearengens Entwicklung spiegelt diese wider.
Warum Al Swearengen mein Serienheld ist
Wie gesagt bzw. geschrieben: Al Swearengen verhält sich zu Beginn von Deadwood wie ein verachtenswerter Dreckskerl. Doch so seltsam das auch klingt, im Verlauf der Serie lernen wir ihn besonders im Kontrast zu noch schlimmeren Bewohnern des Wilden Westens schätzen. Selbst der teils wie der Held der Serie wirkende, psychisch nicht ganz gefestigte Bullock sieht das ein und findet in dem Saloon-Besitzer stellenweise einen widerstrebenden Verbündeten. Scheint Al in den ersten Folgen ohne jede Moral zu agieren, deutet sich in seinem Umgang mit der Prostituierten Trixie (Paula Malcomson), der körperlich behinderten Jewel (Geri Jewell) und natürlich Mr. Wu (Keone Young) der dünne Schein eines real existierenden Gewissens an. Al Swearengen mag ein harter Hund sein, für den der Profit an erster Stelle steht und zu einem gewissen Teil ist er ein Produkt des gesetzlosen Westens. Anders als der moralisch geradezu verbohrte Bullock ist einer wie Al allerdings nötig, damit die junge Zivilisation nicht auseinanderbricht. Gibt Bullock als späterer Sheriff den Bestrafer, ist Al der Mediator, der in Ansichten wie Bündnissen dynamische Vermittler, dem es nicht vollkommen an Loyalitäten fehlt.
Abseits all der historisch-dramaturgischen Interpretationen mausert sich Swedgin (Zitat: Mr. Wu) in Deadwood zu einer der coolsten Serienfiguren überhaupt, besonders weil es ihm nicht an Humor fehlt. Mittendrin im Geschehen und doch ironischer Beobachter, irgendwie allmächtig, aber vor den Qualen eines Nierensteins nicht gefeit, ist Al Swearengen ein Gott des Wilden Westens, der sich mit dem profanen Staub der Straßen von Deadwood begnügen muss.
the gaffer (Jenny Jecke) 2012/02/15 08:50:00
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Kommentare
über Al Swearengen - Der Gott des Wilden Westens
Kommentar schreibenniceeddy 2012/02/15 23:04:00
Kommentar löschenGewisse Parallelen zu Tony Soprano sind nicht zu übersehen, aber Al ist noch unmoralischer und rücksichtsloser, wäre Tony zu der Zeit aber auch. Ohne seine Figur wäre Deadwood jedenfalls nicht mal die Hälfte wert.
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simvlacrvm 2012/02/16 02:51:36
Antwort löschenBesonders nach dem unerwartet schnellen dahinscheiden von WBH.
J!GS4W 2012/02/15 16:19:45
Kommentar löschenDefinitiv Ian McShanes beste Rolle!
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Buzz-T 2012/02/15 14:41:38
Kommentar löschenWo wir schon bei Göttern des Wilden Westens sind: Cullen Bohannon als Kandidat zur nächsten Ausgabe des Serienheldens
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Fabes 2012/02/15 14:24:40
Kommentar löschenAl Swearengen ist der mit Abstand übelste Motherfucker, der mir in einer Serie je untergekommen ist:
[...] Zum Teufel, ich weiß, was ich vor mir habe und ich bilde mir nicht ein, es wäre was Anderes... Ich hab' sie gefickt und jetzt werde ich dich ficken. Wenn du mir nicht auf die Nerven gehst, oder im falschen Moment dein scheiss Maul aufmachst, und verdammt nochmal, du machst dein scheiss Maul nur dann auf, wenn ich meinen verfluchten Pimmel reinstecken will, ansonsten hälst du deine blöde Klappe! [...]
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Keky 2012/02/15 12:24:02
Kommentar löschenDiese Serie muss ich auch mal langsam gucken. ^^
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butch cool 2012/02/15 11:12:40
Kommentar löschenNur ein Wort: http://www.youtube.com/watch?v=f4XQaO3RYX8
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Looki 2012/02/15 10:55:12
Kommentar löschenwürd sie mir gerne ansehen aber ich glaube die enttäuschung ist dann am schluss viel zu groß (weil unvollendet)
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Rush 2012/02/15 10:33:48
Kommentar löschenSehe ich anders: Swearengen entwickelt sich nicht in Richtung konventioneller Moralvorstellungen. Er hat seine eigene Moral. Überschneidungen nicht ausgeschlossen.
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Rush 2012/02/15 12:18:49
Antwort löschenDoch, du beschreibst eine Entwicklung und attestiert ihm in späteren Folgen den "dünnen Schein eines real existierenden Gewissens". Ich sehe diese Entwicklung nicht. Swearengen bleibt Swearengen, er ändert sich nicht mit den Umständen. Und in seinem Moralsystem ist es kein Widerspruch, die einen zu töten und die anderen zu umsorgen. Leider werden wir nie erfahren was er mit der angerückten Chinesenarmee angestellt hätte...
simvlacrvm 2012/02/16 02:50:29
Antwort löschenSehe ich genauso. Nicht Swearengen ändert sich, sondern wir lernen ihn besser kennen.








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