Fesselnde Serie neu bei Netflix: Sci-Fi-Fans liefern sich erbitterten Krieg mit Google

11.10.2021 - 16:45 Uhr
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The Billion Dollar Code - S01 Trailer (Deutsch) HD
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© Netflix
The Billion Dollar Code
Auf Netflix gibt es eine packende neue Miniserie: Zwei Sci-Fi-Nerds wollen das Internet revolutionieren – und führen dazu einen Kampf gegen Google.

Vom Sci-Fi-Fan in der Garage zum Milliardär im Privatjet: Gründermythen um Internet-Revoluzzer:innen sind packende Stoffe, wie etwa einer der besten Filme des letzten Jahrzehnts auf Netflix beweist. Die deutsche Serie The Billion Dollar Code erzählt dort jetzt auf mitreißende Art den Kampf zweier Berliner Pioniere gegen den Netz-Giganten Google.

Google beklaut Sci-Fi-Idealisten: Darum geht's in The Billion Dollar Code auf Netflix

Bis es dazu kommt, ist es allerdings ein langer Weg: Fasziniert von digitaler Technologie und Sci-Fi-Literatur kommen Kunststudent Carsten Schlüter (Leonard Scheicher) und Hacker Juri Müller (Marius Ahrendt) im Berlin der frühen 90er zusammen: Die Mauer ist Weg, die Hauptstadt ein anarchisches Paradies für revolutionäre Ideen.

Beide verbünden sich für eine bahnbrechende, wenngleich kindliche Idee: Sie wollen Menschen digital zu jedem beliebigen Punkt der Erde reisen lassen. Mit unglaublicher Hingabe, Subventionen der Deutschen Telekom und Millionen Satellitenbildern bauen sie schließlich ein Programm, mit dem Nutzer:innen stufenlos auf jeden Ort der Welt heranzoomen können. Kommt euch bekannt vor? Genau. Es ist quasi Google Earth. Nur eben 1994.

Carsten Schlüter (Leonard Scheicher) und Juri Müller (Marius Ahrendt) vor dem Streit mit Google

Viele Jahre später führen Schlüter (Mark Waschke) und Müller (Misel Maticevic) genau deswegen einen erbitterten Krieg gegen den Internet-Riesen: Ein befreundeter Programmierer soll ihnen damals Grundlagen des Programmes abgeluchst und damit Google Earth aufgebaut haben. Aus ihrer Sicht hat man sie hinterhältig um ihren Platz in der Geschichte betrogen und ihr Herzensprojekt gestohlen.

Die Netflix-Serie basiert dabei auf einer realen Geschichte: Verfilmt wurde hier das Schicksal einer Berliner Entwickler:innengruppe, die mit dem Programm Terra Vision tatsächlich einen geistigen Vorläufer von Google Earth erschuf – und Google schließlich wegen Patentrechtsverletzung verklagte.

Packende Netflix-Serie orientiert sich an größtem Vorbild

Die Netflix-Serie könnte somit ein trostloses Prozess-Drama zwischen Programmiersprachen und Gerichtssaal sein, ist es aber überhaupt nicht: The Billion Dollar Code versteht es, durch detailverliebte Ausstattung und stimmige Inszenierung ein Gefühl für die vergangenen, vermeintlich grenzenlosen Zeiten des Internets zu wecken.

Schlüter (Mark Waschke) und Müller (Misel Maticevic)

Der Chaos Computer Club haust mit seinen Kastenrechnern in einem düsteren Keller wie eine Bande an trotzigen Bandit:innen. Silicon Valley ist ein gläsernes Techno-Mekka zwischen Hippie-Träumen und rücksichtsloser Ausbeutung. Schlüter und Müller wirken wie Kinder, die verunsichert in Rollkragenpulli und Jeans à la Steve Jobs hineinwachsen und am Ende vor den Scherben ihrer Ideale stehen.

Mit seinen Prozess-Rückblenden, der Dynamik zwischen Verkäufertyp und Vollbluthacker und dem Thema zerstörter Unschuld bewegt sich Billion Dollar Code sehr nahe am Fundament von David Finchers brillantem The Social Network.

Das ist aber nicht schlimm: Ein paar Drehbuch-Schwächen zum Trotz kann die Serie diese Vorbild-Struktur mit eigenen eindrücklichen Bildern, runden Figuren und einer klugen Dramaturgie füllen. Vielleicht ist das der entscheidende Unterschied zwischen Hommage und Diebstahl.

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