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Im Test

Star Wars: Battlefront ist eine mächtige Enttäuschung

Star Wars: Battlefront
© Electronic Arts
Star Wars: Battlefront
14.11.2015 - 22:25 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Über 9 Millionen Spieler weltweit haben die Beta miterlebt. Nun warten noch weitaus mehr Star Wars-Fans auf den Release von Star Wars: Battlefront. Tatsächlich aber scheitert das Spiel trotz seiner eindrucksvollen Präsentation.

Nach wenigen Sekunden der Untätigkeit tauchen plötzlich C3PO und R2D2 vor dem gleißend weißen Hintergrund auf, um sich so liebenswert zu necken, wie wir es nur aus der klassischen Filmtrilogie kennen: Star Wars: Battlefront atmet bereits im Hauptmenü mehr Luft des berühmten Lichtschwert-Universums, als die verrufene neue Trilogie der ersten drei Filme zusammengenommen.

Fans des Franchises dürften wie auch ich hier bereits mit aufgeregter Schnappatmung kämpfen. Ein neues Star Wars: Battlefront nach den beliebten ersten Teilen, die mittlerweile über 10 Jahre alt sind, liegt nur einen Tastendruck weit entfernt! Die über 9 Millionen Spieler , die während der offiziellen Beta des Spiels jeden Zentimeter der vertrauten Schauplätze genau inspiziert haben, dürften ähnlich hohe Erwartungen an dieses Spiel haben, wie ich auch – umso trauriger die Erkenntnis, dass sich Star Wars: Battlefront als riesige Enttäuschung herausgestellt hat.

Aber zuerst die gute Nachricht.

Eine überwältigende Kulisse

Der Umfang der Vollversion, die wir im Rahmen des EA Access-Programms bereits vor dem offiziellen Release spielen konnten, hat im Vergleich zur Beta ordentlich angezogen: Aus zwei wurden sechs Karten, die uns durch Waldlandschaften, über Vulkangestein und in eisige Einöden schicken. Die Kulissen fühlen sich authentisch an und strotzen nur so vor Details: Auf Endor huschen immer wieder Ewoks durchs Gebüsch, während wir in der Rebellenbasis auf Hoth die Kammer entdecken können, in der Luke Skywalker einst von einem Medi-Droiden behandelt wurde.

Die Schauplätze sind beeindruckend und wirken authentisch.

Diese beeindruckende Präsentation ist das Ergebnis nicht minder beeindruckender Recherche-Arbeiten , die das Team von Dice immer wieder an die originalen Drehorte der Filme verschlug und Originalmodelle des alten Filmteams studieren ließ. Dank der engen Zusammenarbeit mit Disney fanden auch zahlreiche Originalsounds und Effekte ihren Weg in das Spiel – und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Diesem positiven, ersten Eindruck setzt Star Wars: Battlefront schließlich noch eine Krone auf: Soldaten können von euch hinsichtlich ihres Geschlechts und ihrer ethnischen Herkunft individualisiert werden. Zwar dürft ihr nicht vollkommen frei und grenzenlos über die Gesichtszüge und Details entscheiden und müsst stattdessen mit einer übersichtlichen Auswahl vorlieb nehmen, allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass wir hier von einem Shooter sprechen – nicht von einem Rollenspiel, in dem wir unzählige Stunden mit unserem Charakter verbringen. Sich eine solch großzügige Portion Abwechslungsreichtum und Offenheit zu leisten, ist ein sympathischer Schachzug der Entwickler, den sicherlich viele Spieler schätzen werden.

Die Soldaten können optisch überraschend vielseitig angepasst werden.

Die Probleme von Star Wars: Battlefront beginnen allerdings, sobald wir einen genaueren Blick hinter die hübschen Fassaden werfen: Schon nach wenigen Minuten setzt das Niveau der Spielmechanik zum Sinkflug an.

An dieser Stelle muss ich einwerfen, dass ich sehr viel Zeit im Shooter-Genre mit Titeln wie Battlefield 4 oder Call of Duty: Black Ops 3 verbringe und Star Wars: Battlefront aus ebendieser Perspektive betrachtet habe. Ich kann mich nicht in die Lage eines blutigen Anfängers versetzen, der durch die Faszination an Star Wars auf die Schlachtfelder gelockt wurde – allerdings weiß ich auch, wieviele Spieler Star Wars: Battlefront mit dem Hintergedanken kaufen werden, dass Dice entweder seinem Ruf gerecht wird oder den Titel zu einem modernen Nachfolger der gefeierten Battlefront-Teile von 2004 und 2005 geworden ist. Diese beiden Hoffnungen muss ich enttäuschen, denn Star Wars: Battlefront ist nichts dergleichen.

Weder eSport noch Spielhalle

Dass die Entwickler mit Star Wars: Battlefront kein neues, strategisches Shooter-Schwergewicht wie Battlefield 4 aus der Taufe heben wollten, war spätestens nach der Beta klar — und ist zunächst alles andere als tragisch. Die beiden damals verfügbaren Spielmodi spielten sich schnell, unkompliziert und boten den perfekten Rahmen, um innerhalb der begrenzten Beta-Testzeit einen guten Eindruck vom Potential des Spiels zu erhalten. Leider allerdings hat sich Star Wars: Battlefront bis zur finalen Version spielerisch nicht mehr weiterentwickelt und hat nun einen Zustand erreicht, den ich nicht einmal mehr als “spaßiger Arcade-Shooter” bezeichnen will.

Schlechte Balance: Die Jedi und Sith sind deutlich stärker als die blaster-schwingenden Pendants.

Star Wars: Battlefront ist chaotisch. Nach mehreren Stunden weiß ich noch immer nicht, ob das an den seltsam verteilten Spawn-Punkten liegt, die keine wirkliche Frontlinie zulassen, oder an den Mitspielern, die sich Hals über Kopf in die Gegnermassen stürzen. Die zahlreichen Schusswaffen, die zur Auswahl stehen, unterscheiden sich nur marginal und können theoretisch quer über das gesamte Schlachtfeld schießen. Nachladen ist dank Laser-Technologie auch kein taktisches Problem mehr und die unübersichtliche, viel zu ungenaue Minikarte macht die Koordination zum ungewollten Abenteuer.

Dabei wartet Star Wars: Battlefront im Detail mit wirklich guten Ideen auf. Spezialfähigkeiten werden auf bis zu drei verschiedene Karten verteilt, die nach kurzen Abklingzeiten jederzeit im Kampf verwendet werden können. Das sorgt für ein unkompliziertes aber interessantes Spielgefühl, das euch vor jeder Runde dazu herausfordert, effektive Kombinationen auszuwählen, die euch und eurem Team möglichst viel nützen.

Die Kämpfe in den Flugzeugen sind nur für kurze Zeit spannend — dann übernimmt wieder das Chaos.

Auch die neun verschiedenen Spielmodi versuchen ganz offensichtlich, alle Möglichkeiten des Spiels auszukosten. Hier verteidigen wir eine Rebellenbasis gegen anstürmende AT-ATs, dort kämpfen Helden beider Fraktionen mit Lichtschwertern, Blitzen und Blastern um Punkte. Doch aus allen Modi inklusive dem abwechslungsreichen Flugkampf, in dem nur Piloten und ihre Fluguntersätze erlaubt sind, ist erstaunlich schnell die Luft raus. Spielspaß für längere Zeit suchte ich hier stundenlang vergeblich.

Fazit

Die Zielgruppe, die Star Wars: Battlefront im Sturzflug anvisiert, ist eindeutig. Fans des Universums, die von der wirklich atemberaubenden optischen Präsentation und Kulisse beeindruckt auf die Schlachtfelder hüpfen und hier einige Runden verbringen, bis sie vorerst wieder genug Star Wars-Luft geatmet haben.

Spieler, die sich mit Battlefront eine ernsthafte Alternative zu anderen modernen Shootern gewünscht haben, werden allerdings von den oberflächlichen Spielmechaniken und dem rudimentären Klassensystem enttäuscht sein. Zu dieser Gruppe gehöre auch ich und ich zweifle mittlerweile keine Sekunde mehr daran, wenn ich euch sage: Dies ist nicht das Spiel, das ihr sucht.

Mir fällt es sogar schwer, Star Wars: Battlefront abschließend als "spaßigen Arcade-Shooter für zwischendurch" abzustempeln. Fehlerhaft und verwirrend gesetzte Spawnpunkte und teilweise katastrophal ausbalancierte Spielmodi dürften auch den Spielern den Spaß verderben, die nur auf einig , stressbefreite Runden in fernen Galaxien aus sind.

Damit ist Star Wars: Battlefront gewissermaßen im doppelten Sinne eine Enttäuschung. Sowohl in spielerischer Hinsicht, als auch in Hinblick auf das Versprechen der Entwickler, die Faszination und den Spaß am vielleicht berühmtesten SciFi-Universum der Neuzeit in unsere Wohnzimmer zu bringen.

Dieses Review entstand während des EA Access-Programms auf der Xbox One, das auf Kosten von gamespilot hierfür abonniert wurde.

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