Star Wars Episode 2: Die Sand-Szene ist unerträglich - und deshalb ist sie so gut

09.08.2020 - 08:40 UhrVor 6 Monaten aktualisiert
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Star Wars Episode I The Phantom Menace - Trailer (Englisch)
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© 20th Century Fox
Anakin und Padme in Star Wars Episode 2
Was hat Anakin gegen Sand? Die peinliche Star Wars-Szene spielt in der Fan-Welt noch immer eine Rolle, Spiele und Comics machen sich drüber lustig. Und das zu Unrecht.

Anakin mag keinen Sand und das steht ihm auch zu. Der Sand-Dialog zwischen dem späteren Darth Vader und Padme auf Naboo gehört zu den meistverabscheuten Momenten des unbeliebtesten Teils der ohnehin nicht besonders geschätzten Prequel-Trilogie. Und dabei ist er in all seiner Unerträglichkeit einer der besten Momente des Films.

Heute um 20:15 Uhr läuft Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger bei ProSieben im TV - wie jedes Jahr ungefähr um diese Zeit.

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Einige Jahre sind ins Land gezogen und die peinliche Szene wurde verwischt von der Gischt der Zeit wie eine Sandburg am Meer. Einen gewissen Cringe-Faktor kann ich der Szene nicht absprechen, aber genau diese Peinlichkeit macht die Szene so stark.

Star Wars Episode 2: Was steckt hinter dem peinlichen Sand-Dialog?

George Lucas schrieb die Szene (Natalie Portman und Hayden Christensen feilten später noch dran), um der scheuen Annäherung zwischen Padme und Anakin eine Bühne zu bereiten. Erstmals verbringt das Paar fernab verurteilender Augenpaare alleine Zeit miteinander.

Es entwickelt sich ein verlegener Smalltalk. In der Konversation vor strahlendem Himmel verleuchten die Nichtigkeiten im Existenziellen, die nervösen Übersprungsgesten zerbersten an der Aufwallung großer Gefühle: Der Sand-Dialog, ein Gesprächssegeltuch, unter dem das Unausgeprochene gewaltsam pulsiert. Annäherung in einer jungen Liebe kann ein Kraftakt sein, das zeigen Anakins jämmerliche Versuche, ein lockeres Miteinander zu etablieren.

Anakins Kindheitstraum, vergraben im Sand

Die ältere Padme ist souveräner, sie erzählt von ihrer Kindheit, wie sie an die malerische Bucht kam, um zu schwimmen, wie sie im Sand lag und den Vögeln lauschte. Wunderschöne Erinnerungen, Padme hatte eine behütete Jugend. Der junge Anakin greift panisch um sich, sucht nach Dingen, die er beitragen kann und es fällt ihm nur ein düsteres Korn seiner eigenen rauen Biographie ein:

Ich mag Sand nicht. Er ist kratzig und rau und unangenehm. Er ist einfach überall. Nicht so wie hier. Hier ist alles ganz weich und eben.

Anakin, der Spätpubertierende, sagt hier das erste, was ihm in den Sinn kommt, eine blitzartige Assoziation im verzweifelten Bestreben, die Anspannung zwischen sich und Padme zu brechen. Die Erinnerung an das Harte im Sand ist tief in seinem Kindheitstrauma verankert.

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Anakin-Darsteller Hayden Christensen schaut mittlerweile entspannt zurück auf den Moment und seine Nachwirkungen und teilte mit uns seine Einschätzung zum Komfortgrad des rieseligen Steinzimts: Er ist kein Sand-Fan, aber er toleriert ihn und reicht eher nebenbei einen wertvollen Hinweis nach ."Anakin stammt von einem Wüstenplaneten, deshalb verstehe ich seine Verachtung." Tatsächlich hebt ein neuer Star Wars-Comic diesen Aspekt noch etwas deutlicher hervor, womit die Szene weitere Tiefe gewinnt.

Sand-Witz in Star Wars-Comic: Luke Skywalker liebt Sand

Der Wirbel um den Sand hat sich gesetzt und ist eingesickert in die Sedimente des alten Franchise. Im diese Woche von Marvel rausgebrachten Comic-Band Star Wars #5: The Destiny Path wurde der Sand-Diss wieder aufgegriffen, entdeckte Screen Rant .

Luke Skywalker befindet sich hier auf einer Reise, er sucht auf Serelia sein Lichtschwert und eine mysteriöse Person. Gestrandet am Ufer, steigt er mit R2-D2 aus dem Wasser und sagt so viel wie: "Der gute alte Sand. Ich habe dir noch nie gesagt, wie sehr ich Sand liebe."

Star Wars-Comic

Warum mag Luke Sand - aber Anakin nicht?

Tatsächlich spricht Luke zum ersten Mal überhaupt über Sand, obwohl der doch in seiner Sozialisation eine ähnlich große Rolle spielt wie bei seinem Vater Anakin. Beide wuchsen auf dem Wüstenplaneten Tatooine auf, wo die Bewohner Sand buchstäblich atmen und bestimmt immerzu aus irgendwelchen Körperritzen pulen müssen.

Der Trailer zu Star Wars: Angriff der Klonkrieger

Angriff der Klonkrieger – Digital-Release Trailer (Deutsch)
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Allerdings verbrachte Luke auf Tatooine eine vergleichsweise glückliche Kindheit bei seiner Tante und seinem Onkel. Er will zwar sein Zuhause so schnell wie möglich verlassen, hegt aber nostalgische Gefühle für die Heimat. Und damit auch für Sand.

Anakin hingegen wuchs als Sklave auf, sein Abgang von Tatooine ist eine überstürzte, aber notwendige Flucht. Zudem verbindet er mit seinem Zuhause Schuldgefühle, er ließ seine Mutter zurück. Alles, was ihn an Tatooine erinnert, ist mit negativen Gefühlen kontaminiert. Und damit auch Sand.

Die Dunkelheit der Figur Anakin Skywalker fließt also ein in den unangenehmen Dialog, in dem sich die Kindheiten eines Sklaven und einer künftigen Königin miteinander verhaken.

Podcast für Star Wars-Fans: Wird The Mandalorian den Erwartungen gerecht?

Streamgestöber steht in dieser Folge ganz im Zeichen von The Mandalorian bei Disney+. Wir besprechen die 1. Staffel detailliert, inklusive der Frage, ob Baby Yoda für die Serie ein Gewinn ist.

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Für den Podcast hat Jenny zwei große Star Wars-Fans eingeladen, Moviepilot-Redakteur Matthias und Kollege Tobias von FILMSTARTS und dem Podcast Leinwandliebe. Zu dritt diskutieren sie die Qualität der Serie und spekulieren über neue Figuren in der 2. Staffel.

Was haltet ihr von dem Sand-Dialog in Angriff der Klonkrieger?

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