Tatort Kritik

Tatort - Spiel auf Zeit in Stuttgart

Tatort - Spiel auf Zeit
© SWR/ARD
Tatort - Spiel auf Zeit

Roland Suso Richter erweist sich mit Tatort: Spiel auf Zeit einmal mehr als verlässlicher Regisseur, der gekonnt die Genre-Elemente mit den ruhigen Momenten seiner Ermittler zu einem überzeugenden Krimi-Erlebnis mixt. Der neue Tatort aus Stuttgart geht der üblichen Struktur des Formats aus dem Weg und verwickelt Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) stattdessen in einen Heist, der im Vergleich zum großen Vorbild Kino vielleicht nicht spektakulär, aber immerhin effektiv ausfällt. Oder sagen wir es mal so: Tatort – Spiel auf Zeit wirkt zu keiner Zeit so reißerisch wie etwa ein nicht näher genannter Ausflug nach Hamburg und schafft es trotzdem über 90 Minuten seine Spannung zu halten.

Tatort - Spiel auf Zeit in Stuttgart (17 Bilder)

Lokalkolorit: Da Lannert und Bootz, bzw. Lannert, Bootz und De Man (Filip Peeters) die meiste Zeit diverse Verdächtige und vermeintliche Töchter in Stuttgart abklappern, scheint vom Lokalkolorit der Stadt wenig durch. Das war in den letzten Fällen sowieso nicht die Stärke dieses Tatort-Duos, insofern fällt das auch nicht weiter auf. Zukünftige Stuttgart-Touristen werden an Bahnübergängen mit massiv bewaffneten und extrem verdächtig aussehenden Herrschaften jedenfalls besondere Vorsicht walten lassen. Hoffentlich.

Plot: Der Überfall auf einen Gefangenentransport hat nicht nur den Tod eines Polizisten zur Folge, sondern auch das Rätselraten über das Motiv. Wo werden Volker Zahn (grimmig, aber unterfordert: Detlef Bothe) und seine Kollegen als nächstes zuschlagen? Um de Verbrechern auf die Spur zu kommen, kontaktiert Lannert mit Victor de Man einen alten Bekannten, der sich eine Haftverkürzung erhofft. Oder doch etwas ganz anderes? Wir Zuschauer ahnen, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht, aber der Darstellung von Filip Peeters ist es zu verdanken, dass wir zumindest zeitweise ebenfalls auf De Mans Masche hereinfallen. Aber wirklich, Lannert! Hätte die Anstandsdame der Polizei nicht wenigstens mit bis zur Wohnungstür der Fake-Tochter gehen können?

Unterhaltung: Tatort – Spiel auf Zeit schüttelt den TV-Mief zwar nicht ab, dafür unterhält der Heist-Krimi über weite Strecken mit seinen falschen Fährten. Um welche Version des Sicherheitssystems es nun genau geht, von dem die ganze Zeit gefaselt wird, ist da zweitrangig. Was den Krimi von Roland Suso Richter und Autor Holger Karsten Schmidt vom Durchschnitt abhebt, bleibt die Konzentration auf Bootz’ in sich zusammenfallendes Privatleben. So wirkt die Jagd nach den charakterlich kaum näher definierten Verbrechern nicht hysterisch, da der Krimi anderswo Luft holt.

Tiefgang: Den Wald vor lauter Bäumen sehen Lannert und Bootz in diesem Krimi lange nicht, der eine im Umgang mit seinem Informanten, der andere im Privatleben. Dass Bootz, dessen Frau sich in einen anderen verliebt hat, nicht als Opfer, sondern gleichermaßen Verantwortlicher vom Platz geht, gehört zu den Stärken dieses Krimis. Der überzeugt weniger mit Schießereien. Eine der besten Szenen Tatort – Spiel auf Zeit findet sich deswegen in der Küche der Familie Bootz, in der die Eltern den Schein vor ihren Kindern nicht mehr wahren können und wollen.

Mord des Sonntags: Wenn wir einmal daran denken, was bei anderen Filmen um diese Uhrzeit alles an Gewalt gezeigt wird, wirkt der Cutaway im Finale dieses Tatorts fast schon lächerlich züchtig. Beim Münster-Tatort darf 20:15 Uhr schließlich schon in Leichen gewühlt werden.

Zitat des Sonntags: “Ich genieße die seltsam schönen Momente der Ruhe vor dem Sturm. Das erinnert mich immer an Beethoven.”

Ein spannender Tatort aus Stuttgart war das oder hat euch das TV-Heist-Movie nicht zugesagt?

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