The Yoga Play

Wir schauen Homeland - Staffel 3, Folge 5

Homeland
© Showtime
Homeland

Die letzte Folge von Homeland brachte so manchen Zuschauer zur Verzweiflung, während andere die Rückkehr zu alter Form lobten. Fakt ist, der Twist ist so leicht nicht zu vergessen, auch wenn die Show uns die Mechanismen seines Ursprungs vorenthält. The Yoga Play geht dafür direkt wie indirekt auf die Bürde ein, die Carrie für ihren mit Saul ausgeheckten Plan auf sich nehmen musste. Die beiden scheinen trotz ihres gemeinsamen Geheimnisses weiter entfernt voneinander als je zuvor, weshalb Quinn nun langsam seinen angestammten Platz als emotional distanzierter, semi-stalkender Carrie-Beschützer und Traum aller Fanfiction-Schreiber einnimmt. Außerdem betritt erstmals der Bösewicht des Stücks die Bühne. Wenn er es denn ist. Abgerundet mit der notwendigen Abwicklung der Dana-Leo-Story und Sauls Anmahnung der Tugenden traditioneller Agentenarbeit, bringt Homeland mit The Yoga Play eine der stärksten Folgen der Staffel an den Mann.

Was passiert: Ein unscheinbarer Mann reist über die Grenze von Kanada nach Vermont in die USA ein. Unterwegs tauscht er sein Auto, beobachtet eine Frau mit Kind vor einem Einfamilienhaus samt Stars & Stripes und bekleckert sich wie jeder vernünftige Mensch beim Verspeisen eines Burgers. Erst am Schluss sehen wir ihn wieder, mit all diesen profanen Bildern im Hinterkopf, und auf einmal scheint er der bedrohlichste Mensch auf der Welt zu sein: Majid Javadi (Shaun Toub), auch bekannt als The Magician, zuletzt 1994 in der Öffentlichkeit gesehen. Wie wir in den letzten Folgen erfahren haben, zweigte Javadi als Geheimdienstmitarbeiter im Iran Geld ab, ließ es über einen venezolanischen Fußballclub waschen und agierte als Mastermind beim Anschlag auf die CIA-Gedenkveranstaltung. Javadis Herkunft verweist auf den im Homeland-Universum weitaus akuteren Konflikt zwischen Iran und Israel, sein früherer Job wiederum verspricht einen ebenbürtigen Gegner für Carrie und Co. Funktionierte der “Sandman” Abu Nazir als weit entfernter Buhmann, kann ich das Katz- und Mausspiel zwischen Carrie und dem Magician kaum erwarten. (“You’re in good shape. Must be all that yoga.”)

Über weite Strecken ist Carrie aber gar nicht mit dem Magician beschäftigt. Das “Yoga Play” inszeniert sie mit Virgil und Max, um ihren Beobachtern für kurze Zeit zu entkommen. Sie will Dana und Leo den unsympathischsten FBI-Agenten weit und breit auf den Hals jagen. Und siehe da! Bonnie kehrt, nachdem sie die Wahrheit über ihren Clyde erfahren hat, wieder heim.

Saul ist über diese Aktion erbost und wir können es ihm kaum verübeln. Während seine Frau einem “alten Freund aus Mumbai” Abendessen kocht, muss Saul mit den mächtigsten Herrschaften des US-Sicherheitsapparats (darunter William Sadler als Chief of Staff) Enten jagen, nur um dann zu erfahren, dass Senator Andrew Lockhart (Tracy Letts) zum neuen Direktor der CIA ernannt wird. Lockhart hatte die Agency im Untersuchungsausschuss ins Schussfeuer genommen. So scheint Saul weniger durch den Verlust der in Aussicht gestellten Position enttäuscht, sondern in dunkler Vorahnung der “modernen” Agentenmethoden seines neuen Chefs erbost. Unheimlich kühl reagiert er auf die durch Quinn mitgeteilte Entführung Carries, dankte er doch gerade noch den Männern und Frauen, die jeden Tag ihr Leben für die Agency aufs Spiel setzen.

Home Sweet Home: Carrie für kurze Zeit an den Dana-Plot zu binden, bringt uns einerseits eine unerwartete, aber durchaus sinnige kleine Szene zwischen ihr und Jess. Zweitens wird so das Warten auf den Magician überbrückt, der einer vernünftigen Einführung bedarf (und diese bekommt). Insofern stört es nicht weiter, dass Carrie indirekt den Road Trip von Dana und Leo zu einem Ende bringt. Glücklicherweise versinken die Autoren nicht im Suspense-Nimmerland des jungen Pärchens und lassen Leos Lüge stattdessen eine Wunde schlagen, die Danas Heilungsprozess zurückwirft. Von Lügen umgeben findet sie sich – von Clark Johnson symbolisch aufgeladen inszeniert – allein auf weiter Flur wieder. Fraglich ist nur, wie lang die Autoren das möglicherweise redundante Auf und Ab noch zu zeigen gedenken.

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