Muschisprüche, Ficken im jedem Mund, ein Freiluft-Akt auf der Trabrennbahn, platzende Silikontitten, Köter die Bullen in die Eier beißen ... und ein Jason Statham, der sein Minimal-Acting unter Hochspannung setzt ...
Hey, wie sonst sollte ein Film wie "Crank" auch zu übertreffen sein? Wenn schon, dann richtig auf die Kacke hauen. Mark Neveldine und Brian Taylor hetzen durch ein comic-artiges L.A., das oft mehr an Little Beirut erinnert und jedem Puritaner die Schamesröte ins Gesicht treibt. Da gibt's ein kleines Schaulaufen von streikenden Pornostars oder David Carradine läuft als sabbernder asiatischer Greis durch die Gegend. Ach ja, daneben fliegen die Fetzen, denn Chev Chelios ist doch nicht tot und will als unfreiwilliger Organspender sein Herz zurück. Gewohnt minimal, dafür ist "Crank 2: High Voltage" in fast allen Aspekten noch eine Spur kränker, wilder, schneller, fieser. Oh ja, an Ideen hat es nicht gemangelt, selbst dann, wenn auch nur welche aus dem Vorgänger recycelt werden. Neveldine und Taylor verstehen es, sich einen eigenen Gipfel der Geschmacklosigkeiten aufzutürmen und dann darauf zu thronen. Soll ihnen erstmal einer nachmachen. Und ja, wer an solchen Entgleisungen keinen Gefallen findet, hat mein vollstes Verständnis. Wer sich hier aber zu Hause fühlt, hat meine vollste Sympathie. "Crank 2: High Voltage" ist die kleine Dreckschleuder, die ab und zu den Alltag auffrischt. So richtig schön in die Fresse gedrückt.
Wer sich übrigens mal so richtig amüsieren will, sollte die deutsche, jugendfreie Fassung abchecken. Dreist verstümmelt, geistlos kurz und mit richtig lächerlichen Piep-Tönen "entschärft". Ist gleich doppelt so lustig wie aber auch schändlich.
"Aufgewacht ... Heut wirst du umgebracht!" - Und Whhooooooosssssssssshhhhhhhh!!!!!!!!
Der Tag fängt ja toll an: Grinsebacke auf dem Fernseher ist doch dein Erzfeind. Was? Da fließt ein Gift in meinem Körper!!! Na leck mich doch - ich mach dich kalt!!!
Mal ehrlich, was soll man von meinem Film namens "Crank" erwarten? Anspruchsvolle Action-Unterhaltung mit Shakespeare'schen Dialogen? Feinfühlige Helden mit politisch korrekter Vorgehensweise und Bösewichten, die sich am Ende reumütig selbst die Handschellen anlegen? Forget it!!! "Crank" ist Kino auf Droge, Brachial-Action mit schnell gezogener Wumme und einem gepflegten Urinieren auf den guten Geschmack. Die filmgewordene Stinkbombe eben. Jason Statham wird wohl zeitlebens keinen Hamlet abgeben, aber dafür darf er sich rühmen, hier mit spürbarer Freude wohl alle bekannten Einträge im F-Wort-Vokabular darzubieten und einfach nur Ärsche zu treten, zu erschießen, aus Helis zu schmeißen ... Und nebenbei mit Film-Partnerin Amy Smart in ihrer Freiluft-Liebesszene jeder Hardcore-Produktion Konkurrenz machen zu dürfen. Irrwitzig kopflos lassen die Regisseure Neveldine/Taylor ihr krankes B-Movie davon rasen und es überrascht mich selbst, wie gut "Crank" gealtert ist. Liegt vielleicht auch daran, dass hier eben kein dreistelliges Millionen-Budget verpulvert wurde, das hier auf alle Parental Advisory-Warnungen geschissen wird und überhaupt: neunzig Minuten sind genug für den ganzen Wahnwitz. Schau ruhig genauer hin Michael Bay. Das hier ist vielleicht keine hohe Kunst, vielleicht nur doll gefilmt um einige Unzulänglichkeiten zu kaschieren ... Ja ja, es macht dennoch viel Spass.
Seelenlos??? Das gab's ja noch nie in Hollywood!!! - Ist mir aber egal. Auch in Alien regnete es kein Konfetti und Gummibären. Düster ist eben immer etwas anders.
Ganz ehrlich, diese "Seelenlos"-Aussage macht mich nur umso neugieriger. Am besten bis zum 8. August einfrieren lassen. Nach dem Aufwachen dann erstmal ne dicke Portion Spaghetti Nostromo, dann ab ins Kino. ;)
Meine Damen und Herren, dank meiner unvergleichlichen Fähigkeit des Gedankenlesens werfen wir nun einen Blick auf das mentale Innenleben einiger Hollywoodstars:
Bruce Willis: "Oh Mann, das hier ist vielleicht ein Scheiß. Ein echt beknacktes Script und dieser hippelige Typ neben mir ist nur halb so komisch wie er glaubt ... Wenigstens muss ich hier keinen Mist in die Luft jagen oder vorm Bluescreen rumspringen ... Hört nur endlich auf, mich McClane zu rufen, ihr Penner!!!"
Tracy Jordan: "Boah Alter, ist das wirklich Bruce Willis neben mir? ... Und dieser dicke Brillenträger sieht n'bisschen aus wie ein verfetteter Silent Bob ... Ey Mann, ich glaub, ich zieh einfach die Nummer wie bei 30 Rock durch ... Wow, ist das Bruce Willis neben mir?
Kevin Smith: Wie bin ich bloß hier reingeraten? Was hab ich nur falsch gemacht? Clerks 2 oder Jersey Girl? ... Von diesem Drehbuch krieg ich noch n'en Tumor!!! ... Nie wieder verkauf ich meine Seele an diese Teufelsstudios ... Ah, ich hab noch diesen Anarcho-Horrormovie, den kriegen diese Blutsauger nicht, He He!!!"
"I WARNED YOU NOT TO GO OUT TONIGHT!" -
Das ist er also, der Über-Bratulo-Film der 80er. Schandhaftes Schundwerk der Perversionen, Gewalt-Exzesse, misogynen Tendenzen ... Billigstes Schockkino aus der Bahnhofs-Kino-Ära, bestes Futter für alle angefressenen Zensoren und direkt im bundesdeutschen Giftschrank gelandet. Wow, wenn das nicht nach einer Einladung klingt, sich William Lustig's berühmt-berüchtigtes Machwerk reinzuziehen? Und inwieweit stimmt das ruchlose Flair des Verbots-Gütesiegels mit dem eigentlichen Film überein? - Teilweise würde ich sagen. Das krude Portrait des Serien-Killers Frank Zito ziert irgendwo Züge des etablierten Slasher-Genres, garniert mit diesem gewissen Drang an Grenzen-Ausloten. Für "Maniac" perfektionierte Make-Up Guru Tom Savini seine Künste und zauberte teilweise verstörend und mindestens ziemlich langanhaltende Bilder. Und überhaupt schafft es Lustig's Film, einen in einen ziemlich morbiden Strudel der Abgründe zu ziehen. Fungiert "Maniac" doch als Psychogramm des schwer gestörten Zito, der einerseits harmloses, namenloses Würstchen im Big Apple ist und nachts zum bestialisch mordenden Raubtier in den Schluchten New Yorks mutiert. Wie zu vermuten, liegt die Haupt-Ursache für Franks Geistes-Zustand in einer erschütternden Kindheit, schrecklicher Mutter inklusive. Aber auch auf Frank Zito lastet wie bei seinem Leidens-Genossen Norman Bates der Schatten eben jener Erzeugerin. Was sich in einer irren Raum-Ausstattung äußert und grässlich blutige Taten nach sich zieht. So ist Zito keiner dieser zahllosen 08/15-Mörder aus dem Eighties-Killer-Kino. Ihm genügt das Slashen, Verbrennen oder Strangulieren nicht, seinen Opfern raubt er den Skalp. Wenn sie jedenfalls noch unversehrt genug sind ... Als vermeintlicher, sozial schlecht gestellter Vorläufer von "American Psycho" fasziniert William Lustig's Lektion in Sachen Extrem-Film aber auch in jenen Momenten, in denen Zito seine Mimikry-Künste zeigt und "normal" wirkt. Denn dem scheinbar eingleisigen Kreislauf aus Leiden und Töten und wieder Leiden durchbricht interessanterweise auch die lockere Beziehung zu einer Fotografin. Dann wird aus dem vermeintlichen Einzel-Gänger und zurückgezogenen Monstrum fast schon ein Mensch wie jeder andere. Wenn nur nicht dieser Drang da wäre, dieses Verlangen, Mutter gerecht zu werden. Wenn da nur nicht eine hübsche Frau mit schönem Haar langgelaufen käme. Einen Platz dafür hat Frank Zito ja ...
Wie gesagt, "Maniac" ist sicherlich kein Film für jedermann und wer mit "schlechtem Geschmack" nichts anfangen kann, lieber Finger weg. Andererseits glänzt der Film als vielleicht Lustig's bester und ein irres Denkmal für Haupt-Darsteller und Co-Autor Joe Spinell. Der schaffte es in seinem Leben nicht nur zu Rollen in "Der Pate", "Rocky" oder "Taxi Driver". Spinell bricht auch gekonnt mit dem üblichen Image des gestörten Serien-Mörders. Ist er doch kein vernarbter Freak, kein allzu hässliches Entlein, dem es nun nach Blut dürstet. In "Maniac" zeigt sich das Böse tatsächlich erschreckend normal, sagen wir durchschnittlich. Und es ist durchaus angemessen, Spinell's stark manischem Spiel immer noch Tribut zu zollen. Ganz zu schweigen vom listigen Kunst-Griff, das kaum vorhandene Budget in die beachtlichen Tricks von Savini zu investieren und den restlichen Film im Geiste des Guerilla-Styles zu realisieren. So wie auch die sicherlich fragwürdige Moral von "Maniac", ist dieser Film eben alles andere als ein typisches Produkt der Film-Industrie. Sehr nah dran, zu nah. Aber auch kein Mockumentary-Vorläufer, der mit der Handkamera herum wurstet. Und mit einigen der denkwürdigsten Schock- bzw. Splatter-Momenten seiner Dekade weiß er auch aufzuwarten. Übrigens auch mit einer recht starken Auflösung, wer "Maniac" durchlebt, weiß, was ich meine. So kann ich nur sagen, dass dieser Film vielleicht nicht der beste seiner Art ist, aber wegen seiner Tons und seiner Stilistik definitiv imponiert. Ein verdammt ruchloses Stück Independent-Kino, ein reißerischer Exploitation-Schocker und eine abartige Persönlichkeits-Studie. Nach diesem Film perfektionierte William Lustig seine Stärken, versumpft aber auch zunehmend im belanglosen B- und C-Sumpf.
Schon die erste Viertelstunde hätte einen Oscar verdient. Und macht umso deutlicher bewusst, welch begnadete Geschichten-Erzähler bei Pixar eine Heimat gefunden haben. Und was sie und Disney trotz Zwangsheirat irgendwie immer noch trennt.
5,5!!!!!!!!!!!! Nein, den hab ich noch nicht bewertet. Gleich mal korrigieren:
Isch schmeiße Horst Schlämmer aus dem Bundestag. Dies hier ist leider alles andere als eine Politik-Satire, eine entlarvende Wahlkampf-Farce, ein klug beobachteter Kommentar zum Zirkus, in dem Wähler und Gewählte sich sonst so ergehen ...
Es ist mit Abstand das schlimmste deutschsprachige Humor-Verbrechen seit langem. Unzusammenhängend arrangiert, schlecht gescriptet, billigst produziert im Grenzbereich zwischen Gut und Böse, eintönig vorgetragen von den "prominenten Gaststars", peinlichst, peinlichst, verblödend, und mit einem Wortwitz, der wohl selbst Kerkelings Fans der ersten Stunde vor Scham den Kopf platzen lässt ...
Welch Marter, dafür auch noch eine Horde wie Gunter Gabriel, Jürgen Drews, die Effenberg, Alexandra Kamp, Bushido vor die Kamera zu zerren. Ich glaube, was hier vielleicht als Parodie aufs Polit-Geschehen gedacht war, verkam den Machern zu einem jämmerlichen Rund-Umwatschen der doofen Bürger auf der Straße, der Fernseh-Anstalten ...
Am überzeugendsten kann ich eh nur das winkende, aber schweigsame lustige Glückshäschen einstufen. Der Rest lässt mich mit Tränen in den Augen an so großartige Versuche wie "Bob Roberts" oder die nichtgestellten Szenen aus "Borat" denken. Autsch.
Den hab ich nur zur Hälfte geschafft, war mir einfach zu öde. Finde die Figur "Horst Schlämmer" aber eigentlich ganz witzig, in Kurzauftritten allerdings. Frage mich, wer auf die bescheuerte Idee kam, sowas in Spielfilmlänge zu machen. Dafür taugt die Figur einfach nicht.
Ein eindeutiger Kandidat für den nächsten "Hassfilm"oder was??? Wenn es um den Vaterlands-Stolz und das eigene Militär geht, verlieren eingefleischte Amerikaner ja gerne die Bodenhaftung. Wir haben ja alle unsere Schwächen. Fast unentschuldbar erscheint mir dann aber der Versuch, mit "Act Of Valor" Hollywood-Glamour mit Armee-Propaganda zu vermischen. So flimmerten mir unlängst bei einem überlangen Trailer Bilder von hünenhaften Waffenbrüdern mit ihren überschicken Spielzeugen wie intelligenten Bomben, Dronen und natürlich dem gewissen Wumms aus dem Waffenschrank entgegen. Natürlich telefonieren sie alle nach Hause, wo Frau und Kinder warten, bevor sie terroristische Bedrohungen und andere stereotype Bösewichte ausschalten. Glamour soll heißen, dass "Act Of Valor" ein ganz besonderer Gestank umgibt: Dieser Krieg sieht aus wie "G.I. Joe" in echt, nur dass die Comic-Figuren keine Maske tragen und noch nicht per Jetpack durch die Luft schweben. Das hier scheint mir um ein vielfaches hohler als jedes Muskel-Schaulaufen, das Sly Stallone als Rambo für sein Vaterland veranstaltete. Und es wirkt deshalb so schmierig, weil vor jedem Kinosaal gleich eine Rekrutierungs-Stelle fürs US-Militär aufmachen könnte. Aus keinem anderen Grund dürfte dieses Navy Seals-Vehikel überhaupt vom Pentagon protegiert worden sein. Zu dumm, dass auch noch Leute mit Grips im Kopf gibt, die so einem fragwürdigen Eierschaukeln nichts abgewinnen können.
Das Pentagon wird nach dem Erfolg des Films wohl noch öfters solche "Ehrendenkmäler" produzieren und inszenieren. Da fällt mir ein, ich könnte noch mal "The Hurt Locker" oder "The Messenger" sehen.
Aus dem ewig sprudelnden Quell des Wissen namens Wikipedia:
"(Nicolas) Roeg's films are known for having scenes and images from the plot presented in a disarranged fashion, out of chronological and causal order, requiring the viewer to do the work of mentally rearranging them to comprehend the storyline ..."
Treffender lässt sich die Erwartung von "Walkabout" an den Zuschauer gar nicht besser beschreiben. Roeg lässt die beiden Extreme des australischen Kontinents aufeinanderprallen und lotet absolut bildgewaltig den Zustand der modernen, weißen Gesellschaft und ihre Auswirkung auf die naturgebundene Welt der Aborigines aus. Raus aus dem Herz des zivilisierten Stadt-Koloss fährt ein geschniegelter Vater seinen kleinen Sohn und die Teenie-Tochter zum Picknick ins unbewohnte Outback. Nach ein paar Minuten greift er zur Waffe und eröffnet das Feuer auf seine Kinder. Zum Glück kann das Mädchen sich und den Bruder sichere Deckung verschaffen. Da zündet Vati eben das Auto an und richtet sich selbst. Für seine Kinder beginnt nun ein Marsch zurück durch die Wildnis. Ein langer Weg will zurückgelegt werden und natürlich gibt es nur wenig Proviant. Und das tragbare Radio, aus dem immer wieder mal Übertragungen aus der bewohnten Welt erschallen. Doch dies ist kein Survival-Thriller, bei dem jetzt blutdürstige Tiere aus dem Busch springen. So wie die beiden weißen Stadt-Kinder bald schon auf dem Zahnfleisch gehen, lässt "Walkabout" ungeahnte Rettung erscheinen. Man trifft auf einen Aborigine-Jungen, der gerade seine spirituelle Prüfung durchlebt. Und auch wenn sich beide Parteien nicht auf Basis einer gemeinsamen Wort-Sprache verständigen können, verbringen sie die nächsten Tage/Wochen (?) zusammen. Erkunden die mystische Schönheit der unberührten Ödnis und stoßen auch eigenartige Ruinen, die vom erfolglosen Wirken des weißen Mannes auf diesem, ihm doch fremden und nicht eigenen Bodens zeugen. - "Walkabout" ist also alles andere als ein vermurkster Ethno-Kitsch, bei dem Probleme der Kolonial-Erben auf dem Rücken der Ureinwohner aufgeblasen werden. Allein die irrsinnige Geschichte, die Nicolas Roeg durchgängig mit teils geisterhaft schönen Fantasmen und dokumentarisch sterilen Bilder-Folgen aus unserem "zivilisierten" Kulturkreis durchbricht, fordert unsere Aufmerksamkeit auf gleich mehreren Ebenen. Da sehe ich einerseits die plakative Bedeutung als Aufbruchs-Story der Geschwister, ihre Bewährung in dieser unsäglichen Situation. Überlebens-Taktiken müssen erlernt werden, und auch die Kommunikation mit ihrem Retter. Und dann vergleicht der Film mehrmals die Lebens-Welten der beiden "Mietparteien" Australiens, zeigt zwischen der Erlegung und Zerlegung eines Kängurus auch Szenen aus dem ach so hoch entwickelten Fleischerei-Wesens. Aber auch für zwei, drei aus der Art schlagende Episoden ist sich "Walkabout" nicht zu fein. Weiß der Film seinen Fluss mit Ausflügen zu gänzlich anderen Personen und deren Tätigkeiten zu unterbrechen. Was wiederum auch das große Enigma füttert, welches dieser Film in seiner Gesamtheit darstellt. So kann ich nur sagen, dass er für mich kein reines Drama ist, kein Abenteuerfilm und kein flaches Anbiedern zweier gegensätzlicher Kulturen. Nein, für mich wirkt "Walkabout" wie eine Verquickung mehrerer Story-Fäden, die auf diesem einzigartigen Kontinent zueinander finden, verbunden durch das unerklärliche Wirken der fantastischen, und von unsichtbaren Kräften durchtriebenen, Landschaft. Ja, und es ist ein filmisches Erlebnis, dass einmal mehr klar macht, dass optische und erzählerische Raffinesse nicht erst im MTV-Zeitalter zu voller Blüte gereichten. Wer sich also wirklich auf etwas einzigartiges einlassen will und sich Erklärungen nicht auf den Silberteller servieren lassen muss, der sollte sich also selbst auf seinen eigenen "Walkabout" begeben.
Und ich bereue es einmal mehr kein Neo zu haben :(
Will den Film schon ewig sehen, schaue in die TV-Spielfilm, sehe Walkabout, denke: Hammer, sehe Neo, denke :Scheiße! :D
Herrlich und wunderbar authentisch dieser Tag im Leben der Youtube-Welt. Reale Menschen lassen uns an ihrem Leben teilhaben. Ihrem Glück, ihrem Leid, ihren Sorgen, ihren Hoffnungen, ihrer Trauer, ihren Talenten ... Vom Milchbauern, vom Halbwaisen, vom Heirats-Antrag, vom Herz-Patienten, ja sogar die damals noch freudigen Feierlaunigen, die zur letzten Loveparade strömten und einen Tag des Grauens durchlebten ... "A Life In A Day" funktioniert deshalb so gut, weil "Archivar" Kevin Macdonald all diese Schicksale so wunderbar verdichtet auf jenen anrührenden Rundflug um die Welt. Ein tolles filmisches Experiment, das ruhig noch zwei Stunden länger gehen könnte. Und in deren Reigen wir uns auch selber gut vorstellen könnten, eben weil hier ganz normale Menschen wie du und ich im Vordergrund stehen. Ich war starr vor lauter Freude, hatte Herzklopfen, krallte meine Nägel in die Couch, konnte nicht mehr aufhören zu lachen, war bedrückt und musste mir mehr als eine Träne verkneifen, nickte anerkennend mit. Kurzum: Die Welt in einem Atemzug kann so schön sein. Und ein bisschen traurig.
Was für ein wundervoller Titel und welch feiner Umstand, dass dieser kleine schwedische Film ihn mit einer wenig glamourösen Realität konfrontiert. Aus dem schwedischen Sozial-Bau zu entfliehen kann ein äußerst steiniger Weg sein. Für Katarina bedeutet ihr Leben vor allem die Launen der alkoholkranken Mutter zu überstehen. Oder sich immer mehr unwohl in den Armen ihres Freunds zu fühlen. Ja, Katarinas Leben scheint bedrohlich vorgezeichnet, bis sie etwas entdeckt. Sich ihr eine völlige neue Welt offenbart, dank Mozart. Die Musik zieht Katarina in ihren anfangs fremdartigen Bann. Und zeigt ihr schon bald eine neue Bestimmung, ein Job in der Oper. Hier fühlt sich Katarina richtig wohl, genießt den Erfolg, einfach ausbrechen zu können von den Problemen. Ja, sogar ein feuriger Flirt ist drin. Da funkt es doch sofort zwischen ihr und dem Dirigenten Adam. Wenn damit doch nur schon die ganze Geschichte erzählt wäre. Leider nein, denn "Die Innere Schönheit Des Universums" eröffnet für seine Protagonistin erst eine Art Himmelreich und wirft sie dann gnadenlos zu Boden. - Dramen können so einfach und unprätentiös erzählt werden. Dieses hier ist irgendwie typisch skandinavisch kühl und passt damit bestens zum stillen Aufbruch, den Katarina verfolgt. Und genau so trist und kühl das Umfeld, dem Katarina zu entfliehen versucht. Umso schöner, dass "Die Innere Schönheit Des Universums" sich nie aufs bedrohlich seichte Melodram-Niveau begibt und ein kleines Stückchen realen Lebens aufbereitet. Für einen leisen Film, der nicht übertreibt, nichts beschönigt ein tolles Erlebnis. Auch dank der tollen Haupt-Darstellerin Alicia Vikander. Wenn jetzt nur endlich unsere Öffentlich Rechtlichen von ihrem gebühren-finanzierten Euro-Krimi-Trip runterkommen könnten und mehr solche Perlen ins Programm holen würden.
Das ist einer der schönsten deutschen Titel, die ich je gehört habe und da ich sowieso eine schwäche für skandivanische Dramen habe (diese leisen, kleinen Filme mit so großen Gefühlen) ist der gleich vorgemerkt. Danke und toller Kommentar. :)
Wer sind eigentlich diese Gorillaz? Wo kommen die nur her, warum sind sie so merkwürdig verschroben und warum hat man eigentlich bei Damon Albarn immer ein bisschen das Gefühl, wenn er über die Motivation dieses Projekts spricht, habe das was mit Raketen-Technik zu tun? Für jeden, der dieser doch recht interessanten "Band" viel Zuneigung entgegnet, ist "Bananaz" das filmische Äquivalent zur niedergeschriebene Historie. Sonst nur nachzulesen ist doch langweilig, weshalb die recht abwechslungsreiche Doku die Schöpfer Damon Albarn und Jamie Hewlett bei den ersten wichtigen Schritten bis zum Durchstarten der Gorillaz begleitet. Dabei pendelt der Film, dank über-authentischem Zoom-Blick, zwischen Meetings, Behind-the-Scenes und Konzert-Roadmovie. Da haut man sich fast die Köpfe ein, bevor das schräg-animierte Pop-Ensemble überhaupt ein Video aufgenommen oder ein ganzes Album am Start hat. "Bananaz" klebt mit körniger Optik immer nah am Geschehen, selbst wenn Albarn sich hinter der Bühne übergibt. Gestattet aber auch einen recht ungefilterten Einblick ins Band-Geschehen, die Schöpfung und Übertragung ins reale Leben - sprich: Bühnen-Technik, Videodrehs. Erinnert so ein wenig an "Some Kind Of Monster", auch wenn es viele freuen wird, eben ohne Gruppen-Therapie. Fast nur rein auf die Musik gerichtet, aber auch mal etwas zu verquatscht. Denn reden können und wollen Albarn und Hewlett viel über die Hintergründe dieses Projekts. Was soll's, denn gleichzeitig springt der Film auch schön schnell durch mehrere Jahre "Band-Geschichte" und zeichnet den Weg vom ersten bis zum bislang letzten Album Plastic Beach nach. Inklusive Dennis Hopper, der bei Demon Days einen Gast-Auftritt absolvierte. Wie gesagt, "Bananaz" ist abwechslungsreich, wie eben die Gorillaz selbst, denn bei knapp unter neunzig Minuten artet der Film nicht aus zur großen Gebrauchs-Anleitung dieses virtuellen Pop-Gesamt-Spektakels. Auch wenn es wahrscheinlich eher Schon-Fans ansprechen dürfte.
"Meine Damen und Herren, machen Sie sich auf unser heutiges Tages-Angebot gefasst: Horror-Weihnachtsferien im Kreise Ihrer Liebsten. Fahren zum Jahres-Wechsel doch auf den abgelegenen, schwer erreichbaren Sitz Ihrer Angehörigen und erleben Sie hautnah, wie sich Ihre Kleinsten von unausstehlichen, bockigen Mist-Teufeln zu einer mörderischen Höllenbrut wandeln. Jene Art von Horror-Plagegeistern, die Ihnen, ja genau, Ihnen, mit einem Lächeln nach dem Leben trachten. In unserem besonderen Reise-Paket sind Thrill und Suspense ebenso inbegriffen wie einige feine Splatter-Einlagen - Stichwort: aufgespießte undankbare kleine Scheißer - und der vermeintlich untätige Notruf, der scheinbar ewig braucht, bis er ankommt. Lassen Sie sich dieses besondere Familien-Ambiente nicht entgehen und lösen Sie noch heute Ihr Ticket."
Lange hab ich gebraucht, bis ich endlich mal "The Children" genießen konnte. Einige Stimmen sprachen von einem gelungenen Grusler im Geiste von "Das Dorf Der Verdammten" oder beschworen sogar "Ein Kind Zu Töten" herauf. So viel sei verraten, auch hier müssen sich die Erwachsenen, gemeinerweise ruppig mit dem Dilemma anfreunden, die eigene Nachkommenschaft zu dezimieren. Geht aber auch nicht anders, denn der geplante Familien-Feiertagsurlaub der Schwestern Elaine und Chloe nimmt eine ganz schön fiese Wendung. Erst verhalten sich die Kinder komisch ängstlich, wollen nicht so recht zusammen spielen, dann spucken sie Blut, Husten und bald darauf wird der Haus-Kater vermisst. Und die kleinen Strolche hecken schöne neue Spiele aus, bei denen sie die Erwachsenen zum Aderlass bieten. Das alles funktioniert bei "The Children" relativ gut, wenn auch nicht ganz neu. Der Alptraum im, bereits erwähnten, abgelegenen Grundstück entfaltet sich nach etwas zäher Einführungs-Phase ein wenig klaustrophobisch, dann rasant nach Anlauf und hält moderaten Grusel-Faktor bereit. Es erscheint beinahe wie der bewusste Gegen-Entwurf der Zombie-Epidemien aus "28 Days und Weeks Later", der "Unsere-Kinder-Müssen-Infiziert-Sein"-Schocker, der sich gefühlte Welten fernab der zivilisierten Ordnung abspielt. Da erscheint es auch nicht gerade schädlich, dass einiges an den eingeführten Figuren etwas zu steril, platt und schon mal gesehen rüberkommt. Denn einige dieser Leute sterben eh bald oder ihre Züge, wie rebellisches Punk-Teenie-Töchterchen sind für die Spannungs-Kurve unerheblich. Was Regisseur Tom Shankland sowieso am besten gelingt, sind die eisig frostige Atmosphäre, in der vor allem den kleinen, teilweise süßen Kindern schnell jegliche positive Emotion und Eigenschaft flöten geht. Und diese schnellen, rauen Momente, in denen existenzielle Nöte wie Selbst-Erhaltung und Mord am eigenen Fleisch und Blut gelöst werden müssen. Natürlich fies und manchmal a bissle gory, wobei das deutsche Etikett ab 18 wohl hauptsächlich der Thematik geschuldet war, als denn der tatsächlich gezeigten Gewalt. Als aufgepeppten Nachfahren der alten Hammer-Schule, wo ja auch gern abgelegene Herren-Häuser oder dörfliche Gemeinschaften vom Horror heimgesucht wurden, weiß "The Children" den geneigten Zuschauer durchaus zu begeistern. Allerdings muss ich auch etwas SPOILERN, ALSO HIER NICHT MEHR LESEN:
Andererseits erscheint der Film leider auch, nach seinem relativ langatmigen Einstieg als gutes Mittel-Stück eines Schockers, bei dem einfach noch was fehlt. Vielleicht so was wie eine, wenigstens angedeutete Erklärung, Ursache. Ganz zum Schluss möchte "The Children" mit einem wohl selbst-erklärenden Bild auf das Ausmaß der Katastrophe hinweisen. Gelingt ihm aber nur bedingt, denn dann bäumt sich noch diese unnötige Ungewissheit auf, ob es eben nur Kinder oder auch ältere Menschen befallen könnte. Genau hier hätte sich doch ein packender Weg finden können, "The Children" zum Schluss einen echten Kick zu verpassen und nach gleich nach einer Fortsetzung zu schreien.
So bleibt der Film auch spürbar hinter den Möglichkeiten seines Stoffes zurück und verbaut sich einiges an Plot-Ideen. Als reine Schocker-Episode im Familien-Kreis muss ich auch sagen, dürfte der Film eben nicht bei jedem genug Eindruck hinterlassen. Außerdem kommt er an die Wucht der vermeintlichen Vorbilder nur in einigen Momenten heran. Was ihm aber eher zu einem vermeintlich verwässerten Schocker macht, der immer wieder Funken versprüht.
Wunderbar ausführlich und absolut treffend - ging mir ziemlich genau gleich, auch wenn ich nicht die Ausdauer hatte hier alles so detailliert zu beschreiben :)
Die Franzosen bannen eben doch die besten Natur-Einblicke auf Film. Magisch, manchmal durch ein paar Off-Kommentare gestört. Rein subjektiv gesehen natürlich. Für mich könnte so eine Doku auch nur eine Einleitung und eine Schluss-Rede beinhalten. Subjektiv gesehen. Aber der Rest ist ein fantastischer Einblick alter Schule in eine Welt, die uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt/bleiben muss.
Oh je, Badesalz!!! Was habt ihr euch nur dabei gedacht? Ihr zählt für mich zu den lustigsten Spaßmachern der Republik, ehrlich. Bei "Das Baby Mit Dem Goldzahn" entzieht ihr euch den Repressalien der deutschen Comedy-Foltermülle, aber zu welchem Preis? Otto dreht für viel Geld stinkenden Müll, ihr dreht einfach am Rande des No Budgets. Was dem trashigen Märchen einer schlagerlosen im Welt im Würgegriff des Deppen-Rocks eine merkwürdige Note verleiht. Andauernd die selben Gesichter in anderen Rollen, komische Sets am Bauernhof und im Burg-Ambiente. Dabei ist die Erzählung so blöd wie teilweise genial. Irgendwie Badesalz eben, aber in den schlimmsten Momenten auf keinen Fall vergleichbar mit ihren großen Hörspiel-Errungenschaften oder den stärksten "Abbuzze"-Gags. Mit mehr Geld hätte es vielleicht der große Wurf werden können. So erscheint die, eigentlich recht doll veräppelnde, Märchen-Persiflage leider nur bedingt zauberhaft.
Roman Polanski: gefeierter Erfolgs-Regisseur, Genie der Erzähl-Kunst. Und verurteilter Sexual-Straftäter wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen.
Gern genutzte Dämonen-Fratze des ewigen Wüstlings, hässliches Aushängeschild der Ewig-Flüchtigen. Das berühmteste aller feigen Schweine, das sich der Straf-Verfolgung durch Staats-Flucht entzogen hat.
"Roman Polanksi: Wanted And Desired", ein Greenwashing-Porträt? Der schändliche Versuch der Revision? Mitnichten.
Über Roman Polanski ist derart viel geschrieben worden, dass einem schwer fällt, einen klaren, unbeschmutzten Blick auf das schändlichste Kapitel seiner Vita zu werfen. Jener Prozess, jene Anschuldigung und ihr Ausgang, der seither immer als Schatten übers Polanskis Schaffen liegt. Und während ich irgendwie belustigt auf die Banner-Werbung für "Der Gott Des Gemetzels" blicke, kommt mir in den Sinn, wie zwiespältig dieser Mensch doch ist. Und wie viel davon eigentlich auf die Projektion von außen zurückzuführen ist.
Roman Polanski hat ein Verbrechen begangen. Fakt. Er hatte Sex mit einer Minderjährigen, das ist gegen das Gesetz. Punkt. Daran ist nicht zu rütteln, und ich kann Herrn Polanski hier nicht reinwaschen. Er hat es getan und genau hier setzt diese außerordentlich penible Doku an. "Roman Polanksi: Wanted And Desired" überrascht mich vor allem deshalb, weil er meine nachgeborene Sicht auf den Wirbel von damals zurechtrückt. Immer wieder wurde mir eingeredet, Polanski sei ein reicher Drecksack. Ein schmieriger Künstler, der sich mit Geld aus der Affäre ziehen wollte und letztlich vor der Rechts-Sprechung durch Ausreise drückte. Immer wieder profitiert sich ein/e amerikanische/r Staats-Diener/in durch Droh-Gebärden gegen diesen Fatzke, der bloß einen Fuss auf US-Boden setzen soll. Und wer kennt nicht dieses medien-wirksame Fest-Setzen Polanski's samt Hausarrest, mit dem dieser Fall vor nicht allzu langer Zeit ins öffentliche Bewusstsein zurück gezehrt wurde.
Was "Roman Polanksi: Wanted And Desired" allerdings mehr als deutlich nachzeichnet, ist der fast vergessene/totgeschwiegene Umstand, dass Roman Polanski für sein Vergehen eigentlich rechtskräftig verurteilt wurde. Und dass er bereits das damals angesetzte Strafmaß absaß. Dass er das ebenfalls interviewte Opfer nicht wie in einer schmierig-brutalen Rape-Sequenz überwältigte und entjungferte. NOCHMALS: ICH WILL NICHTS VERKLÄREN UND VERTEIDIGEN, KLEINREDEN ODER SONSTIGES. Es war Alkohol und Seduktion im Spiel. Aber in meinen Augen reicht es dennoch nicht ganz zum Polanksi-Sinnbild des hässlichen Vergewaltigers. So sei noch erwähnt, dass das Opfer zum Zeitpunkt des Geschehens bereits sexuell und drogentechnisch erfahren war.
Und überhaupt, "Roman Polanksi: Wanted And Desired" zeichnet ziemlich verblüffend und irgendwie erschreckend den Verlauf dieses großen Prozesses nach. Wer hätte gedacht, dass der Richter ein egozentrischer Arsch war, der sich mit Medien- und Starrummel rühmte. Für ihn waren Schuldspruch und Verurteilung eher eine Frage des Prestige. Denn im Verlauf des Films wird klar, dass sich Anklage und Verteidigung schon einig waren. Dass ein vernünftiges Maß fürs Opfer und den Schuldigen Polanski gefunden wurde/werden sollte. Und wie dann dieser Mann in der Robe seine Amtsgewalt unverständlich nutzte, um den Regisseur medienwirksam klein zu machen. ICH SAGE NOCHMALS: Für das Getane habe ich kein rechtes Verständnis. Doch: Ich kann wiederum verstehen, warum Roman Polanski letzten Endes aus den Vereinigten Staaten floh.
Und ich bin mir sicher, dass "Roman Polanksi: Wanted And Desired" durch die teilweise minutiöse Aufarbeitung der Geschehnisse, des Prozesses und den Interviews mit Beteiligten und Amts-Nachfolgern ein abgerundetes, aber auch beängstigendes Bild der amerikanischen Rechts-Sprechung bietet. Und nebenbei ein auch einen guten Überblick über das Leben und Schaffen Roman Polanski's. Diese starke Doku beschönigt nichts, verurteilt niemanden oder erteilt Absolution. Aber sie nimmt sich Zeit, einen eigentlich zur unverschämten Schmutzwäsche und Verfolgung verkommenden Prozess ins rechte objektive Licht zu rücken.
John Woo hat wieder Appetit, Hunger nach Großem. Lust, einfach mal wieder zu zeigen, dass er noch passionierter Filme-Macher ist. Dass Hollywood den einst so gelobten Action-Papst nicht kleingekriegt hat und dass sein Kreativ-Zentrum nicht drainiert werden kann. Wäre ja noch schöner. Mit "Red Cliff" realisierte Woo seit Jahren etwas anderes eine moderne Action-Revue. Immerhin inszenierte er ja etliche Jahre vor "A Better Tomorrow" in beinahe jedem Genre mehrere Streifen. "Red Cliff" ist ein opulentes, ausuferndes Mammut-Werk geworden. Die Aufarbeitung einer der legendärsten Schlachten chinesischer Geschichte und da mag es nicht verwundern, dass wir Europäer nur den halben Film zu sehen bekommen. Woo holt nämlich weit aus und sein Schlachten-Gemälde braucht im Original knapp fünf Stunden. Deshalb existiert "Red Cliff" auch eigentlich als Zwei-Teiler, der fürs Ausland zusammengeschnitten wurde. Aber egal, das Cineasten-Herz mag irgendwie bluten, auch wenn ich zugeben muss, als Nicht-Chinese wäre die volle Ladung schwerer zu verdauen gewesen. Worum geht es eigentlich? Vereinfacht gesagt, droht dem alten China im Jahre 208 die Übernahme durch einen Despoten. Cao Cao ist sein Name, als Premier ist er der heimliche Strippen-Zieher hinterm jungen Kaiser. Als Feldherr überrollt Cao Cao alles und jeden, denn er will die restlichen Reiche einnehmen. Deren Herrscher Liu Bei und Sun Quan lassen sich schließlich ihrerseits von der Sinnigkeit eines Bündnisses überzeugen. Am titelgebenden Red Cliff werden so die Weichen zur großen finalen Auseinander-Setzung gestellt. Keine Panik, es gibt noch mehr Aspekte und wen eine große Anzahl von Protagonisten abschreckt, kann durchatmen. "Red Cliff" hält seine Besetzung, in dieser Fassung, in Grenzen. Es gibt eine überschaubare Anzahl wichtiger Figuren und diese werden auch sehr gut eingeführt und teilweise erläutert. Ein Zug, der, per Nachbearbeitung, aber auch durch Woo's Talent als Erzähler, dem Zuschauer bestens ins Geschehen einführt. Und vor allem, dort verweilen lässt. Denn "Red Cliff" verzichtet zwar größtenteils auf die Martial Arts-Züge, die bei vorangegangenen Hits wie "Hero" und "Tiger And Dragon" den physikalischen Gesetzen und der Natur trotzen. Trotzdem umgibt auch ihn dieses Flair von Historie meets Mystik, einerseits realistische Schlachten, dafür aber auch Charaktere und Natur-Panoramen, die mit ihrem Auftreten an Opern- und Märchen-Erzählungen erinnern. Und uns westliche Zuschauer schmerzlich daran erinnern, dass unser Geschichten-Radius zuletzt viel zu lange von Robin Hoods und Legionärs- oder Gladiatoren-Mätzchen beherrscht wurde. "Red Cliff" jedenfalls versprüht in jeder Minute das Selbst-Bewusstsein eines großen Epos. Sein es nun die ausufernden Schlachten zu Wasser oder an Land, oder die ebenso ruhigen Momente, in denen die Beteiligten ruhen und über den nächsten Schachzug sinnieren. Denn auch dies ist eine weitere bemerkenswerte Stärke von "Red Cliff." Woo macht es sich nicht so einfach, ein paar riesige Kriegs-Sequenzen mit belanglosem Kostüm-Kitsch zu verbinden. Er verleiht dem ganzen eine spannende Note, indem er sich neben dem eigentlichen Kampf auf dessen Planung konzentriert. So wird "Red Cliff" zu einer echten Lektion in Sachen Kriegs-Kunst. Nie zu verkopft, nie zu trocken, nein, teilweise sogar gewitzt und ziemlich überraschend. Und wir dachten schon, John Woo fiele außer doppelter Knarren-Bewaffnung und Slo-Mo nichts mehr ein. Falsch gedacht. Man muss sie eben nur machen lassen. So setzt Woo seinem schon beispiellosen Œuvre eine beachtliche Krone auf. Was sind da schon zweieinhalb Stunden Laufzeit, mir sind sie jedenfalls kaum aufgefallen. Früher hat John Woo mit Knarren statt Kung-Fu kämpfen lassen, jetzt hat er Kehrt gemacht und einfach mal so den historischen Schlachten-Film revitalisiert. Echt beeindruckend, was kommt wohl als nächstes?
It's Apocalypse now, Dreckssau!!! Gott hasst plötzlich alles und jeden, jedenfalls uns mickrige Menschlein. Weshalb ihm nach jahrhundertlangem Irrsinn, Kriegen und sonstigem irdischen Bullshit plötzlich einfällt, uns vom Angesicht der Erde zu fegen. Und dabei lässt er seine Engels-Scharen auch einfach in uns Willensschwache fahren, damit es keine ach so teuren Endzeit-Schlachten- und Effekte in diesem leider ganz und gar nicht effektiven B-Movie gibt. Mit einem äußerst bescheidenen Budget lässt sich nunmal kein biblisches Epos schaffen, das weiß auch FX-Mann und Regie-Debütant Scott Stewart. Aus diesem Grund verlegt er sein Armageddon in ein schäbiges Wüsten-Diner, um das sich eben die Massen an Besessenen und Engels-Krieger versammeln. Ist es doch ausgerechnet die undankbare Arbeits-Stelle der nächsten Kellnerin-Maria. Wie das Leben so spielt. Wer jetzt schon die Augen rollt, sei gewarnt, "Legion" ist alles andere als ein überzeugender End-of-Days-Actioner. Der Fantasie-Anteil reicht gerade mal zu einer, knapp an der Lächerlichkeit vorbei schrammenden, Engels-Erscheinung (Gabriel erinnert mich an die alten He-Man-Actionfiguren!) und ein paar halbwegs gut realisierten Creature Effects. Hier fährt der Film mit dem gefallenen Engel Paul Bettany und Del Toro-Lieblings-Monster-Darsteller Doug Jones seine größten Stärken auf. Und verheizt im Gegenzug einige bekannte Gesichter wie Dennis Quaid derart undankbar, dass es eine echte Schande ist. Wenn es eben nicht grad Plagen und Monster regnet, begeben sich die schlicht gestalteten Figuren in einen nervigen Therapie-Modus und sondern ihre verkorksten Lebens-Beichten und Ansichten ins Leere ab. Nur um wenig später äußerst ungelenk aus dem Leben geschrieben zu werden, denn "Legion" hält auch hier das zu erwartende Zehn-Kleine-Jägermeister-Spiel parat. Wenngleich um ein vieles schlechter und überraschungsärmer. Im Großen und Ganzen vermag es "Legion" einfach nicht, uns einen guten Grund zur Wiederholung zu geben. Der mystische, religiöse Aspekt ist derart ausgelutscht und zweitrangig, dass er wahrscheinlich nicht mal fundamentalistische Christen auf die Barrikaden bringen kann. Und zweitens, klaut der Film ungeniert bei besseren Vorbildern, allen voran den ersten beiden "Terminator"-Filmen. Siehe den final shot, bei dem jetzt nur noch die Wolken gefehlt hätten. Von den Wumms-Einlagen bei der letzten Schlacht ganz zu Schweigen. So wird dieses auf Spar-Flamme gedrehte und gespielte Filmchen zu einem lächerlichen Versuch, dem ersten und besten "God's Army" zu folgen. Dieser hat nicht ohne Grund ziemlich hohe Wellen geschlagen. An dieser Stelle kann ich nur jedem empfehlen, der es noch nicht getan hat, dies schnellstens nachzuholen. Denn "Legion" scheitert letztlich daran, all das zeigen zu wollen, was diese feine Indie-Produktion anno 1994 aussparen musste. Was ironischerweise nicht zu Größe sondern bedeutungsnaher Mickrigkeit führt. Es ist eben noch nicht aller Endzeit-Tage Abend.
Toller Kommentar! Hab den (noch) nicht gesehen - wie die "God's Army"-Streifen übrigens auch (noch) nicht, werde dies aber aufgrund deines Kommentars alles so schnell wie möglich nachholen. Hoffentlich lande ich für meine Versäumnisse nicht vorher in der Hölle...
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mikkean
über Crank 2: High Voltage 2012/05/31 15:33:41
Muschisprüche, Ficken im jedem Mund, ein Freiluft-Akt auf der Trabrennbahn, platzende Silikontitten, Köter die Bullen in die Eier beißen ... und ein Jason Statham, der sein Minimal-Acting unter Hochspannung setzt ...
Hey, wie sonst sollte ein Film wie "Crank" auch zu übertreffen sein? Wenn schon, dann richtig auf die Kacke hauen. Mark Neveldine und Brian Taylor hetzen durch ein comic-artiges L.A., das oft mehr an Little Beirut erinnert und jedem Puritaner die Schamesröte ins Gesicht treibt. Da gibt's ein kleines Schaulaufen von streikenden Pornostars oder David Carradine läuft als sabbernder asiatischer Greis durch die Gegend. Ach ja, daneben fliegen die Fetzen, denn Chev Chelios ist doch nicht tot und will als unfreiwilliger Organspender sein Herz zurück. Gewohnt minimal, dafür ist "Crank 2: High Voltage" in fast allen Aspekten noch eine Spur kränker, wilder, schneller, fieser. Oh ja, an Ideen hat es nicht gemangelt, selbst dann, wenn auch nur welche aus dem Vorgänger recycelt werden. Neveldine und Taylor verstehen es, sich einen eigenen Gipfel der Geschmacklosigkeiten aufzutürmen und dann darauf zu thronen. Soll ihnen erstmal einer nachmachen. Und ja, wer an solchen Entgleisungen keinen Gefallen findet, hat mein vollstes Verständnis. Wer sich hier aber zu Hause fühlt, hat meine vollste Sympathie. "Crank 2: High Voltage" ist die kleine Dreckschleuder, die ab und zu den Alltag auffrischt. So richtig schön in die Fresse gedrückt.
Wer sich übrigens mal so richtig amüsieren will, sollte die deutsche, jugendfreie Fassung abchecken. Dreist verstümmelt, geistlos kurz und mit richtig lächerlichen Piep-Tönen "entschärft". Ist gleich doppelt so lustig wie aber auch schändlich.
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mikkean
über Crank 2012/05/31 15:11:24
"Aufgewacht ... Heut wirst du umgebracht!" - Und Whhooooooosssssssssshhhhhhhh!!!!!!!!
Der Tag fängt ja toll an: Grinsebacke auf dem Fernseher ist doch dein Erzfeind. Was? Da fließt ein Gift in meinem Körper!!! Na leck mich doch - ich mach dich kalt!!!
Mal ehrlich, was soll man von meinem Film namens "Crank" erwarten? Anspruchsvolle Action-Unterhaltung mit Shakespeare'schen Dialogen? Feinfühlige Helden mit politisch korrekter Vorgehensweise und Bösewichten, die sich am Ende reumütig selbst die Handschellen anlegen? Forget it!!! "Crank" ist Kino auf Droge, Brachial-Action mit schnell gezogener Wumme und einem gepflegten Urinieren auf den guten Geschmack. Die filmgewordene Stinkbombe eben. Jason Statham wird wohl zeitlebens keinen Hamlet abgeben, aber dafür darf er sich rühmen, hier mit spürbarer Freude wohl alle bekannten Einträge im F-Wort-Vokabular darzubieten und einfach nur Ärsche zu treten, zu erschießen, aus Helis zu schmeißen ... Und nebenbei mit Film-Partnerin Amy Smart in ihrer Freiluft-Liebesszene jeder Hardcore-Produktion Konkurrenz machen zu dürfen. Irrwitzig kopflos lassen die Regisseure Neveldine/Taylor ihr krankes B-Movie davon rasen und es überrascht mich selbst, wie gut "Crank" gealtert ist. Liegt vielleicht auch daran, dass hier eben kein dreistelliges Millionen-Budget verpulvert wurde, das hier auf alle Parental Advisory-Warnungen geschissen wird und überhaupt: neunzig Minuten sind genug für den ganzen Wahnwitz. Schau ruhig genauer hin Michael Bay. Das hier ist vielleicht keine hohe Kunst, vielleicht nur doll gefilmt um einige Unzulänglichkeiten zu kaschieren ... Ja ja, es macht dennoch viel Spass.
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mikkean
Kommentare 2012/05/31 14:32:31
Seelenlos??? Das gab's ja noch nie in Hollywood!!! - Ist mir aber egal. Auch in Alien regnete es kein Konfetti und Gummibären. Düster ist eben immer etwas anders.
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MovieMonster 2012/05/31 20:00:37
Antwort löschenGanz ehrlich, diese "Seelenlos"-Aussage macht mich nur umso neugieriger. Am besten bis zum 8. August einfrieren lassen. Nach dem Aufwachen dann erstmal ne dicke Portion Spaghetti Nostromo, dann ab ins Kino. ;)
mikkean
über Am Rande des Rollfelds 2012/05/29 14:28:07
Nicht nur, weil es das Vorbild zu Terry Gilliam's tollen "Twelve Monkeys" ist ...
Weil Endzeit- und Todes-Träumereien in Schwarz-Weiß selten so schön waren ...
Weil es höchste Film-Kunst ist und doch frei von intellektuellem Krampf wirkt ...
Weil eine steife Standbild-Abfolge nie so lebendig schien ...
Weil einfach jeder mal diesen Film gesehen haben sollte ...
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mikkean
über Cop Out - Geladen und entsichert 2012/05/29 14:07:18
Meine Damen und Herren, dank meiner unvergleichlichen Fähigkeit des Gedankenlesens werfen wir nun einen Blick auf das mentale Innenleben einiger Hollywoodstars:
Bruce Willis: "Oh Mann, das hier ist vielleicht ein Scheiß. Ein echt beknacktes Script und dieser hippelige Typ neben mir ist nur halb so komisch wie er glaubt ... Wenigstens muss ich hier keinen Mist in die Luft jagen oder vorm Bluescreen rumspringen ... Hört nur endlich auf, mich McClane zu rufen, ihr Penner!!!"
Tracy Jordan: "Boah Alter, ist das wirklich Bruce Willis neben mir? ... Und dieser dicke Brillenträger sieht n'bisschen aus wie ein verfetteter Silent Bob ... Ey Mann, ich glaub, ich zieh einfach die Nummer wie bei 30 Rock durch ... Wow, ist das Bruce Willis neben mir?
Kevin Smith: Wie bin ich bloß hier reingeraten? Was hab ich nur falsch gemacht? Clerks 2 oder Jersey Girl? ... Von diesem Drehbuch krieg ich noch n'en Tumor!!! ... Nie wieder verkauf ich meine Seele an diese Teufelsstudios ... Ah, ich hab noch diesen Anarcho-Horrormovie, den kriegen diese Blutsauger nicht, He He!!!"
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mikkean
über Maniac 2012/05/29 00:21:21
"I WARNED YOU NOT TO GO OUT TONIGHT!" -
Das ist er also, der Über-Bratulo-Film der 80er. Schandhaftes Schundwerk der Perversionen, Gewalt-Exzesse, misogynen Tendenzen ... Billigstes Schockkino aus der Bahnhofs-Kino-Ära, bestes Futter für alle angefressenen Zensoren und direkt im bundesdeutschen Giftschrank gelandet. Wow, wenn das nicht nach einer Einladung klingt, sich William Lustig's berühmt-berüchtigtes Machwerk reinzuziehen? Und inwieweit stimmt das ruchlose Flair des Verbots-Gütesiegels mit dem eigentlichen Film überein? - Teilweise würde ich sagen. Das krude Portrait des Serien-Killers Frank Zito ziert irgendwo Züge des etablierten Slasher-Genres, garniert mit diesem gewissen Drang an Grenzen-Ausloten. Für "Maniac" perfektionierte Make-Up Guru Tom Savini seine Künste und zauberte teilweise verstörend und mindestens ziemlich langanhaltende Bilder. Und überhaupt schafft es Lustig's Film, einen in einen ziemlich morbiden Strudel der Abgründe zu ziehen. Fungiert "Maniac" doch als Psychogramm des schwer gestörten Zito, der einerseits harmloses, namenloses Würstchen im Big Apple ist und nachts zum bestialisch mordenden Raubtier in den Schluchten New Yorks mutiert. Wie zu vermuten, liegt die Haupt-Ursache für Franks Geistes-Zustand in einer erschütternden Kindheit, schrecklicher Mutter inklusive. Aber auch auf Frank Zito lastet wie bei seinem Leidens-Genossen Norman Bates der Schatten eben jener Erzeugerin. Was sich in einer irren Raum-Ausstattung äußert und grässlich blutige Taten nach sich zieht. So ist Zito keiner dieser zahllosen 08/15-Mörder aus dem Eighties-Killer-Kino. Ihm genügt das Slashen, Verbrennen oder Strangulieren nicht, seinen Opfern raubt er den Skalp. Wenn sie jedenfalls noch unversehrt genug sind ... Als vermeintlicher, sozial schlecht gestellter Vorläufer von "American Psycho" fasziniert William Lustig's Lektion in Sachen Extrem-Film aber auch in jenen Momenten, in denen Zito seine Mimikry-Künste zeigt und "normal" wirkt. Denn dem scheinbar eingleisigen Kreislauf aus Leiden und Töten und wieder Leiden durchbricht interessanterweise auch die lockere Beziehung zu einer Fotografin. Dann wird aus dem vermeintlichen Einzel-Gänger und zurückgezogenen Monstrum fast schon ein Mensch wie jeder andere. Wenn nur nicht dieser Drang da wäre, dieses Verlangen, Mutter gerecht zu werden. Wenn da nur nicht eine hübsche Frau mit schönem Haar langgelaufen käme. Einen Platz dafür hat Frank Zito ja ...
Wie gesagt, "Maniac" ist sicherlich kein Film für jedermann und wer mit "schlechtem Geschmack" nichts anfangen kann, lieber Finger weg. Andererseits glänzt der Film als vielleicht Lustig's bester und ein irres Denkmal für Haupt-Darsteller und Co-Autor Joe Spinell. Der schaffte es in seinem Leben nicht nur zu Rollen in "Der Pate", "Rocky" oder "Taxi Driver". Spinell bricht auch gekonnt mit dem üblichen Image des gestörten Serien-Mörders. Ist er doch kein vernarbter Freak, kein allzu hässliches Entlein, dem es nun nach Blut dürstet. In "Maniac" zeigt sich das Böse tatsächlich erschreckend normal, sagen wir durchschnittlich. Und es ist durchaus angemessen, Spinell's stark manischem Spiel immer noch Tribut zu zollen. Ganz zu schweigen vom listigen Kunst-Griff, das kaum vorhandene Budget in die beachtlichen Tricks von Savini zu investieren und den restlichen Film im Geiste des Guerilla-Styles zu realisieren. So wie auch die sicherlich fragwürdige Moral von "Maniac", ist dieser Film eben alles andere als ein typisches Produkt der Film-Industrie. Sehr nah dran, zu nah. Aber auch kein Mockumentary-Vorläufer, der mit der Handkamera herum wurstet. Und mit einigen der denkwürdigsten Schock- bzw. Splatter-Momenten seiner Dekade weiß er auch aufzuwarten. Übrigens auch mit einer recht starken Auflösung, wer "Maniac" durchlebt, weiß, was ich meine. So kann ich nur sagen, dass dieser Film vielleicht nicht der beste seiner Art ist, aber wegen seiner Tons und seiner Stilistik definitiv imponiert. Ein verdammt ruchloses Stück Independent-Kino, ein reißerischer Exploitation-Schocker und eine abartige Persönlichkeits-Studie. Nach diesem Film perfektionierte William Lustig seine Stärken, versumpft aber auch zunehmend im belanglosen B- und C-Sumpf.
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mikkean
über Oben 2012/05/28 23:23:57
Schon die erste Viertelstunde hätte einen Oscar verdient. Und macht umso deutlicher bewusst, welch begnadete Geschichten-Erzähler bei Pixar eine Heimat gefunden haben. Und was sie und Disney trotz Zwangsheirat irgendwie immer noch trennt.
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mikkean
über Horst Schlämmer - Isch Kandidiere! 2012/05/28 23:16:55
5,5!!!!!!!!!!!! Nein, den hab ich noch nicht bewertet. Gleich mal korrigieren:
Isch schmeiße Horst Schlämmer aus dem Bundestag. Dies hier ist leider alles andere als eine Politik-Satire, eine entlarvende Wahlkampf-Farce, ein klug beobachteter Kommentar zum Zirkus, in dem Wähler und Gewählte sich sonst so ergehen ...
Es ist mit Abstand das schlimmste deutschsprachige Humor-Verbrechen seit langem. Unzusammenhängend arrangiert, schlecht gescriptet, billigst produziert im Grenzbereich zwischen Gut und Böse, eintönig vorgetragen von den "prominenten Gaststars", peinlichst, peinlichst, verblödend, und mit einem Wortwitz, der wohl selbst Kerkelings Fans der ersten Stunde vor Scham den Kopf platzen lässt ...
Welch Marter, dafür auch noch eine Horde wie Gunter Gabriel, Jürgen Drews, die Effenberg, Alexandra Kamp, Bushido vor die Kamera zu zerren. Ich glaube, was hier vielleicht als Parodie aufs Polit-Geschehen gedacht war, verkam den Machern zu einem jämmerlichen Rund-Umwatschen der doofen Bürger auf der Straße, der Fernseh-Anstalten ...
Am überzeugendsten kann ich eh nur das winkende, aber schweigsame lustige Glückshäschen einstufen. Der Rest lässt mich mit Tränen in den Augen an so großartige Versuche wie "Bob Roberts" oder die nichtgestellten Szenen aus "Borat" denken. Autsch.
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MovieMonster 2012/05/29 03:55:26
Antwort löschenDen hab ich nur zur Hälfte geschafft, war mir einfach zu öde. Finde die Figur "Horst Schlämmer" aber eigentlich ganz witzig, in Kurzauftritten allerdings. Frage mich, wer auf die bescheuerte Idee kam, sowas in Spielfilmlänge zu machen. Dafür taugt die Figur einfach nicht.
mikkean 2012/05/29 13:42:00
Antwort löschenDa geb ich dir völlig recht. Ich kann mir diesen Film auch nicht erklären, aber er wirkt auch wie eine lieblose Abfolge vieler kleiner Kurzgags ...
mikkean
über Act of Valor 2012/05/25 16:16:54
Ein eindeutiger Kandidat für den nächsten "Hassfilm"oder was??? Wenn es um den Vaterlands-Stolz und das eigene Militär geht, verlieren eingefleischte Amerikaner ja gerne die Bodenhaftung. Wir haben ja alle unsere Schwächen. Fast unentschuldbar erscheint mir dann aber der Versuch, mit "Act Of Valor" Hollywood-Glamour mit Armee-Propaganda zu vermischen. So flimmerten mir unlängst bei einem überlangen Trailer Bilder von hünenhaften Waffenbrüdern mit ihren überschicken Spielzeugen wie intelligenten Bomben, Dronen und natürlich dem gewissen Wumms aus dem Waffenschrank entgegen. Natürlich telefonieren sie alle nach Hause, wo Frau und Kinder warten, bevor sie terroristische Bedrohungen und andere stereotype Bösewichte ausschalten. Glamour soll heißen, dass "Act Of Valor" ein ganz besonderer Gestank umgibt: Dieser Krieg sieht aus wie "G.I. Joe" in echt, nur dass die Comic-Figuren keine Maske tragen und noch nicht per Jetpack durch die Luft schweben. Das hier scheint mir um ein vielfaches hohler als jedes Muskel-Schaulaufen, das Sly Stallone als Rambo für sein Vaterland veranstaltete. Und es wirkt deshalb so schmierig, weil vor jedem Kinosaal gleich eine Rekrutierungs-Stelle fürs US-Militär aufmachen könnte. Aus keinem anderen Grund dürfte dieses Navy Seals-Vehikel überhaupt vom Pentagon protegiert worden sein. Zu dumm, dass auch noch Leute mit Grips im Kopf gibt, die so einem fragwürdigen Eierschaukeln nichts abgewinnen können.
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stuforcedyou 2012/05/25 17:07:56
Antwort löschenBestärkt mich darin diesen Film zu ignorieren. Danke.
mikkean 2012/05/25 18:42:58
Antwort löschenIch befürchte ja, dass der sogar noch zum Oscar-Liebling wird ... Von wegen, ach so dramatisch realistisch eingefangenes Soldaten-Ehrendenkmal !?! ;-)
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stuforcedyou 2012/05/25 19:10:56
Antwort löschenDas Pentagon wird nach dem Erfolg des Films wohl noch öfters solche "Ehrendenkmäler" produzieren und inszenieren. Da fällt mir ein, ich könnte noch mal "The Hurt Locker" oder "The Messenger" sehen.
mikkean 2012/05/28 22:48:49
Antwort löschenLetzteren muss ich auch endlich mal auftreiben!
mikkean
über Walkabout 2012/05/25 15:59:09
Aus dem ewig sprudelnden Quell des Wissen namens Wikipedia:
"(Nicolas) Roeg's films are known for having scenes and images from the plot presented in a disarranged fashion, out of chronological and causal order, requiring the viewer to do the work of mentally rearranging them to comprehend the storyline ..."
Treffender lässt sich die Erwartung von "Walkabout" an den Zuschauer gar nicht besser beschreiben. Roeg lässt die beiden Extreme des australischen Kontinents aufeinanderprallen und lotet absolut bildgewaltig den Zustand der modernen, weißen Gesellschaft und ihre Auswirkung auf die naturgebundene Welt der Aborigines aus. Raus aus dem Herz des zivilisierten Stadt-Koloss fährt ein geschniegelter Vater seinen kleinen Sohn und die Teenie-Tochter zum Picknick ins unbewohnte Outback. Nach ein paar Minuten greift er zur Waffe und eröffnet das Feuer auf seine Kinder. Zum Glück kann das Mädchen sich und den Bruder sichere Deckung verschaffen. Da zündet Vati eben das Auto an und richtet sich selbst. Für seine Kinder beginnt nun ein Marsch zurück durch die Wildnis. Ein langer Weg will zurückgelegt werden und natürlich gibt es nur wenig Proviant. Und das tragbare Radio, aus dem immer wieder mal Übertragungen aus der bewohnten Welt erschallen. Doch dies ist kein Survival-Thriller, bei dem jetzt blutdürstige Tiere aus dem Busch springen. So wie die beiden weißen Stadt-Kinder bald schon auf dem Zahnfleisch gehen, lässt "Walkabout" ungeahnte Rettung erscheinen. Man trifft auf einen Aborigine-Jungen, der gerade seine spirituelle Prüfung durchlebt. Und auch wenn sich beide Parteien nicht auf Basis einer gemeinsamen Wort-Sprache verständigen können, verbringen sie die nächsten Tage/Wochen (?) zusammen. Erkunden die mystische Schönheit der unberührten Ödnis und stoßen auch eigenartige Ruinen, die vom erfolglosen Wirken des weißen Mannes auf diesem, ihm doch fremden und nicht eigenen Bodens zeugen. - "Walkabout" ist also alles andere als ein vermurkster Ethno-Kitsch, bei dem Probleme der Kolonial-Erben auf dem Rücken der Ureinwohner aufgeblasen werden. Allein die irrsinnige Geschichte, die Nicolas Roeg durchgängig mit teils geisterhaft schönen Fantasmen und dokumentarisch sterilen Bilder-Folgen aus unserem "zivilisierten" Kulturkreis durchbricht, fordert unsere Aufmerksamkeit auf gleich mehreren Ebenen. Da sehe ich einerseits die plakative Bedeutung als Aufbruchs-Story der Geschwister, ihre Bewährung in dieser unsäglichen Situation. Überlebens-Taktiken müssen erlernt werden, und auch die Kommunikation mit ihrem Retter. Und dann vergleicht der Film mehrmals die Lebens-Welten der beiden "Mietparteien" Australiens, zeigt zwischen der Erlegung und Zerlegung eines Kängurus auch Szenen aus dem ach so hoch entwickelten Fleischerei-Wesens. Aber auch für zwei, drei aus der Art schlagende Episoden ist sich "Walkabout" nicht zu fein. Weiß der Film seinen Fluss mit Ausflügen zu gänzlich anderen Personen und deren Tätigkeiten zu unterbrechen. Was wiederum auch das große Enigma füttert, welches dieser Film in seiner Gesamtheit darstellt. So kann ich nur sagen, dass er für mich kein reines Drama ist, kein Abenteuerfilm und kein flaches Anbiedern zweier gegensätzlicher Kulturen. Nein, für mich wirkt "Walkabout" wie eine Verquickung mehrerer Story-Fäden, die auf diesem einzigartigen Kontinent zueinander finden, verbunden durch das unerklärliche Wirken der fantastischen, und von unsichtbaren Kräften durchtriebenen, Landschaft. Ja, und es ist ein filmisches Erlebnis, dass einmal mehr klar macht, dass optische und erzählerische Raffinesse nicht erst im MTV-Zeitalter zu voller Blüte gereichten. Wer sich also wirklich auf etwas einzigartiges einlassen will und sich Erklärungen nicht auf den Silberteller servieren lassen muss, der sollte sich also selbst auf seinen eigenen "Walkabout" begeben.
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stuforcedyou 2012/05/25 19:11:40
Antwort löschenUnd jetzt bereue ich es, das ich kürzlich nicht wach geblieben bin und zdf_neo geschaut habe :(
Andy Dufresne 2012/05/25 21:59:29
Antwort löschenUnd ich bereue es einmal mehr kein Neo zu haben :(
Will den Film schon ewig sehen, schaue in die TV-Spielfilm, sehe Walkabout, denke: Hammer, sehe Neo, denke :Scheiße! :D
stuforcedyou 2012/05/26 02:20:26
Antwort löschenhab neo auch erst seit ca. 4 wochen und muss sagen, dank neo glaube ich wieder an das dt. tv, ein bisschen zumindest
Andy Dufresne 2012/05/26 13:59:31
Antwort löschenAngeblich hat man ja ein Recht drauf...Mit irgendnem Zwischendigitalsteckding müsste es gehen...Kenn mich ja natürluch null aus mit sowas...
mikkean 2012/05/28 22:50:11
Antwort löschenJa genau, als Gebührenzahler haben wir ein Recht auf alle Spartenkanäle. Ich habe monatelang vergeblich gewartet, bis es endlich in meiner Kiste lief.
Andy Dufresne 2012/05/28 22:51:39
Antwort löschenAber dann lief es?Wie?
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mikkean 2012/05/28 23:17:59
Antwort löschenJa, nachdem ich mir einen dieser neumodischen Fernseher mit integriertem Sat-Empfang geholt hab :)
Andy Dufresne 2012/05/28 23:26:30
Antwort löschenMuss mich jetzt echt auch langsam bewegen und schauen wie ich "es" kriegen kann :D
mikkean
über Life in a Day - Ein Tag auf unserer Erde 2012/05/21 23:33:51
Herrlich und wunderbar authentisch dieser Tag im Leben der Youtube-Welt. Reale Menschen lassen uns an ihrem Leben teilhaben. Ihrem Glück, ihrem Leid, ihren Sorgen, ihren Hoffnungen, ihrer Trauer, ihren Talenten ... Vom Milchbauern, vom Halbwaisen, vom Heirats-Antrag, vom Herz-Patienten, ja sogar die damals noch freudigen Feierlaunigen, die zur letzten Loveparade strömten und einen Tag des Grauens durchlebten ... "A Life In A Day" funktioniert deshalb so gut, weil "Archivar" Kevin Macdonald all diese Schicksale so wunderbar verdichtet auf jenen anrührenden Rundflug um die Welt. Ein tolles filmisches Experiment, das ruhig noch zwei Stunden länger gehen könnte. Und in deren Reigen wir uns auch selber gut vorstellen könnten, eben weil hier ganz normale Menschen wie du und ich im Vordergrund stehen. Ich war starr vor lauter Freude, hatte Herzklopfen, krallte meine Nägel in die Couch, konnte nicht mehr aufhören zu lachen, war bedrückt und musste mir mehr als eine Träne verkneifen, nickte anerkennend mit. Kurzum: Die Welt in einem Atemzug kann so schön sein. Und ein bisschen traurig.
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mikkean
über Die innere Schönheit des Universums 2012/05/21 23:17:47
Was für ein wundervoller Titel und welch feiner Umstand, dass dieser kleine schwedische Film ihn mit einer wenig glamourösen Realität konfrontiert. Aus dem schwedischen Sozial-Bau zu entfliehen kann ein äußerst steiniger Weg sein. Für Katarina bedeutet ihr Leben vor allem die Launen der alkoholkranken Mutter zu überstehen. Oder sich immer mehr unwohl in den Armen ihres Freunds zu fühlen. Ja, Katarinas Leben scheint bedrohlich vorgezeichnet, bis sie etwas entdeckt. Sich ihr eine völlige neue Welt offenbart, dank Mozart. Die Musik zieht Katarina in ihren anfangs fremdartigen Bann. Und zeigt ihr schon bald eine neue Bestimmung, ein Job in der Oper. Hier fühlt sich Katarina richtig wohl, genießt den Erfolg, einfach ausbrechen zu können von den Problemen. Ja, sogar ein feuriger Flirt ist drin. Da funkt es doch sofort zwischen ihr und dem Dirigenten Adam. Wenn damit doch nur schon die ganze Geschichte erzählt wäre. Leider nein, denn "Die Innere Schönheit Des Universums" eröffnet für seine Protagonistin erst eine Art Himmelreich und wirft sie dann gnadenlos zu Boden. - Dramen können so einfach und unprätentiös erzählt werden. Dieses hier ist irgendwie typisch skandinavisch kühl und passt damit bestens zum stillen Aufbruch, den Katarina verfolgt. Und genau so trist und kühl das Umfeld, dem Katarina zu entfliehen versucht. Umso schöner, dass "Die Innere Schönheit Des Universums" sich nie aufs bedrohlich seichte Melodram-Niveau begibt und ein kleines Stückchen realen Lebens aufbereitet. Für einen leisen Film, der nicht übertreibt, nichts beschönigt ein tolles Erlebnis. Auch dank der tollen Haupt-Darstellerin Alicia Vikander. Wenn jetzt nur endlich unsere Öffentlich Rechtlichen von ihrem gebühren-finanzierten Euro-Krimi-Trip runterkommen könnten und mehr solche Perlen ins Programm holen würden.
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crab1973 2012/05/22 10:59:32
Antwort löschenDas ist einer der schönsten deutschen Titel, die ich je gehört habe und da ich sowieso eine schwäche für skandivanische Dramen habe (diese leisen, kleinen Filme mit so großen Gefühlen) ist der gleich vorgemerkt. Danke und toller Kommentar. :)
mikkean 2012/05/22 12:36:46
Antwort löschenDanke, danke :)
mikkean
über Bananaz 2012/05/21 22:33:25
Wer sind eigentlich diese Gorillaz? Wo kommen die nur her, warum sind sie so merkwürdig verschroben und warum hat man eigentlich bei Damon Albarn immer ein bisschen das Gefühl, wenn er über die Motivation dieses Projekts spricht, habe das was mit Raketen-Technik zu tun? Für jeden, der dieser doch recht interessanten "Band" viel Zuneigung entgegnet, ist "Bananaz" das filmische Äquivalent zur niedergeschriebene Historie. Sonst nur nachzulesen ist doch langweilig, weshalb die recht abwechslungsreiche Doku die Schöpfer Damon Albarn und Jamie Hewlett bei den ersten wichtigen Schritten bis zum Durchstarten der Gorillaz begleitet. Dabei pendelt der Film, dank über-authentischem Zoom-Blick, zwischen Meetings, Behind-the-Scenes und Konzert-Roadmovie. Da haut man sich fast die Köpfe ein, bevor das schräg-animierte Pop-Ensemble überhaupt ein Video aufgenommen oder ein ganzes Album am Start hat. "Bananaz" klebt mit körniger Optik immer nah am Geschehen, selbst wenn Albarn sich hinter der Bühne übergibt. Gestattet aber auch einen recht ungefilterten Einblick ins Band-Geschehen, die Schöpfung und Übertragung ins reale Leben - sprich: Bühnen-Technik, Videodrehs. Erinnert so ein wenig an "Some Kind Of Monster", auch wenn es viele freuen wird, eben ohne Gruppen-Therapie. Fast nur rein auf die Musik gerichtet, aber auch mal etwas zu verquatscht. Denn reden können und wollen Albarn und Hewlett viel über die Hintergründe dieses Projekts. Was soll's, denn gleichzeitig springt der Film auch schön schnell durch mehrere Jahre "Band-Geschichte" und zeichnet den Weg vom ersten bis zum bislang letzten Album Plastic Beach nach. Inklusive Dennis Hopper, der bei Demon Days einen Gast-Auftritt absolvierte. Wie gesagt, "Bananaz" ist abwechslungsreich, wie eben die Gorillaz selbst, denn bei knapp unter neunzig Minuten artet der Film nicht aus zur großen Gebrauchs-Anleitung dieses virtuellen Pop-Gesamt-Spektakels. Auch wenn es wahrscheinlich eher Schon-Fans ansprechen dürfte.
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mikkean
über The Children 2012/05/21 21:06:05
"Meine Damen und Herren, machen Sie sich auf unser heutiges Tages-Angebot gefasst: Horror-Weihnachtsferien im Kreise Ihrer Liebsten. Fahren zum Jahres-Wechsel doch auf den abgelegenen, schwer erreichbaren Sitz Ihrer Angehörigen und erleben Sie hautnah, wie sich Ihre Kleinsten von unausstehlichen, bockigen Mist-Teufeln zu einer mörderischen Höllenbrut wandeln. Jene Art von Horror-Plagegeistern, die Ihnen, ja genau, Ihnen, mit einem Lächeln nach dem Leben trachten. In unserem besonderen Reise-Paket sind Thrill und Suspense ebenso inbegriffen wie einige feine Splatter-Einlagen - Stichwort: aufgespießte undankbare kleine Scheißer - und der vermeintlich untätige Notruf, der scheinbar ewig braucht, bis er ankommt. Lassen Sie sich dieses besondere Familien-Ambiente nicht entgehen und lösen Sie noch heute Ihr Ticket."
Lange hab ich gebraucht, bis ich endlich mal "The Children" genießen konnte. Einige Stimmen sprachen von einem gelungenen Grusler im Geiste von "Das Dorf Der Verdammten" oder beschworen sogar "Ein Kind Zu Töten" herauf. So viel sei verraten, auch hier müssen sich die Erwachsenen, gemeinerweise ruppig mit dem Dilemma anfreunden, die eigene Nachkommenschaft zu dezimieren. Geht aber auch nicht anders, denn der geplante Familien-Feiertagsurlaub der Schwestern Elaine und Chloe nimmt eine ganz schön fiese Wendung. Erst verhalten sich die Kinder komisch ängstlich, wollen nicht so recht zusammen spielen, dann spucken sie Blut, Husten und bald darauf wird der Haus-Kater vermisst. Und die kleinen Strolche hecken schöne neue Spiele aus, bei denen sie die Erwachsenen zum Aderlass bieten. Das alles funktioniert bei "The Children" relativ gut, wenn auch nicht ganz neu. Der Alptraum im, bereits erwähnten, abgelegenen Grundstück entfaltet sich nach etwas zäher Einführungs-Phase ein wenig klaustrophobisch, dann rasant nach Anlauf und hält moderaten Grusel-Faktor bereit. Es erscheint beinahe wie der bewusste Gegen-Entwurf der Zombie-Epidemien aus "28 Days und Weeks Later", der "Unsere-Kinder-Müssen-Infiziert-Sein"-Schocker, der sich gefühlte Welten fernab der zivilisierten Ordnung abspielt. Da erscheint es auch nicht gerade schädlich, dass einiges an den eingeführten Figuren etwas zu steril, platt und schon mal gesehen rüberkommt. Denn einige dieser Leute sterben eh bald oder ihre Züge, wie rebellisches Punk-Teenie-Töchterchen sind für die Spannungs-Kurve unerheblich. Was Regisseur Tom Shankland sowieso am besten gelingt, sind die eisig frostige Atmosphäre, in der vor allem den kleinen, teilweise süßen Kindern schnell jegliche positive Emotion und Eigenschaft flöten geht. Und diese schnellen, rauen Momente, in denen existenzielle Nöte wie Selbst-Erhaltung und Mord am eigenen Fleisch und Blut gelöst werden müssen. Natürlich fies und manchmal a bissle gory, wobei das deutsche Etikett ab 18 wohl hauptsächlich der Thematik geschuldet war, als denn der tatsächlich gezeigten Gewalt. Als aufgepeppten Nachfahren der alten Hammer-Schule, wo ja auch gern abgelegene Herren-Häuser oder dörfliche Gemeinschaften vom Horror heimgesucht wurden, weiß "The Children" den geneigten Zuschauer durchaus zu begeistern. Allerdings muss ich auch etwas SPOILERN, ALSO HIER NICHT MEHR LESEN:
Andererseits erscheint der Film leider auch, nach seinem relativ langatmigen Einstieg als gutes Mittel-Stück eines Schockers, bei dem einfach noch was fehlt. Vielleicht so was wie eine, wenigstens angedeutete Erklärung, Ursache. Ganz zum Schluss möchte "The Children" mit einem wohl selbst-erklärenden Bild auf das Ausmaß der Katastrophe hinweisen. Gelingt ihm aber nur bedingt, denn dann bäumt sich noch diese unnötige Ungewissheit auf, ob es eben nur Kinder oder auch ältere Menschen befallen könnte. Genau hier hätte sich doch ein packender Weg finden können, "The Children" zum Schluss einen echten Kick zu verpassen und nach gleich nach einer Fortsetzung zu schreien.
So bleibt der Film auch spürbar hinter den Möglichkeiten seines Stoffes zurück und verbaut sich einiges an Plot-Ideen. Als reine Schocker-Episode im Familien-Kreis muss ich auch sagen, dürfte der Film eben nicht bei jedem genug Eindruck hinterlassen. Außerdem kommt er an die Wucht der vermeintlichen Vorbilder nur in einigen Momenten heran. Was ihm aber eher zu einem vermeintlich verwässerten Schocker macht, der immer wieder Funken versprüht.
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horro 2012/05/21 22:49:28
Antwort löschenWunderbar ausführlich und absolut treffend - ging mir ziemlich genau gleich, auch wenn ich nicht die Ausdauer hatte hier alles so detailliert zu beschreiben :)
mikkean 2012/05/21 23:18:47
Antwort löschenDanke, ich bin wohl grad wieder im Schreibmodus ;-)
mikkean
über Unsere Ozeane 2012/05/21 15:20:10
Die Franzosen bannen eben doch die besten Natur-Einblicke auf Film. Magisch, manchmal durch ein paar Off-Kommentare gestört. Rein subjektiv gesehen natürlich. Für mich könnte so eine Doku auch nur eine Einleitung und eine Schluss-Rede beinhalten. Subjektiv gesehen. Aber der Rest ist ein fantastischer Einblick alter Schule in eine Welt, die uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt/bleiben muss.
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mikkean
über Das Baby mit dem Goldzahn 2012/05/21 15:13:32
Oh je, Badesalz!!! Was habt ihr euch nur dabei gedacht? Ihr zählt für mich zu den lustigsten Spaßmachern der Republik, ehrlich. Bei "Das Baby Mit Dem Goldzahn" entzieht ihr euch den Repressalien der deutschen Comedy-Foltermülle, aber zu welchem Preis? Otto dreht für viel Geld stinkenden Müll, ihr dreht einfach am Rande des No Budgets. Was dem trashigen Märchen einer schlagerlosen im Welt im Würgegriff des Deppen-Rocks eine merkwürdige Note verleiht. Andauernd die selben Gesichter in anderen Rollen, komische Sets am Bauernhof und im Burg-Ambiente. Dabei ist die Erzählung so blöd wie teilweise genial. Irgendwie Badesalz eben, aber in den schlimmsten Momenten auf keinen Fall vergleichbar mit ihren großen Hörspiel-Errungenschaften oder den stärksten "Abbuzze"-Gags. Mit mehr Geld hätte es vielleicht der große Wurf werden können. So erscheint die, eigentlich recht doll veräppelnde, Märchen-Persiflage leider nur bedingt zauberhaft.
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mikkean
über Roman Polanski: Wanted and Desired 2012/05/21 15:01:08
Roman Polanski: gefeierter Erfolgs-Regisseur, Genie der Erzähl-Kunst. Und verurteilter Sexual-Straftäter wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen.
Gern genutzte Dämonen-Fratze des ewigen Wüstlings, hässliches Aushängeschild der Ewig-Flüchtigen. Das berühmteste aller feigen Schweine, das sich der Straf-Verfolgung durch Staats-Flucht entzogen hat.
"Roman Polanksi: Wanted And Desired", ein Greenwashing-Porträt? Der schändliche Versuch der Revision? Mitnichten.
Über Roman Polanski ist derart viel geschrieben worden, dass einem schwer fällt, einen klaren, unbeschmutzten Blick auf das schändlichste Kapitel seiner Vita zu werfen. Jener Prozess, jene Anschuldigung und ihr Ausgang, der seither immer als Schatten übers Polanskis Schaffen liegt. Und während ich irgendwie belustigt auf die Banner-Werbung für "Der Gott Des Gemetzels" blicke, kommt mir in den Sinn, wie zwiespältig dieser Mensch doch ist. Und wie viel davon eigentlich auf die Projektion von außen zurückzuführen ist.
Roman Polanski hat ein Verbrechen begangen. Fakt. Er hatte Sex mit einer Minderjährigen, das ist gegen das Gesetz. Punkt. Daran ist nicht zu rütteln, und ich kann Herrn Polanski hier nicht reinwaschen. Er hat es getan und genau hier setzt diese außerordentlich penible Doku an. "Roman Polanksi: Wanted And Desired" überrascht mich vor allem deshalb, weil er meine nachgeborene Sicht auf den Wirbel von damals zurechtrückt. Immer wieder wurde mir eingeredet, Polanski sei ein reicher Drecksack. Ein schmieriger Künstler, der sich mit Geld aus der Affäre ziehen wollte und letztlich vor der Rechts-Sprechung durch Ausreise drückte. Immer wieder profitiert sich ein/e amerikanische/r Staats-Diener/in durch Droh-Gebärden gegen diesen Fatzke, der bloß einen Fuss auf US-Boden setzen soll. Und wer kennt nicht dieses medien-wirksame Fest-Setzen Polanski's samt Hausarrest, mit dem dieser Fall vor nicht allzu langer Zeit ins öffentliche Bewusstsein zurück gezehrt wurde.
Was "Roman Polanksi: Wanted And Desired" allerdings mehr als deutlich nachzeichnet, ist der fast vergessene/totgeschwiegene Umstand, dass Roman Polanski für sein Vergehen eigentlich rechtskräftig verurteilt wurde. Und dass er bereits das damals angesetzte Strafmaß absaß. Dass er das ebenfalls interviewte Opfer nicht wie in einer schmierig-brutalen Rape-Sequenz überwältigte und entjungferte. NOCHMALS: ICH WILL NICHTS VERKLÄREN UND VERTEIDIGEN, KLEINREDEN ODER SONSTIGES. Es war Alkohol und Seduktion im Spiel. Aber in meinen Augen reicht es dennoch nicht ganz zum Polanksi-Sinnbild des hässlichen Vergewaltigers. So sei noch erwähnt, dass das Opfer zum Zeitpunkt des Geschehens bereits sexuell und drogentechnisch erfahren war.
Und überhaupt, "Roman Polanksi: Wanted And Desired" zeichnet ziemlich verblüffend und irgendwie erschreckend den Verlauf dieses großen Prozesses nach. Wer hätte gedacht, dass der Richter ein egozentrischer Arsch war, der sich mit Medien- und Starrummel rühmte. Für ihn waren Schuldspruch und Verurteilung eher eine Frage des Prestige. Denn im Verlauf des Films wird klar, dass sich Anklage und Verteidigung schon einig waren. Dass ein vernünftiges Maß fürs Opfer und den Schuldigen Polanski gefunden wurde/werden sollte. Und wie dann dieser Mann in der Robe seine Amtsgewalt unverständlich nutzte, um den Regisseur medienwirksam klein zu machen. ICH SAGE NOCHMALS: Für das Getane habe ich kein rechtes Verständnis. Doch: Ich kann wiederum verstehen, warum Roman Polanski letzten Endes aus den Vereinigten Staaten floh.
Und ich bin mir sicher, dass "Roman Polanksi: Wanted And Desired" durch die teilweise minutiöse Aufarbeitung der Geschehnisse, des Prozesses und den Interviews mit Beteiligten und Amts-Nachfolgern ein abgerundetes, aber auch beängstigendes Bild der amerikanischen Rechts-Sprechung bietet. Und nebenbei ein auch einen guten Überblick über das Leben und Schaffen Roman Polanski's. Diese starke Doku beschönigt nichts, verurteilt niemanden oder erteilt Absolution. Aber sie nimmt sich Zeit, einen eigentlich zur unverschämten Schmutzwäsche und Verfolgung verkommenden Prozess ins rechte objektive Licht zu rücken.
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mikkean
über Red Cliff 2012/05/21 14:24:06
John Woo hat wieder Appetit, Hunger nach Großem. Lust, einfach mal wieder zu zeigen, dass er noch passionierter Filme-Macher ist. Dass Hollywood den einst so gelobten Action-Papst nicht kleingekriegt hat und dass sein Kreativ-Zentrum nicht drainiert werden kann. Wäre ja noch schöner. Mit "Red Cliff" realisierte Woo seit Jahren etwas anderes eine moderne Action-Revue. Immerhin inszenierte er ja etliche Jahre vor "A Better Tomorrow" in beinahe jedem Genre mehrere Streifen. "Red Cliff" ist ein opulentes, ausuferndes Mammut-Werk geworden. Die Aufarbeitung einer der legendärsten Schlachten chinesischer Geschichte und da mag es nicht verwundern, dass wir Europäer nur den halben Film zu sehen bekommen. Woo holt nämlich weit aus und sein Schlachten-Gemälde braucht im Original knapp fünf Stunden. Deshalb existiert "Red Cliff" auch eigentlich als Zwei-Teiler, der fürs Ausland zusammengeschnitten wurde. Aber egal, das Cineasten-Herz mag irgendwie bluten, auch wenn ich zugeben muss, als Nicht-Chinese wäre die volle Ladung schwerer zu verdauen gewesen. Worum geht es eigentlich? Vereinfacht gesagt, droht dem alten China im Jahre 208 die Übernahme durch einen Despoten. Cao Cao ist sein Name, als Premier ist er der heimliche Strippen-Zieher hinterm jungen Kaiser. Als Feldherr überrollt Cao Cao alles und jeden, denn er will die restlichen Reiche einnehmen. Deren Herrscher Liu Bei und Sun Quan lassen sich schließlich ihrerseits von der Sinnigkeit eines Bündnisses überzeugen. Am titelgebenden Red Cliff werden so die Weichen zur großen finalen Auseinander-Setzung gestellt. Keine Panik, es gibt noch mehr Aspekte und wen eine große Anzahl von Protagonisten abschreckt, kann durchatmen. "Red Cliff" hält seine Besetzung, in dieser Fassung, in Grenzen. Es gibt eine überschaubare Anzahl wichtiger Figuren und diese werden auch sehr gut eingeführt und teilweise erläutert. Ein Zug, der, per Nachbearbeitung, aber auch durch Woo's Talent als Erzähler, dem Zuschauer bestens ins Geschehen einführt. Und vor allem, dort verweilen lässt. Denn "Red Cliff" verzichtet zwar größtenteils auf die Martial Arts-Züge, die bei vorangegangenen Hits wie "Hero" und "Tiger And Dragon" den physikalischen Gesetzen und der Natur trotzen. Trotzdem umgibt auch ihn dieses Flair von Historie meets Mystik, einerseits realistische Schlachten, dafür aber auch Charaktere und Natur-Panoramen, die mit ihrem Auftreten an Opern- und Märchen-Erzählungen erinnern. Und uns westliche Zuschauer schmerzlich daran erinnern, dass unser Geschichten-Radius zuletzt viel zu lange von Robin Hoods und Legionärs- oder Gladiatoren-Mätzchen beherrscht wurde. "Red Cliff" jedenfalls versprüht in jeder Minute das Selbst-Bewusstsein eines großen Epos. Sein es nun die ausufernden Schlachten zu Wasser oder an Land, oder die ebenso ruhigen Momente, in denen die Beteiligten ruhen und über den nächsten Schachzug sinnieren. Denn auch dies ist eine weitere bemerkenswerte Stärke von "Red Cliff." Woo macht es sich nicht so einfach, ein paar riesige Kriegs-Sequenzen mit belanglosem Kostüm-Kitsch zu verbinden. Er verleiht dem ganzen eine spannende Note, indem er sich neben dem eigentlichen Kampf auf dessen Planung konzentriert. So wird "Red Cliff" zu einer echten Lektion in Sachen Kriegs-Kunst. Nie zu verkopft, nie zu trocken, nein, teilweise sogar gewitzt und ziemlich überraschend. Und wir dachten schon, John Woo fiele außer doppelter Knarren-Bewaffnung und Slo-Mo nichts mehr ein. Falsch gedacht. Man muss sie eben nur machen lassen. So setzt Woo seinem schon beispiellosen Œuvre eine beachtliche Krone auf. Was sind da schon zweieinhalb Stunden Laufzeit, mir sind sie jedenfalls kaum aufgefallen. Früher hat John Woo mit Knarren statt Kung-Fu kämpfen lassen, jetzt hat er Kehrt gemacht und einfach mal so den historischen Schlachten-Film revitalisiert. Echt beeindruckend, was kommt wohl als nächstes?
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mikkean
über Legion 2012/05/21 13:37:31
It's Apocalypse now, Dreckssau!!! Gott hasst plötzlich alles und jeden, jedenfalls uns mickrige Menschlein. Weshalb ihm nach jahrhundertlangem Irrsinn, Kriegen und sonstigem irdischen Bullshit plötzlich einfällt, uns vom Angesicht der Erde zu fegen. Und dabei lässt er seine Engels-Scharen auch einfach in uns Willensschwache fahren, damit es keine ach so teuren Endzeit-Schlachten- und Effekte in diesem leider ganz und gar nicht effektiven B-Movie gibt. Mit einem äußerst bescheidenen Budget lässt sich nunmal kein biblisches Epos schaffen, das weiß auch FX-Mann und Regie-Debütant Scott Stewart. Aus diesem Grund verlegt er sein Armageddon in ein schäbiges Wüsten-Diner, um das sich eben die Massen an Besessenen und Engels-Krieger versammeln. Ist es doch ausgerechnet die undankbare Arbeits-Stelle der nächsten Kellnerin-Maria. Wie das Leben so spielt. Wer jetzt schon die Augen rollt, sei gewarnt, "Legion" ist alles andere als ein überzeugender End-of-Days-Actioner. Der Fantasie-Anteil reicht gerade mal zu einer, knapp an der Lächerlichkeit vorbei schrammenden, Engels-Erscheinung (Gabriel erinnert mich an die alten He-Man-Actionfiguren!) und ein paar halbwegs gut realisierten Creature Effects. Hier fährt der Film mit dem gefallenen Engel Paul Bettany und Del Toro-Lieblings-Monster-Darsteller Doug Jones seine größten Stärken auf. Und verheizt im Gegenzug einige bekannte Gesichter wie Dennis Quaid derart undankbar, dass es eine echte Schande ist. Wenn es eben nicht grad Plagen und Monster regnet, begeben sich die schlicht gestalteten Figuren in einen nervigen Therapie-Modus und sondern ihre verkorksten Lebens-Beichten und Ansichten ins Leere ab. Nur um wenig später äußerst ungelenk aus dem Leben geschrieben zu werden, denn "Legion" hält auch hier das zu erwartende Zehn-Kleine-Jägermeister-Spiel parat. Wenngleich um ein vieles schlechter und überraschungsärmer. Im Großen und Ganzen vermag es "Legion" einfach nicht, uns einen guten Grund zur Wiederholung zu geben. Der mystische, religiöse Aspekt ist derart ausgelutscht und zweitrangig, dass er wahrscheinlich nicht mal fundamentalistische Christen auf die Barrikaden bringen kann. Und zweitens, klaut der Film ungeniert bei besseren Vorbildern, allen voran den ersten beiden "Terminator"-Filmen. Siehe den final shot, bei dem jetzt nur noch die Wolken gefehlt hätten. Von den Wumms-Einlagen bei der letzten Schlacht ganz zu Schweigen. So wird dieses auf Spar-Flamme gedrehte und gespielte Filmchen zu einem lächerlichen Versuch, dem ersten und besten "God's Army" zu folgen. Dieser hat nicht ohne Grund ziemlich hohe Wellen geschlagen. An dieser Stelle kann ich nur jedem empfehlen, der es noch nicht getan hat, dies schnellstens nachzuholen. Denn "Legion" scheitert letztlich daran, all das zeigen zu wollen, was diese feine Indie-Produktion anno 1994 aussparen musste. Was ironischerweise nicht zu Größe sondern bedeutungsnaher Mickrigkeit führt. Es ist eben noch nicht aller Endzeit-Tage Abend.
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MovieMonster 2012/05/21 16:17:48
Antwort löschenAh, hast ihn also doch geguckt. :D
Und, wie fandest du die Szene mit der Oma?
mikkean 2012/05/21 20:05:34
Antwort löschenTatsächlich ganz gut, der restliche Film hinkte dieser Szene aber irgendwie hinterher :(
MovieMonster 2012/05/21 20:52:33
Antwort löschenJa, leider. Für mich war der Streifen auch nur ein Lückenfüller für zwischendurch... einmal ansehen reicht auch völlig aus.
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brigerbaerger 2012/05/21 20:53:30
Antwort löschenToller Kommentar! Hab den (noch) nicht gesehen - wie die "God's Army"-Streifen übrigens auch (noch) nicht, werde dies aber aufgrund deines Kommentars alles so schnell wie möglich nachholen. Hoffentlich lande ich für meine Versäumnisse nicht vorher in der Hölle...
mikkean 2012/05/21 21:07:32
Antwort löschenAch was!!! Danke dir und halte einfach mal Ausschau, "God's Army" versteckt sich immer wieder gern im Programm. Kommt bestimmt bald wieder :)
mikkean
Kommentare 2012/05/21 13:09:07
Ich hoffe, diese Zusammenkunft verläuft im Sande ...
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