10 Dinge, die ich an dir hasse ist eine Legende und wir verdienen mehr davon

10 Dinge, die ich an dir hasse
© Touchstone/Buena Vista
10 Dinge, die ich an dir hasse
Moviepilot Team
sciencefiction Andrea Wöger
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Senior Redakteurin bei Moviepilot. Taucht am liebsten mit Science Fiction Double Features in andere Welten und Zeiten. Mag das Queere, Fantastische, Abseitige und könnte die Finger auch nicht von der Lachsschaumspeise lassen.

"In dieser Gesellschaft kann man es zu Ruhm bringen, vorausgesetzt man ist ein Arschloch und ein Mann", wechselt sich in 10 Dinge, die ich an Dir hasse ab mit, "Wer hat deine Schwester angebumst?" Die vielleicht progressivste Mainstream-Romanze im Highschool-Setting wird heute 20 Jahre alt. Und während Netflix mit Sex Education in vielerlei Hinsicht endlich einen Klon im Geiste des Kultfilms geschaffen hat, wollen wir angepisste Heldinnen und sanfte Jungs auch endlich wieder im Kino sehen.

Kat Stratford ist die Anti-Heldin, die wir brauchen

90er Jahre-Kinder wuchsen mit den Spice Girls und Tic Tac Toe auf. Es war cool, rotzig und unangepasst zu sein - sogar als Mädchen. "Girl Power" wurde in Schulbänke geritzt und "Ich find' dich Scheiße" im Schulbus voll aufgedreht. Und dann kam Kat Stratford in Form der energischen Julia Stiles in 10 Dinge, die ich an dir hasse. Das perfekte Vorbild für alle Teenager, die die Schnauze voll hatten (also alle).

Wie auch bei Natürlich blond!, dem Folgefilm der beiden 10 Dinge-Autorinnen Karen McCullah Lutz und Kirsten Smith, steht eine junge Frau im Mittelpunkt, die für ihr Auftreten und ihre Unangepasstheit belächelt wird. Es sind aber keine Figuren, die plötzlich interessant werden, weil sie ihre Brille abnehmen (ja, ich meine dich, Eine wie keine), Superkräfte bekommen oder Einsicht zeigen. Stattdessen verändern die Figuren ihr Umfeld, indem sie ihr Ding durchziehen.

Könnt ihr mir eine andere Kino-Heldin in einem Mainstream-Film nennen, die sich bewusst dazu entscheidet, nur ihren eigene Erwartungen gerecht zu werden, die Bikini Kill hört, Simone de Beauvoir und Sylvia Plath liest und dabei eine ziemlich coole Socke ist? Diese Frauen gibt es im echten Leben nämlich zuhauf. (Wenn ja, bitte sagt es mir wirklich, ich muss diesen Film sehen.) Kat entspricht aber nicht im Geringsten unseren Sehgewohnheiten - weder damals noch 20 Jahre später.

Wir verdienen mehr Filme wie 10 Dinge, die ich an dir hasse

Das wunderbare an Kat ist nicht ihre ablehnende Attitüde, sondern dass sie laut ist und Fehler haben darf. Wie alle anderen im Film ist sie zu Beginn ein wandelnder Stereotyp, der nach und nach zerlegt wird. Es gibt den heißen Bad Boy, den schüchternen Neuen, den lächerlichen Nerd, die oberflächliche Beliebte, das dumme Model, die wütende Feministin. Sie sind alle bloß Teenager, die ihren Platz in der Welt suchen. Vom überbeschützenden Vater und der dauererregten Lehrerin ganz zu schweigen.

Mit einem Budget von 30 Millionen US-Dollar und weltweiten Einnahmen von knapp mehr als 50 Millionen, war 10 Dinge die ich an dir hasse kein Reißer an den Kinokassen. Und doch kennen und lieben heute alle 90er-Kinder und mit Sicherheit auch zahlreiche andere Generationen diesen Kultfilm, der seiner Zeit voraus war und in vielerlei Hinsicht perfekt in eine Serie wie Sex Education eingegliedert werden könnte.

Kats großartiger Lehrer des Literaturkurses zum Beispiel, Mr. Morgan, der in Kats Feminismus nur die nervigen Bemerkungen eines weißen privilegierten Mädchens sieht: "Ich weiß, wie schwierig das für dich sein muss, all diese Jahre der Unterdrückung in einem schmucken Vorort zu überstehen. Muss verdammt hart sein", und nebenbei die beiden weißen Jungs im Rastafari-Look für kulturelle Aneignung abstraft und sich darüber echauffiert, dass er laut dem Stundenplan nur Bücher von Weißen unterrichten kann.

Heath Ledger und Julia Stiles sind ein Paar für die Ewigkeit

10 Dinge, die ich an dir hasse basiert übrigens auf William Shakespeares (noch so ein weißer Autor, zu dem Mr. Morgan eine klare Meinung hat) frauenfeindlichem Stück Der Widerspenstigen Zähmung. Umso beeindruckender ist, wie es die Modernisierung schafft, einer ganzen Generation eine einzigartige, wütende Teenagerin als Vorbild zu geben, während die schönste, unangepasste Liebesgeschichte der 90er erzählt wird. Außerdem: Alle haben sich bei seiner ersten Kino-Hauptrolle ausnahmslos in Heath Ledger verknallt. Ich will mehr von dieser Sorte Kinofilm.

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