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Bitterböse Geheimnisse in Truffauts Die süße Haut

Die süße Haut
© Kinowelt
Die süße Haut

"Eine Liebe, geboren aus dem Zufall. Zwei Blicke treffen sich und dann...", so lautet eine Beschreibung für François Truffauts Die süße Haut. Diese zwei Wörter "und dann" könnten vieles bedeuten. Sie könnten den Anfang einer romantischen Beziehung markieren oder aber eine böse Vorahnung geben, dass diese aus dem Zufall entstandene Liebe lieber nicht hätte sein sollen. Letztere Variante wird in diesem nicht ganz unumstrittenen Melodram porträtiert. 

Pierre Lachenay (Jean Desailly) ist ein renommierter Literaturkritiker und Wissenschaftler. Seit 14 Jahren ist er glücklich verheiratet mit seiner stil- und selbstbewussten Frau Franca (Nelly Benedetti), die ihm auch eine reizende Tochter schenkte. Bei einer seiner vielen Geschäftsreisen wird er in dem Flugzeug nach Lissabon auf die mädchenhafte Stewardess Nicole (Françoise Dorléac) aufmerksam. Nach seinem Vortrag trifft er im Hotel erneut auf die schöne Stewardess und bändelt mir ihr an. Die gemeinsam verbrachte Liebesnacht hinterlässt Spuren, denn auch nach seiner Rückkehr nach Paris und zu seiner Familie, will ihm die 21Jahre jüngere Nicole nicht mehr aus dem Kopf gehen. Er beschließt sie anzurufen und ein weiteres Treffen zu arrangieren. Aus einem Treffen werden mehrere, bis Pierre schließlich eine erneute Geschäftsreise nach Reims plant, um ein paar Tage mit Nicole allein sein zu können. Doch die Geschäftsreise verläuft nicht reibungslos und langsam dämmert es Nicole, was ihr Status als Geliebte für emotionale Konsequenzen hat. Auch Franca wird misstrauisch und wittert Betrug seitens des Ehemannes. Schließlich drohen die Konflikte, die anfängliche Liebes-Euphorie zu durchkreuzen und das katastrophale Ende kristallisiert sich immer mehr heraus. Doch wer behält seine Würde in dieser Ménage-à-trois? 

Obwohl Die süße Haut 1964 beim Filmfestival in Cannes lief, konnte der Film aufgrund seiner für Truffaut ungewöhnlich konventionellen und biederen Machart die Kritiker kaum überzeugen. Einzig Regie-Kollege Stanley Kubrick verteidigte den Film in der Öffentlichkeit. Trotz dieser Kritik ist Truffaut, der zuvor mit Sie küßten und sie schlugen ihn, Schießen Sie auf den Pianisten und Jules und Jim Erfolge feierte, mit Die süße Haut ein unterhaltsamer Film gelungen, der nicht einzig und allein ein weiteres Liebesdrama, sondern auch ein geradliniger Kriminalfilm in ansehnlichen Schwarz-Weiß-Bildern geworden ist. 

  • Was? Die süße Haut
  • Wann? 20:15 Uhr
  • Wo? arte

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