Black Summer: Netflix' The Walking Dead-Klon ist ein hirnloses Binge-Vergnügen

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wieselmax Max Wieseler
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Junior Redakteur bei Moviepilot. Mag die großen Gefühle und schreibt daher am liebsten über Horror. Bekennt sich zu seiner Seriensucht.

Nach dem Erfolg der koreanischen Zombieschlacht Kingdom ist mit Black Summer nun die zweite Zombieserie von Netflix verfügbar. Mit ernstem Ton und einer wilden Inszenierung werden wir an den chaotischen Beginn der Zombie-Apokalpyse verfrachtet. So wirkt Black Summer auf den ersten Blick wie ein weiteres Fear the Walking Dead. Auch hier haben wir es mit einem Spin-off zu tun, das mit dem Original - in diesem Fall Z Nation - rein gar nichts gemein hat. Trotz einiger Mängel macht Black Summer aber reichlich Spaß.

Neu auf Netflix: Nichts Originelles im Zombie-Genre

Die Handlung von Black Summer wurde vermutlich auf einer Serviette geschrieben. Eine Gruppe von Menschen reist von Punkt A zu Punkt B bzw. von einer Vorstadtsiedlung zu einem Sicherheit versprechenden Stadion. Einen nennenswerten Plot gibt es darüber hinaus nicht. Wir begleiten schlicht verschiedene Figuren durch Szenarien, die schon zahllose andere Zombie-Geschichten geschildert haben.

Die einzelnen Folgen widmen sich meist einem bestimmten Szenario. Ob Mad Max-Verfolgungsjagd, eine Schule voller Psycho-Kinder oder Eskalation im Drogenlabor: In jeder Folge gibt es zwar Neues, aber nichts Originelles. Beispielsweise schmiedet eine Gruppe fast 40 Minuten lang einen Plan, um zwei Zombies vor einem Diner zu beseitigen.

Eine weitere Folge lang streift ein Überlebender wortlos durch die leere Vorstadt, ständig auf der Flucht vor einem einzelnen Zombie. Ein ähnliches Szenario gab es bereits in Fear the Walking Dead, nur spannender inszeniert. Das größte Manko an Black Summer sind jedoch die Figuren.

Die Figuren sind belangloses Zombie-Futter

In Bezug auf die Charaktere ist Black Summer der krasse Gegenentwurf zu The Walking Dead. Während in letztgenannter Serie teilweise fast schon zu viel Wert auf Charakterentwicklung und Dialoge gelegt wird, ist eine Figurenzeichnung in Black Summer nahezu nicht existent. Rose (Jaime King), eine Mutter auf der Suche nach ihrer Tochter, scheint zu Beginn die Protagonistin zu werden.

Doch schnell wird klar, dass sie nur eine Figur von vielen ist. Neue Charaktere erscheinen ständig, verhalten sich dämlich, sterben und werden schnell wieder vergessen. Ihr Tod könnte uns nicht gleichgültiger sein und ihr könnt euch glücklich schätzen, wenn ihr auch nur den Namen einer Person behalten könnt.

Beispielhaft für die Ignoranz gegenüber den Figuren ist die Koreanerin Kyung-son. In einer Episode erzählt sie tränenüberströmt ihre Geschichte. Das Problem: Sie spricht nur koreanisch und niemand, auch nicht wir, verstehen auch nur ein Wort. Und damit gehört sie schon zu den interessantesten Charakteren. Aber nicht alles ist schlecht in Black Summer.

Black Summer überzeugt mit Spannung

Die Trash-Schmiede The Asylum ist nicht gerade für ausgefeilte Dialoge und mehrdimensionale Charaktere bekannt. Und dessen sind sich die Macher vollends bewusst. Der Fokus wird auf eine spannende und ungewöhnliche Inszenierung gelegt, die den puren Überlebenskampf einem tiefgründigem Figurendrama vorzieht. Hier überrascht Black Summer tatsächlich als vielleicht bisher beste Asylum-Produktion.

Von Beginn an tritt Black Summer voll aufs Gas. Die zitternde Handkamera klebt sich geradezu an die Figuren, eilt mit ihnen durch die chaotische Apokalypse und lässt uns somit Teil des Geschehens werden. Vor allem die unaufhaltsam schnellen Zombies, die aus Zack Snyders Dawn of the Dead entsprungen sein könnte, sorgen für adrenalingetränkte Hetzjagden.

Als hätte der Kameramann zu oft Children of Men gesehen, werden viele Szenen im Zombie-Chaos durch Plansequenzen, also ohne sichtbaren Schnitt, umgesetzt. Das sorgt nicht nur für einige erstaunliche Momente, sondern auch für eine hektische und klaustrophobische Atmosphäre.

Ein weiteres Stilmittel ist die Unterteilung der Folgen in Kapitel mit jeweiligen Einblendungen. Wir erleben viele Sequenzen fragmentiert aus den Blickwinkeln verschiedener Figuren. Ihre Geschichten driften immer wieder auseinander, nur um später zu kollidieren. In einigen Folgen ist dieser Stil allerdings fehl am Platz und reißt uns aus dem Geschehen.

Black Summer ist perfekt für den schnellen Netflix-Binge

Aller Spannung und sogar ein paar unerwarteten Jumpscares zum Trotz ist das größte Hindernis am Spaß das mickrige Budget. Nicht nur sehen die Zombies im Vergleich zum Maskeneffekt-Meisterwerk The Walking Dead dilettantisch aus, es existieren auch auffällig wenige von ihnen. Einzig im Staffelfinale schockiert Black Summer mit einem wahren Zombiemassaker und Shootout. Dafür dauert besagte Folge auch nur 20 Minuten.

Auch wenn Black Summer keine innovative Serie ist: Ich hatte mächtig Spaß am stumpfen Trash. Wer ein Fan wilder Zombie-Hetzjagden ohne beschwerliches Charakterdrama ist und ohne großes Nachdenken einfach genießen will, der ist bei Black Summer an der richtigen Stelle. Kurzum: Black Summer ist ein hirnloses Binge-Vergnügen für alle, denen The Walking Dead zu anspruchsvoll ist.

Die 1. Staffel von Black Summer umfasst 8 Episoden, die am 11.04.2019 bei Netflix veröffentlicht wurden. Als Grundlage für diesen Seriencheck diente die komplette 1. Staffel.

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