Channel Zero - Wenn euch der Horror den Verstand raubt

Channel Zero
© Syfy
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Moviepilot Team
wieselmax Max Wieseler
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Junior Redakteur bei Moviepilot. Mag die großen Gefühle und schreibt daher am liebsten über Horror. Bekennt sich zu seiner Seriensucht.

Creepypasta, das klingt gleichzeitig lecker und furchterregend. Vor circa acht Jahren erlebten die so benannten Horrorgeschichten über die dunklen Ecken der im Internet verbreiteten urbanen Mythen ihren Höhepunkt der Bekanntheit. Die wohl prominenteste Creepypasta ist die Legende des drahtigen Dämons Slender Man, die als Videospiel Slender: The Eight Pages so einige Nervenzusammenbrüche verursachte und im kommenden Mai als Film in die Kinos kommt. Diesem Internetphänomen der Creepypastas widmet sich die Anthologieserie Channel Zero des Senders Syfy, die die bekannten Gruselgeschichten zum Leben erweckt. Jedoch wird ziemlich schnell klar, dass Channel Zero wie keine andere Gruselserie ist. Warum Channel Zero eine der außergewöhnlichsten und besten Serien des Horrorgenres der vergangenen Jahr ist, wollen wir euch hier näherbringen.

Channel Zero ist eine Horrorserie des US-Senders Syfy und wurde von Drehbuchautor Nick Antosca (The Forest) erdacht. In dem Anthologieformat nimmt sich jede Staffel einer bekannten Horrorlegende des Internets an. So erzählt die 1. Staffel von der unheimlichen Kindersendung Candle Cove und die 2. Staffel von dem mystischen No-End House. Da sich die Ursprünge und Autoren einiger Creepypastas nur schwer zurückverfolgen lassen, können einige beliebte Gruselgeschichten leider nicht ihren Weg in Channel Zero finden. Noch vor Ausstrahlung der 2. Staffel wurde die Serie um zwei weitere Seasons verlängert.

Eine Sendung, die gar nicht existiert

Horror muss nicht immer nur Blut und Gewalt sein. Der Horror von Channel Zero ist kein Haudraufmassaker, sondern kriecht subtil und mit poetischer Gewalt in eure Köpfe, um dort seine surrealen Albträume zu entfalten. Tatsächlich erinnert die bizarre Erzählstruktur ein wenig an David Lynchs Twin Peaks. In der 1. Staffel mit dem Titel Candle Cove steht die gleichnamige Kinderserie im Fokus der Handlung. An die lustigen und unheimlich wirkenden Abenteuer der Puppensendung kann sich Protagonist Mike gut erinnern. Doch leider existiert diese Sendung gar nicht. Warum können sich aber so viele Kinder an die Fernsehserie erinnern und was hat die Sendung mit einer mysteriösen Mordserie zu tun, hinter der eine groteske Kreatur stecken soll, die mit Zähnen überdeckt ist?

So verwirrend wie die Inhaltsbeschreibung von Candle Cove klingt, ist auch die Erzählstruktur der 1. Staffel. Auf zwei Zeitebenen verteilt, erstreckt sich über sechs Episoden ein kurioses Horrormärchen mit verstörenden Bildern. Doch besonders die interessanten Charaktere und ihre Darsteller machen Channel Zero sehenswert. So überrascht die als Harry Potters Tante Petunia bekannte Schauspielerin Fiona Shaw in einer dramatischen und mitreißenden Mutterrolle. Ihre Leistung wird nur noch von Schauspieler John Carroll Lynch in der Folgestaffel getoppt, in der seine Figur mit rätselhaften Urinstinkten zu kämpfen hat.

Ein surrealer Albtraum in sechs Akten

Die 2. Staffel von Channel Zero erzählt eine neue Gruselgeschichte, die an die Creepypasta des No-End House angelehnt ist. Darin betritt eine Gruppe Jugendlicher ein auf unerklärliche Weise auf der Straße erschienenes Haus als Mutprobe. Denn die fünf Räume des Hauses versprechen den Besuchern von Raum zu Raum exponentiell ihren Verstand zu rauben. Bereits zum Ende der ersten Folge scheint die Protagonistin das No-End House verlassen zu haben. Doch dann sitzt plötzlich ihr verstorbener Vater im Wohnzimmer und der Albtraum für Margot und ihre Freunde beginnt so richtig.

Etwas geradliniger aber nicht weniger fesselnd schafft es auch No-End House, zu einem bizarren Mindfuck in sechs Akten zu werden und fühlt sich trotz einer komplett gegensätzlichen Story wie eine Channel Zero-Staffel an. Von Folge zu Folge wird unsere Auffassung von Realität und Wahnsinn auf die Probe gestellt. Denn erneut werden wir in ein unerklärliches Mysterium gesogen, welches mit bizarren Bildern eure geistige Gesundheit in Frage stellt. Die zahlreichen und gezielt gesetzten WTF-Momente sind die große Stärke von Channel Zero.

Channel Zero ist sicher nicht für jeden Horrorfan das Richtige. Freunde von harter Kettensägen-Action werden hier weniger Spaß haben. Auch auf Jumpscares wird in Channel Zero weitestgehend verzichtetet. Sein volles Potential entfaltet Channel Zero in seiner dichten Atmosphäre und der Kreation von unbehaglichem Grauen, das wie ein Virus eure Gedanken infiziert. Wer also für die langsame Erzählweise (trotz der kurzen Laufzeit) Geduld aufbringen kann und sich gerne in eine surreale und mystische Welt entführen lässt, bekommt mit Channel Zero einen poetischen Horror für die Sinne.

In Deutschland wird die 1. Staffel von Channel Zero seit dem 15.01.2018 auf TNT Serie ausgestrahlt. Die 3. Staffel startet bereits am 07.02.2018 in den USA auf Syfy.

Habt ihr Channel Zero schon gesehen?

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