Zum 60. Geburtstag

Chris Columbus: Der Mann, der Harry Potter & Gremlins ins Kino brachte

Chris Columbus
© 20th Century Fox/Collider/Warner
Chris Columbus
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"I read about this guy, gets on the MTA here, dies. Six hours he's riding the subway before anybody notices his corpse doing laps around L.A., people on and off sitting next to him. Nobody notices."

Wohl kaum ein Filmfan ist in seinem bisherigen Leben an Chris Columbus vorbeigekommen. Als Regisseur und Drehbuchautor schuf er mit Werken wie Kevin - Allein zu Haus, Gremlins - Kleine Monster, Die Goonies oder den ersten beiden Harry Potter-Adaptionen für zahlreiche Menschen einige ihrer liebsten Momente, wenn sie sich an prägende Filmerlebnisse zurückerinnern. Neben anderen Filmschaffenden wie Steven Spielberg dürfte Columbus einer der Hauptverantwortlichen dafür sein, dass das Kino der Gegenwart den Blick in den letzten Jahren vermehrt in die Vergangenheit gerichtet hat und auf jenen Nostalgiefaktor abzielt, den Columbus selbst vielzählig hervorgebracht hat. Über die einfallsreichen Geschichten und liebevollen Figuren hinaus sind seine Kreationen meist vor allem konservierte Gefühle, die beim Zuschauer über den Kopf auf ewig ins Herz wandern.

Anlässlich seines heutigen 60. Geburtstags blicken wir auf prägende Momente und unvergessliche Bilder aus der Karriere von Chris Columbus zurück. Ein Künstler, der es auf seine ganz eigene Art versteht, überwiegend kindgerechte Unterhaltung für die ganze Familie immer wieder an den Rand ernster Themen für Erwachsene zu drängen und somit eine unwiderstehliche Schnittstelle zwischen den unterschiedlichen Zuschauergruppen zu bilden.

Der Durchbruch von Chris Columbus mit seinem Drehbuch zu Gremlins

Die filmischen Anfänge von Chris Columbus reichen zur New Yorker Filmschule Tisch School of Arts zurück, wo der Amerikaner nach seinem Schulabschluss ein Studium begann. Da er vergaß, sein Stipendium zu erneuern, war Columbus neben seinem Studium auf Fabrikarbeit angewiesen, die ihn schnell frustrierte. Daher schrieb er während den Schichten heimlich an einem 20-seitigen Drehbuch, das ihm zu seinem ersten Agenten verhalf. Nach seinem Studium landete Columbus bei Steven Spielbergs Produktionsfirma Amblin Entertainment, wo ihm mit seinem Drehbuch zu Gremlins - Kleine Monster der große Durchbruch gelang.

Dabei lässt sich die eigenwillige Mischung aus wohligem Familienfilm, verspielter Fantasy und bizarrer Horror-Komödie unter der Regie von Joe Dante bereits als Blaupause für das unverwechselbare Talent von Chris Columbus anführen. Mit einem festen Regelwerk nähert sich der Drehbuchautor dem Mythos der pelzigen Gremlins, die im Ernstfall zu tödlichen, kleinen Monstern mutieren, und kreiert zunächst einen trügerischen Wohlfühlfilm passend zur Weihnachtszeit. Im weiteren Verlauf, sobald die mutierten Gremlins rauchend, saufend und mordend durch die verschneiten Straßen sowie festtäglich dekorierten Häuser wüten, wird aus dem putzigen Familienspaß jedoch plötzlich ein anarchisches Chaos, in dem das Vergnügen trotzdem nie zu kurz kommt. Ein weihnachtlicher Klassiker, auf den der Drehbuchautor sechs Jahre später direkt den nächsten folgen ließ.

Der ultimative Weihnachtsfilm Kevin - Allein Zu Haus

1990 veröffentlichte Chris Columbus diesmal als Regisseur nach einem Drehbuch von John Hughes den Film, der das Fernsehprogramm zu Weihnachten bis heute jedes Jahr in Beschlag nimmt. Kevin - Allein Zu Haus ist der ultimative Weihnachtsfilm, den die meisten vermutlich teilweise auswendig mitsprechen können und in dem jeder inhaltliche sowie filmische Aspekt mühelos ineinander greift. Im Interview mit Fatherly spricht Columbus darüber, dass es in den meisten seiner Filme immer um Charaktere geht, die alles dafür tun, um zu ihrer Familie zurückzukehren. Im Fall von Kevin - Allein zu Haus sind das die McCallisters, die ihren achtjährigen Sohn Kevin am Morgen nach einem Streit zu Hause vergessen, während die Großfamilie in den Weihnachtsurlaub nach Paris fliegt.

Während Columbus seinen Film mit einem Auftakt beginnt, der die amerikanische Weihnachtsmentalität nicht noch urkomischer widerspiegeln könnte, kommt der Film mit dem alleine gelassenen Kevin keineswegs zur Ruhe. Einem Abenteuerspielplatz gleich schöpfen Regisseur und Drehbuchautor sämtliche Möglichkeiten aus, die dem von familiären Zwängen befreiten Jungen nun zur Verfügung stehen. Schlussendlich mündet Kevin - Allein Zu Haus mit dem Verteidigungsgefecht der Hauptfigur gegen die zwei mehr oder weniger trotteligen Einbrecher Harry und Marv in einer Aneinanderreihung schmerzhafter Fallen, mit der Columbus die Grenze zwischen Familienfreundlichkeit und derben Späßen wieder einmal scharf ausreizt. Ganz zum Schluss steht das Bild der Familie, die sich wieder liebevoll in den Armen liegt, nichtsdestotrotz über allem.

Chris Columbus: Gratwanderung zwischen Kinderaugen und staunenden Erwachsenen

Anfang des neuen Jahrhunderts stieß Chris Columbus das Genre der Kinderbuchverfilmungen in eine neue Zeitrechnung. Mit Harry Potter und der Stein der Weisen und Harry Potter und die Kammer des Schreckens adaptierte der Regisseur die ersten beiden Bände von J.K. Rowlings Buchreihe um den Zauberlehrling sowie seine Abenteuer in der magischen Schule Hogwarts. Der außerordentliche Druck, der im Vorfeld auf Columbus lastete, fiel erst von ihm, als er in Schottland drei Stunden mit Rowling verbrachte, die ihm nach der Schilderung seiner Vision versicherte, dass sie den Film genau so vor sich sehen würde.

Diese Befreiung von jeglichem Ballast ist den ersten beiden Adaptionen des Harry Potter-Filmuniversums in jeder Einstellung anzumerken. Zweimal ist Chris Columbus ein Werk gelungen, das genau dieses Gefühl vermittelt, das Harry verspürt, als er sich mit dem Hogwarts-Express erstmals der aufregenden Schule für Hexerei und Zauberei nähert. Zweimal hat der Regisseur einen Film geschaffen, der Kinderaugen zum Funkeln und Erwachsene zum Staunen bringt, während sich die literarischen Welten von J.K. Rowling wie durch Magie vor den Augen des Zuschauers auftürmen.

Die bisher letzte Regiearbeit von Chris Columbus war Pixels aus dem Jahr 2015. Der Film, in dem Erwachsene gegen Aliens kämpfen, die die Erde in Gestalt von Videospielfiguren attackieren, ist gewissermaßen ein Destillat der Lieblingsmotive des Filmemachers. Hier sind es die Erwachsenen, die sich an das innere Kind klammern und in ein Abenteuer stürzen, das von nostalgischen Reizen bevölkert wird. Für die Zukunft hat Chris Columbus Reboots von Gremlins und den Goonies als Produzent angekündigt. Außerdem soll er für Blumhouse das Videospiel Five Nights at Freddy's als Regisseur auf die Leinwand bringen. Zu seinem 60. Geburtstag wünschen wir dem liebenswürdigen Grenzgänger zwischen Familienfreundlichkeit und gewitzter Bissigkeit alles Gute.

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