David Bowie - Der Mann, der als Legende lebte

David Bowie ist Der Mann, der vom Himmel fiel
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David Bowie ist Der Mann, der vom Himmel fiel
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sciencefiction Andrea Wöger
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Es schmerzt, all die Todesnachrichten über David Bowie zu lesen, all die Rückblicke auf seine einzigartige Karriere, seine eigenwilligen Filmrollen, sein wegweisendes Auftreten in den 70er Jahren, sein letztes Album, das vor einer Woche erschien. Es ist das letzte neue Kunstwerk von David Bowie, das wir genießen dürfen. Der als David Robert Jones im britischen Brixton geborene Künstler verstarb im Alter von 69 Jahren am 10. Januar 2016 an Krebs. Er starb im Kreis der Familie in London. David Bowie war eine lebende Legende und wird als solche in Erinnerung behalten.

So viele Erinnerungen an so viele unvergessene Momente, die David Bowie beschert hat, kommen hoch. Seine Präsenz zieht sich durch mein gesamtes Leben wie es sich durch die Popkultur der letzten 4 Jahrzehnte zieht. Mein Vater ist, seit ich denken kann, begeisterter David Bowie-Fan, spricht oft von ihm. Mit 15 Jahren färbte ich mir die Haare orange, weil dieser David Bowie in Der Mann, der vom Himmel fiel so unglaublich anders und lässig aussah. Zu der Livemusik der Bowie-Band meines Onkels tanzte ich ausgelassen. Die Bowie-Ausstellung im Sommer vor zwei Jahren in Berlin trieb mir Tränen in die Augen. Es ist eine Wucht, was dieser Mensch erschaffen hat und wie viele er damit begeistern kann.

David Bowie - Das Alien unter den Popstars

David Bowie begann seine Musik-Karriere als experimentierfreudiger, extrovertierter und unermüdlicher Musiker. Nach einigen Bandversuchen als Davy Jones wusste er, er möchte Solokünstler sein mit Musikern, die ihn bloß begleiten. Mitte der 60er Jahre nannte er sich David Bowie und kämpfte sich unermüdlich und mit starkem Drang zur Selbstverwirklichung bis zum Erfolg. Der kommerzielle Durchbruch kam 1969 mit dem heute noch aktuellen wie beliebten Album Space Oddity, passend zum Start der Apollo 11. Auf der Hypewelle der Mondlandung und der neuen Faszination am Weltraum machte sich David Bowie selbst zum Science-Fiction-Charakter. Sein gesamtes Auftreten, seine Musik und seine Filmrolle in Der Mann, der von Himmel fiel hüllten ihn in eine unantastbare Aura. Er war das Alien unter den Popstars. Nicht zuletzt sein linkes Auge, dessen Funktionstüchtigkeit ihm sein späterer guter Freund George Underwood bei einem Schulhof-Schlag ins Gesicht nahm, verhalf ihm ganz ohne Kontaktlinsen auf den ersten Blick zur Andersartigkeit. Seine extravagante Kostümierung tat ihr Übriges. Wie viele Leute haben sich bei seinem legendären Auftritt bei Top of the Pops 1972 wohl gefragt, ob da auf der Bühne ein Junge oder ein Mädchen singe? Seine Gratwanderung zwischen den Geschlechtern und der sexuellen Orientierung war nicht nur damals inspirierend, sie gibt heute noch den Mut, zu sich zu stehen.

Mit seiner Rolle in Nicolas Roegs sozialkritischem wie unangenehmen Werk Der Mann, der von Himmel fiel begann David Bowie 1976 seine Filmkarriere als gefallenes Alien. Doch der Künstler war ein Gesamtkunstwerk. Die Figur des bleichen Außerirdischen war David Bowie wie auf den Leib geschneidert. Als andersartiger, unantastbarer Popstar mit orangen Haaren und kantigen wie sanften Gesichtszügen ging er in seiner ersten Filmrolle auf, als würde er über die Bühne wandeln. Jim Hensons Die Reise ins Labyrinth und Tony Scotts Begierde sind weitere unvergesslich Filmauftritte David Bowies, wo er seinem Hang frönte, übermenschlich zu wirken. David Bowie wollte mehr sein, Menschsein genügte nicht, doch allzu ernst genommen hat er sich dabei nie.

Vom Supermenschen zum Blackstar

Hunky Dory, das weniger erfolgreiche Album vor und im Schatten von The Rise and Fall of Ziggy Stardust Anfang der 70er Jahre, war immer schon mein liebstes von David Bowie. Der Einstieg in die Platte, Changes, wurde immer dann laut aufgedreht, wenn ein Lebensumbruch anstand und plötzlich war wieder alles okay. "I'm not a prophet or a stone-age man / Just a mortal with the potential of a superman", heißt es im Lied Quicksand, das 1971 auf Hunky Dory erschien. "I'm not a filmstar ... I'm not a popstar ... I'm not a marvel star ... I'm a blackstar" sang er für Lazarus auf seinem neuen Album Blackstar ein, das wenige Tage vor seinem Tod erschien. Es wirkt, als hätte er endlich eine Antwort auf seine Identität gefunden und sie könnte extravaganter nicht sein. Als ich mir Blackstar vor ein paar Tagen das erste Mal anhörte und die überaus positiven Rezensionen las, freute ich mich, dass David Bowie sich im Alter seinen Drang zur Andersartigkeit und der Neuerfindung behalten hat - das, was ihn schon immer ausmachte. Er verließ uns so, wie wir ihn lieben gelernt haben. In Lazarus singt er:

Look up here, I'm in heaven I've got scars that can't be seen
I've got drama, can't be stolen

Everybody knows me now

Von melancholisch, selbstreflektiert über schwer zugänglich bis hin zu funky und poppig schöpfte David Bowie bei seiner Musik, seinen Filmrollen und seinem Erscheinen aus der vollen Bandbreite. Bowie war sein Leben lang äußerst aktiv als Künstler. Nach seinem Herzinfarkt im Jahr 2004 bei einem Livekonzert trat er jedoch etwas kürzer. Das hielt ihn aber nicht von weiteren Live-Auftritten ab und von seiner Nebenrolle als Nikola Tesla in Christopher Nolans Prestige. Der Regisseur wollte jemand außergewöhnlich charismatisches für diese Rolle und traf die beste Wahl. Gespannt schaue ich auch nach vorne, was David Bowies Sohn Duncan Jones als Filmemacher noch alles auf die Beine stellen wird. Bowie gab ihm einst den Rat, auf sein eigens Geschaffenes zu vertrauen und seine eigenen Drehbücher zu verfilmen. David Bowie hinterlässt seine Frau Iman, seine Tochter Lexi, seine Stieftochter Zulekha und seinen Sohn Duncan.

Der selbstironische Größenwahn und die unermüdliche, ja schon provokative Selbstbestimmung von David Bowie werden mir immer Inspiration bleiben. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mein altes Bowie-Poster in meiner neuen Wohnung aufzuhängen und dabei eine Träne zu verdrücken. Ein Glück, dass er uns so viel von seiner unfassbaren Kreativität als fassbare Kunst zurücklässt, an der wir uns erfreuen können. David Bowie wird fehlen.

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