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Tatort aus Leipzig

DDR-Vergangenheitsbewältigung, Mörderjagd inklusive

07.12.2009 - 07:00 Uhr
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Prof. Hannah Wessel ist keine große Hilfe
© MDR
Prof. Hannah Wessel ist keine große Hilfe
Der 6. Tatort für das Leipziger Ermittlerteam Saalfeld und Wuttke beschäftigte sich mit DDR-Geschichte, zwielichtigem Kunsthandel und schuldigen Vätern. Da kann so ein Mord schon mal in Vergessenheit geraten.

Vor lauter Handlungssträngen vergaß der gestrige Tatort: Falsches Leben, dass es eigentlich einen Mörder zu überführen galt. Während der Suche nach Kunstschmugglern, Prügelpolizisten und der Wahrheit über die Vorgänge in der DDR ging so leider auch mancher Zuschauer verloren. Glücklicherweise kam die Story dennoch einigermaßen packend daher und das Leipziger Ermittlerteam Saalfeld/Wuttke wusste im sechsten gemeinsamen Fall durch subtiles Schauspiel zu überzeugen. Auch die Inszenierung durch den Tatort-Altmeister Hajo Gies bot keinerlei Anlass zur Kritik. Alles wäre recht unterhaltsam und schön ausgegangen, wenn nicht die Autoren auf eine notorische Nervensäge verzichtet hätten.

Foto-Show: die Bilder zum “Tatort”

Der Mord, der keinen interessierte
Das Wort “MacGuffin” wurde von Alfred Hitchcock geprägt und bezeichnet einen Menschen oder Gegenstand, der nur dazu dient, eine Handlung anzustoßen, sonst aber nicht von Interesse für den Zuschauer ist. Im Tatort: Falsches Leben hieß der MacGuffin Ulf Meinert (Peter Scheider). Zu Beginn kam er unter ungeklärten Umständen bei einem Brand ums Leben. Die Ermittlungen begannen, doch schon nach wenigen Minuten hatte der Zuschauer vergessen, dass ja eigentlich ein Mörder gesucht wird.

Die Schuld der Väter und der Schmerz der Mütter
Wichtiger war im 6. Fall des Leipziger Ermittlerteams Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) die deutsch-deutsche Geschichte. Der Mord führte sie zu den Vorgängen während der Sprengung der Leipziger Paulinerkirche im Jahr 1968 und zum ehemaligen DDR-Polizisten Norbert Zirner (Volkmar Kleinert), der seinerzeit ein Kollege von Eva Saalfelds Vater war. Beide waren am Einsatz 1968 beteiligt und sollen brutal gegen Demonstranten vorgegangen sein. Ermittelt wurde also vorerst nicht der Mörder, sondern die Wahrheit über die DDR-Vergangenheit und ihre Auswirkungen auf die Familien von Tätern und Opfern. So geriet der Tatort: Falsches Leben zur großen Suche nach der ostdeutschen Erbschuld. Gekonnt vermied er dabei allzu plumpe Schuldzuschreibungen und vereinfachende Auflösungen.

Gute Rollen, schlechte Rollen
Als Bindeglied zwischen beiden “Fällen” wirkte Kunsthistorikerin Prof. Hannah Wessel (Thekla Carola Wied). Wie praktisch! Leider trug sie nicht viel zur jeweiligen Aufklärung bei, sondern gab nur ebenso sinnleere wie nervige Standard-Mantras in Endlosschleife von sich. Auf ihr hysterisches “Was wissen Sie denn schon!?” hätten die Autoren besser verzichten sollen.

Ganz anders hingegen das Ermittlerpaar selbst. Ihre Interaktion war es, die den Tatort davor rettete, zur faden Geschichtslektion zu werden. Dies lag wahrscheinlich auch an der kunstvollen Inszenierung von Hajo Gies, der zu den dienstältestesten Tatort-Regisseuren gehört. Nach dem experimentellen Polizeiruf 110: Klick gemacht von letzter Woche bot er dem Zuschauer das solide Handwerk eines erfahrenen Meisters.

Ach ja. Kurz bevor wir unseren MacGuffin ganz vergessen hatten, wurde am Ende von Tatort: Falsches Leben doch noch der Mörder gefunden, rein pro forma. Der Täter? Ach, das hat doch keinen interessiert…

Jetzt seid ihr gefragt: Wie fandet ihr den Leipziger Tatort: Falsches Leben?

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