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Deine Mutter hat 'ne Nebenrolle in Jurassic World

Mutti is die Beste.
© Universal Pictures (Filmstill)
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Judy Greer ist nicht nur eine talentierte Schauspielerin, sie hat auch ein ziemlich gutes Jahr. Denn sie spielt in gleich vier Sommer-Blockbustern mit: Entourage, Jurassic World, A World Beyond und Ant-Man. Jetzt werden sich die meisten die berechtigte Frage stellen: "Wer zum Henker ist Judy Greer?" Die Antwort in 3 von 4 Fällen ist: die Mutter. Noch vor vier Jahren wäre die Antwort übrigens "die beste Freundin" gewesen:


"Beste Freundin" ist aber so eine Nebenrolle, die man spätestens mit 35 Jahren abgeben muss, weil man dann als Frau "zu alt" ist und damit nicht mehr attraktiv genug Männer anzulocken, die man dann mit der besten Freundin verkuppeln kann. Ihr kennt das ja. Direkt am 35. Geburtstag gibt es Blumen, Kuchen, alle gratulieren und dann, abends im Bett, verschrumpelt einem sofort die Vagina und wird zu einer staubigen Höhle, in der nichts mehr statt findet, als ab und zu ein Echo. Aber immerhin kann man dann in Hollywood noch die Mutter spielen. Die werden ja eh meist nur vom Bauchnabel aufwärts gezeigt.

Und so darf Greer als Mutterfigur stets brav an der Seite stehen und den Hauptdarstellern zuschauen, wie sie ihr Leben entdecken/ändern oder das von anderen retten. In Jurassic World bringt sie ihre Kinder zum Flughafen, dann macht sie sich Sorgen. Dann ruft sie ihre Schwester an, als sie erfährt, dass diese sich nicht kümmert. Am Ende darf sie auch mal auf die Insel. Um die Kinder abzuholen. In Ant-Man erteilt sie ihrem Ex-Mann und zukünftigen Ant-Man kleine Lektionen in Sachen Zuverlässigkeit. Und als ihr Kind dann schließlich vom Yellowjacket angegriffen wird, darf sie sich Sorgen machen und nach dem Kampf die Tochter dankbar in die Arme schließen. In A World Beyond ist sie ebenfalls die Mutter der Hauptdarstellerin. Ihre Rolle hier ist so signifikant, dass ich mir erlaube ihren Text in Gänze aufzuschreiben. Achtung, es geht los:

It’s video.
O.K., go ahead, sweetie.
It’ll take a long time. A real long time. What if you get all the way up there and there’s nothing?

Der Rest landete auf dem Boden im Schnittraum, denn der Film war zu lang. Bevor jetzt der Chor der Korinthenkacker und Zerreder mit dem üblichen Argument beginnt, dass Greer dann eben einfach zu uncharismatisch, nicht hübsch genug oder nicht [fill in the blank mit einer Ausrede/Erklärung deiner Wahl] ist, es geht hier vor allem um das prinzipielle Problem, dass Greer gerade sehr anschaulich verdeutlicht: Hollywood offeriert so gut wie keine Nebenrollen für Frauen, die nicht völlig generisch sind und nach alten (und noch dazu langweiligen) Mustern agieren. Die meisten Rollen werden nach dem Privatleben, nicht nach Eigenschaften oder Berufen definiert. Soll heißen: Mutter, Freundin, Ehefrau. Nicht Chefin, Mitarbeiterin, Heldin etc. In der letzten Studie des Center for the Study of Women in Television and Film at San Diego State University waren 58% der weiblichen Nebenrollen in allen Filmes des Jahres 2014 eben solche nach dem Privatleben definierten Rollen. Bei männlichen Nebenrollen waren es gerade mal 31%.

Judy Greers Mutter-Dasein am Filmrand ist also eher die Norm und nicht die Ausnahme. Aber es kommt noch besser, denn diese Rollenverteilung ist nicht nur eine Frage von Sexismus. Es geht auch ums Alter.


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