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Leindwand-Zoo der Grausamkeiten - Teil 2

Der nasse Tod - Ein Knorpelfisch dreht durch

10.07.2014 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Bearbeiteter Ausschnitt aus dem Plakat zu "Piranha" (1978)
© MGM
Bearbeiteter Ausschnitt aus dem Plakat zu "Piranha" (1978)
Die Abwärtsspirale vom weißen Hai zum Sharknado war lang und steinig. Zwischenzeitig sind auch andere Meerestiere in den Auto-Fokus der Kamera geschwommen. Wir tauchen heute ab und entdecken die nassen Abgründe des Tierhorrorfilms.

Hallo und herzlichen Willkommen zum heutigen Hai-light (womit die nötige Wortspielerei auch abgehakt wäre). Im zweiten Teil unserer Themenreihe zum Tierhorror geht es um das feuchte Grauen, das nasse Grab, die Flossensuppe der Fürchterlichkeit. Das Meer ist nach wie vor unentdecktes Terrain. Auch wenn wir Menschen langsam in tiefere Regionen der Ozeane vorstoßen, wissen wir nicht, was uns alles dort unten erwartet. Der folgende Text widmet sich grob zwei Segmenten. Im ersten ergründen wir Haifische, Piranhas & Co. Anschließend suchen wir nach seltenen Exemplaren mutierter Oktopoden, Planktonmonster und allerlei anderer glitschiger Gesellen. Die passenden Plakate findet ihr in der Galerie, persönliche Literatur- und Filmtipps am Ende. Viel Spaß.

Leinwand-Zoo der Grausamkeiten – Teil 1: Transformationen – Einmal Mensch und zurück

Flossen hoch
Wir haben das Bild alle im Kopf: Roy Scheider alias Martin Brody hockt auf dem Boot und unterhält sich angeregt, als im Hintergrund der weiße Hai aus dem Wasser auftaucht; unvermittelt und bedrohlich. Es läutet langsam das Finale des Films ein. Den riesigen Knorpelfisch haben wir bis dahin kaum zu Gesicht bekommen und wissen doch um seinen Appetit, wenn sich das Wasser sprudelnd rot färbt. Der weiße Hai ist zu seiner Zeit nicht der erste Film mit Hai-Thematik, aber wohl der erste, der als Meilenstein in die Filmgeschichte eingeht. Steven Spielberg inszeniert vor allem einen Thriller, in denen es um menschliche Konflikte geht. Der Film hat massiven finanziellen Erfolg. Bei 7 Millionen US-Dollar Produktionsbudget spielt er weltweit rund 470 Millionen ein (Box Office Mojo).

ooops, shark
Chief Brody wird vom weißen Hai überrascht | Ausschnitt aus Der weiße Hai (1975)

An diesem Punkt dürfen wir uns fragen, was nun schlimmer ist: Der weiße Hai 2, Der weiße Hai 3, Der weiße Hai 4 – Die Abrechnung – welche alle ganz offensichtlich das Konzept des Originals totreiten – oder doch die unzähligen Rip-offs, welche im roten Fahrwasser ein gemütliches Restefressen zelebrieren und den Ruf des Hais bis heute weitestgehend ruiniert haben. Tatsächlich wird Spielberg mal offen mal augenzwinkernd eine Teilschuld daran gegeben, dass der weiße Hai heute vor dem Aussterben bedroht ist. “Ist es die Angst davor, lebendig gefressen zu werden? Oder liegt es daran, dass Steven Spielberg nie einen Schocker über Quallen gedreht hat?” schreibt Linus Geschke 2012 in einem Artikel auf unterwasser.de, als die australische Regierung beschließt, einige Hai-Arten zum Abschuss freizugeben.

Auch Horrorlegende Joe D’Amato versucht sich 1989 am Flossenhorror und zwingt uns Shakka – Bestie der Tiefe auf – erwähnenswert deshalb, weil dieser Film den weißen Hai quasi Drehbuchzeile um Drehbuchzeile kopiert. Dass es deutlich besser geht, bewies Joe Dante bereits 1978 mit Piranha. Dieser kopiert über weite Strecken selbstverständlich den großen Weißen, ersetzt aber die Gigantomanie eines acht Meter langen Haifisches durch die Schwarmintelligenz der Piranhas, welche im Übrigen tatsächlich recht bissige Vertreter in der (Unter)Wasserwelt sind.

Große weiße Haie mit ihren Revolvergebissen und Piranhas mit dem pussierlichen Antlitz eines überfahrenen Kobolds können einen zumindest erschrecken. 1977 aber erschien Orca – Der Killerwal auf den Leinwänden und erfuhr harsche Kritik. Regisseur Michael Anderson tat sich mit dem Streifen keinen Gefallen. Nur ein Jahr zuvor lieferte er den Sci-Fi-Kult Flucht ins 23. Jahrhundert ab. Das Konzept der berechnenden Bestie lässt den Film in unfreiwillige Komik ertrinken. Der Orca rammt die Trägerbalken des Hauses kaputt. Das Gebäude rutscht ins Wasser. Der Orca wartet, bis Sexikone Bo Derek in Richtung Wasser rutscht und mit ihrem Gibsbein im selbigen hängt: happs, da ist das Bein ab. Würde der Orca anschließend fies kichern, die Augen zusammenkneifen und diabolisch die Flossen gegeneinanderrubbeln, nein, es würde nicht auffallen.

Hai-Alarm auf Trash-Island
In vielen Artikeln gibt es Seitenhiebe gegen Filme wie Sharknado – Genug gesagt!, 2-Headed Shark Attack , Mega Shark vs. Giant Octopus aber auch Mega Shark gegen Crocosaurus, Mega Shark vs. Mecha Shark und Hai-Alarm auf Mallorca. Sie sind billig und schnell produziert, haben schlechte Effekte und scheinen über kein Drehbuch zu verfügen. Diese Vorwürfe sind allesamt … wahr. Auch wenn ich das berechnende Kalkül solcher Studios wie The Asylum nicht beschönigen will, weiß der Rezipient in der Regel, worauf er sich einlässt und greift dann bewusst zu solchen Wannabe-Z-Movies. Die Freude am vergeigten Film ist meist Anlass für gesellige Partyrunden und letzten Endes auch die Existenzberechtigung solcher Reihen wie Mystery Science Theater 3000 oder auch Die schlechtesten Filme aller Zeiten.

Abseits von Klassikern und vermurksten 20 Meter Digitalhai-Imitaten gibt es natürlich auch andere Ansätze, welche einen Blick verdient haben – schon auf Grund ihrer Andersartigkeit. Mehr dazu später in den Heimvideotipps.

Keine Lust mehr auf Flossensuppe? Kein Problem. Auf der nächste Seite gibt es andere Tierchen zu bestaunen.

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