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Von Schurken, Rittern und durchzockten Nächten

Der Tod der Freizeit im Test zu Blackguards 2

Blackguards 2
© Daedalic Entertainment
Blackguards 2
16.01.2015 - 00:07 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Mit Blackguards 2 schiebt das Hamburger Entwicklerstudio Daedalic Entertainment die Fortsetzung zu ihrem rundenstrategischen Abenteuer in die Läden, das vor einem Jahr Kritiker und Genrefans überraschen konnte. Wie schlägt sich aber nun der zweite Teil?

Nach dem Release-Gewitter des vergangenen Winters habe ich meinen Spielstundenplan mittlerweile wieder perfekt im Griff: Während sich das Rollenspiel-Epos Dragon Age: Inquisition  mit dem nicht minder zeitfressendem Sid Meier's Civilization: Beyond Earth  abwechselt, schiebe ich immer wieder das ein oder andere Indie-Spiel dazwischen. Das ist nicht seltsam, das ist organisierter Spaß!

Nun wurde mir nach einjährigem Warten Daedalics neues Abenteuer, das dem ältesten deutschen Rollenspieluniversum entstammt, in die Hände gedrückt und nach Stunden des Spielens muss ich mir nun schließlich eingestehen: Mein bisheriger Spielstundenplan ist Vergangenheit. Ich brauche mehr Zeit, ich WILL mehr Zeit mit dem XXL-Abenteuerpaket Blackguards 2  verbringen.

Dabei konnte ich Daedalics neustem Streich nicht einmal das für die Reihe perfekte Spielerprofil bieten: Zwar spaziere ich sehr gerne und aufopferungsvoll durch fast jedes Rollen- und Stragiespiel, habe allerdings schon lange einen Großteil der Geschichte des ersten Blackguards wieder vergessen und auch mein Ausflug in das Universum von "Das schwarze Auge", in dem die Geschichte der Wächter-Serie stattfindet, liegt schon mehrere hundert Sonnenumläufe zurück.

Der Eindruck mag trügen, aber die Übersicht geht während der Kämpfe nie verloren.

Doch ich kann all jenen unter euch Entwarnung geben, die ebenfalls ahnungslos wie ich die "Neues Spiel"-Schaltfläche ins Visier nehmen werden: Nach und nach findet ihr durchaus von alleine in die Welt von Blackguards 2 , die von dem Feldzug der ehemals eingekerkerten Cassia erzählt, die eine Armee unter ihrem Banner vereinen möchte, um die Herrschaft über das Land an sich zu reißen. Spieler, die bereits den ersten Teil durchgejubelt haben, werden sich über alte Bekannte freuen, während Blackguards-Neulinge sich auf durchweg interessant geschriebene und vielschichtige Charaktere freuen dürfen, die Cassia auf ihrem Feldzug begleiten.

Wirklich interessant wird es allerdings, wenn die Geschichtsbücher ruhen und wir auf den über hundert verschieden gestalteten Schlachtfeldern den Fehdehandschuh nach Belieben schmeißen dürfen. Zug um Zug platzieren wir unsere Helden und ziehen von Feld zu Feld, während die selbst auf "Normal" respektabel spielende KI versucht, uns einen blutigen Strich durch die Rechnung zu machen. Im Laufe des Spiels können wir unseren Helden neue Angriffe und Spezialbewegungen beibringen, die während der Schlacht zwar an der Ausdauer zehren, dafür allerdings auch eine ganze Reihe interessanter Taktiken überhaupt erst ermöglichen. Doch auch das Schlachtfeld selbst, das im Vergleich zum Vorgängerspiel im Durchschnitt noch einmal an Größe zugelegt hat, kann in eine Waffe verwandelt werden: Da werden Kisten umgestoßen und zur Barrikade umfunktioniert, während Feuerpfeile für flächendeckende Brandherde sorgen. Überhaupt ist das Geschehen in den Arenen dynamischer, als das entschleunigte Rundensystem vermuten lassen würde.

Die Grafik ist nicht auf dem neusten Stand — doch das beeinträchtigt den Spielspaß nicht allzu sehr.

Nach dem Kampf kehren wir in Cassias Lager zurück, welches das zweite spielerische Standbein neben den Kämpfen bildet: Hier rüsten wir unsere Helden mit neuen Gegenständen aus und bringen ihnen frische Zauber oder spektakuläre Angriffe bei, während wir beim Schmied nach den neusten Sonderangeboten suchen können. Doch die Pause zwischen den Kämpfen beschränkt sich nicht nur auf das Füllen der Beutel und Fertigkeitensammlung: In den vielfach vorhandenen Gesprächsoptionen lernen wir unsere Gefährten besser kennen, erfahren von wichtigen Ereignissen in der Weltpolitik und verhören möglichst geschickt unsere Gefangenen, die durchaus nützliche Informationen mit sich herumtragen. Gelingt uns beispielsweise vor einer anstehenden Schlacht, Gefangene des Gegners erfolgreich auszuquetschen, starten wir mit einem erhöhten Sichtkegel in den nächsten Kampf oder erhalten mehr Spielraum, um uns besser zu positionieren.

Mit diesem reichhaltigen Inventar an Features und Möglichkeiten ausgestattet, fühlen wir uns schließlich an das klassische Risiko-Brettspiel erinnert, wenn wir auf der Weltkarte unsere nächsten Schlachten planen, Stadt um Stadt erobern und vor Gegenangriffen verteidigen müssen, bis Cassia schließlich auf dem Herrscherthron Platz nehmen kann. Einfach macht es uns der Computergegner dabei nie: Wenn wir beispielsweise eine eigene Stadt an den Feind verlieren und diese zurückerobern wollen, erwarten uns überall versteckte Fallen und Hinterhalte, die uns für jeden gewonnenen Meter teuer bezahlen lassen. Nicht selten werdet ihr euch in der Situation wiederfinden, mit einigen neuen Erkenntnissen und Sorgenfalten einen neuen Versuch zu starten.

Fazit

Bis ich die Testversion von Blackguards 2  in den Händen halten und selber anspielen durfte, traf ich Teile des Entwicklerteams im Rahmen verschiedener Preview-Events bereits mehrere Male. Immer wieder erfuhr ich dort von unterschiedlichen Features und Aspekten, an denen gerade gearbeitet wurde, mal ging es um das Kampfsystem, mal um die Levelarchitektur — ein bestimmter Satz allerdings fiel jedes einzelne Mal: "Das erste Blackguards hatte trotz allem mit einigen Problemen zu kämpfen, darauf haben uns die Spieler aufmerksam gemacht. Also haben wir uns die Kritik genau angehört und Blackguards 2 transparenter, übersichtlicher aber trotzdem spielerisch fordernd gemacht." Dieses Versprechen wurde glücklicherweise erfüllt.

Während die ausführlichen Aufzählungen von Statuswerten, Angriffspunkten und Boni sowie Mali eurer Helden übersichtlicher angeordnet wurden, freut sich das Spielerherz auch über die größeren Schlachtfelder, während der Schwierigkeitsgrad weiterhin für regelmäßige Adrenalinschübe sorgt. Die gelungene deutsche Synchronisation und interessante Charaktere sorgen für den entscheidenen Pluspunkt, der Blackguards 2 für mich zu einem echten Überraschungstitel gemacht hat, der jenseits der treuen Fanbase neue Spieler für sich gewinnen wird. Blackguards 2 ist kein weichgebügeltes Rollenspiel der Moderne und alleine dieses Alleinstellungsmerkmal rechtfertigt zumindest einen neugierigen Blick auf Cassia und ihre tapferen Mitstreiter.

Blackguards 2 wurde in Form eines Download-Codes von Daedalic Entertainment bereitgestellt.

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