Ein Kommentar von Losties für Losties

See you in another life, brother ...
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See you in another life, brother ...
03.11.2018 - 08:50 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Was macht eine Serie zu mehr als nur einer weiteren Mysteryserie unter vielen, zu einem popkulturellen Phänomen? Die Chemie zwischen ihren Hauptfiguren? Die vielen, unbeantworteten Fragen? Die Antwort ist viel einfacher - und viel menschlicher ...

Jede Fernsehgeneration hat ihr großes Mysterium, das die Serienlandschaft auf Jahre hinaus prägt - The Twilight Zone, Twin Peaks oder Akte X zum Beispiel. Jeder hat von ihnen gehört, jeder versteht es, wenn sie zitiert werden. Sie sind mehr geworden als die Summe ihrer Teile. Es gibt viele Serien, die uns mehr Fragen als Antworten geben - aber oft halten sie nicht, was sie versprechen und schaffen es nicht, ihre Vorgänger vom Thron der Popkulturphänomene zu stoßen. Lost ist auch so eine epochale Serie. Und Lost, egal wie umstritten, sitzt dort noch immer ...

Warum ist das so? Warum wurde Lost noch immer nicht von einer neuen Mysteryserie abgelöst, die ihren Platz in aller Munde einnimmt? Kehrt mit Seductive Barry noch einmal auf die Insel zurück und entdeckt ihr wahres Geheimnis. Aber seid gewarnt: Es könnten nicht nur Antworten, sondern auch Spoiler auf euch warten, solltet ihr sie hier zum ersten Mal betreten ...

Der Kommentar der Woche von Seductive Barry zu Lost

In einem Interview hat Damon Lindelof einst behauptet, dass wir uns mit Kevin Garvey - einem seiner hervorragenden Charaktere - so gut identifizieren können, weil er leidet. Schlicht und ergreifend. Das ist laut ihm der Grund, wieso wir als Zuschauer mit ihm fühlen, wenn er 'Homeward Bound' singend in Tränen ausbricht. Übertragen wir das auf LOST, auf Sawyer, auf Hurley, auf Desmond, auf Charlie, auf wen auch immer, so fällt auf, dass auch sie leiden. Der eine verlor seine Eltern wegen eines Betrügers, der andere hat mit verfluchten Zahlen und Einsamkeit zu kämpfen, Desmond muss alle 108 Minuten einen Knopf drücken und kann dementsprechend nicht bei seiner geliebten Penny sein und Charlie ist ein gescheiterter, drogensüchtiger Rockstar. Alle vier leiden und das Interessante ist: Diese vier gehören zu den absoluten Fan-Favourites.

Was sagt das über Damon Lindelof? Dass hinter seinem Sentiment, hinter seinen Twists and Turns, hinter seinem bisweilen schonungslosen Umgang mit seinen Charakteren kaum mehr als schonungsloses Kalkül liegt? Gewiss nicht, denn er weiß: Der Grund, wieso wir mit diesen Leidenden fühlen, ist der, dass wir uns durch sie in unserem Leid verstanden fühlen. Gerade dadurch, dass Lindelof uns mit eben diesen Charakteren bekannt macht, sie erforscht, sie greifbar und zugänglich macht, verdeutlicht er uns vor allem folgendes: Wir sind nicht allein. Wir sind keine Außenseiter, wenn wir leiden. Es macht uns nur menschlich. Mir gibt es Trost und vor allem: Es macht mir möglich, mit all diesen Charakteren mitzufühlen, wissend, dass in ihnen ein Teil von mir schlummert.

Ein weiterer Grund, wieso die Serie nicht trotz, sondern eher WEGEN ihrem Sentiment so großartig ist, ist der, dass Damon Lindelof und Carlton Cuse in dem grausamsten Mörder, in dem skrupellosesten Verbrecher, im größten Sexisten etwas menschliches, etwas reines, etwas kindliches entdecken. Auch in Benjamin Linus, dem manipulativen, skrupellosen Antagonisten, findet Team Darlton eine Sehnsucht, die wir alle kennen: die Sehnsucht nach Nähe, nach Geborgenheit, nach dem Wissen, wie wir die Liebe, die uns schlummert zu geben haben.

I have so much love to give but I don't know where to put.

Ein Großteil der Charaktere verkörpert genau diese Sehnsucht, diese Verzweiflung und genau das macht sie so greifbar, so authentisch, so liebenswert. Und genau das ist der Grund, wieso wir sie so leicht ins Herz schließen können: Sie geben uns gerade durch ihre Verletzlichkeit das Gefühl, nicht alleine zu sein.
Das viel umstrittene Ende ist gerade deshalb so großartig, weil es den Charakteren eine Möglichkeit gibt, Menschen (wiederzu-)finden, die ihnen die Hand reichen können, wissend, dass man sich gegenseitig die Leere, die einen von innen zerfrisst, füllen kann.
LOST zu schauen fühlt sich so an, als würde dir ein besonderer Mensch genau diese Hand reichen. Ein Mensch wie John Locke. Ein Mensch wie Hurley. Oder (in meinem Falle natürlich) ein Mensch wie Desmond. Und dafür empfinde ich - so pathetisch es auch klingen mag - Dankbarkeit.

This is a place you all made together so you could find one another...Nobody does it all alone. You needed them and they needed you.

See you in another life, brother? Aber natürlich!

Den Originalkommentar findet ihr übrigens hier.

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