Heute im TV

Eine endlose Nacht im Flughafen Tempelhof

15.03.2014 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Die endlose Nacht
© Moviemax / Universum
Die endlose Nacht
Zu passender Uhrzeit zeigt der Bayerische Rundfunk heute den Ensemblefilm Die endlose Nacht, in dem schlechtes Wetter eine Gruppe von Reisenden zu einer Übernachtung auf dem Flughafen Tempelhof zwingt. Will Tremper kreuzt in seinem Klassiker des bundesdeutschen Kinos ihre Schicksale.

Drei Monate drehte Will Tremper seine zweite Regiearbeit Die endlose Nacht auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin. Zu nächtlicher Stunde, wenn die Flieger ruhten, versammelte er sein Ensemble vor der Kamera. Ohne Drehbuch und mit viel, auch finanzieller, Improvisation setzte er seinen bekanntesten Film um. Tremper, der sich bald von der Arbeit hinter der Kamera verabschieden würde, gilt mit seiner kurzen, durch die Nouvelle Vague beeinflussten Filmografie als eine Art Bindeglied zwischen dem westdeutschen Film der 50er Jahre und dem Neuen Deutschen Film, der in den 60er Jahren Papas Kino für tot erklären sollte.

In Die endlose Nacht schildert er ein paar Stunden am Flughafen Berlin-Tempelhof. Der dichte Nebel zwingt die Reisenden dazu, am Boden auszuharren. Darunter befindet sich ein Geschäftsmann, der vor dem Ruin steht und auch nicht davor zurückscheut, seine Freundin einem anderen Mann an den Hals zu werfen, um sich zu retten. Eine junge Filmschauspielerin hat ihren letzten Pfennig beim Friseur ausgegeben und strandet in der fremden Stadt. Ein älterer Kollege soll in Hannover den König Lear spielen – ein Karrieretraum – doch das Flugzeug darf nicht abheben. Ein Farmer aus Kenia verliebt sich spontan in eine Schalterdame und bietet ihr ein neues Leben an.

Besetzt mit angehenden oder erfahrenen Stars wie Werner Peters, Hannelore Elsner und Harald Leipnitz werden die verschiedenen Schicksale in Die endlose Nacht mit geschmeidigen Übergängen erzählt, die einen komisch, die anderen tragisch, alle in ihrer Flüchtigkeit auf Film gebannt. Ein Jazz-Score von Peter Thomas begleitet das Geschehen, nicht zuletzt dank einer polnischen Jazz-Combo, die spontan ein Ständchen gibt. “Wenn man den Film heute sieht” schrieb Ekkehard Knörer anlässlich der DVD-Veröffentlichung, “kommt einem ‘Die endlose Nacht’ vor wie ein Traum, den das deutsche Kino kurz mal von sich als einem ganz anderen hatte. Dann ist es wieder erwacht und war leider für Jahre wieder es selbst.”

Heute im TV: Die endlose Nacht (1963)
Wann: 00:10 Uhr
Wo: BR

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