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Eines der packendsten Ehedramen der Filmgeschichte

Le Chat / Die Katze
© 20th Century Fox/moviepilot
Le Chat / Die Katze
09.03.2019 - 09:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Eines der packendsten Ehedramen der Filmgeschichte lässt keinen Raum für Kompromisse, für Glück, für Hoffnung: Simone Signoret und Jean Gabin spielen die stärksten Rollen ihre Lebens und geben uns die Antithese jeder Romanze, die je verfilmt wurde.

Die wahre Tragik, das ständig über uns schwingende Damoklesschwert, sind die Dinge, die wir nicht sagen. Wir sollten sie sagen. Wir wissen, dass wir sie sagen sollten. Sie sind in uns, aber sie kommen nicht hervor. Vielleicht ist der Moment nicht der richtige. Vielleicht interveniert unser Ego und es ist uns erstmal wichtiger, einen kleinen oder großen Streit zu gewinnen. Wir warten und vertagen. Bis es zu spät ist...

Es gibt viele Beziehungsdramen, die uns diese Lektion erteilen, viele Ehen, die genau an dieser Unfähigkeit zu kommunizieren scheitern. Nur wenigen Paaren gelingt dies jedoch so ergreifend, so tragisch und uns so vollkommen taub zurück lassend wie Simone Signoret und Jean Gabin. Die Katze ist ein Kammerspiel, das uns regelrecht hoffnungslos und ausgelaugt zurücklässt, und das keine geringere Würdigung als diesen Kommentar Mekridis verdient hat.

Der Kommentar der Woche von Mekridi zu Die Katze

Während sich die wenigen Häuser in einem kleinen, heruntergekommenen Pariser Stadtviertel der Abrissbirne beugen, dem steten Wandel weichen, weicht im ebenfalls bereits enteigneten Hause des unerfüllt alternden Ehepaares Bouin, die einst so große Liebe, mehr und mehr der gegenseitigen Gleichgültigkeit. Ausweglos gefangen in der beziehungstötenden Kommunikationsunfähigkeit. Ertränkt in Alkohol, stoischen Missachtungen, hysterischen Wutausbrüchen und verbalen Erniedrigungen. Mehr als 20 Ehejahre liegen in Trümmern.

Das trostlose Setting liefert sich mit der Zeichnung einer dahinsiechenden Ehe einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft der alles aufsaugenden Tristesse und Hoffnungslosigkeit. Jeder anfängliche Restglaube an Harmonie, Klärung und ein wieder Zueinanderfinden wird mit noch mehr Gleichgültigkeit, Hass und böse Worte gleich im Keim erstickt. Viel zu weit ist man bereits von einander entfernt,. Unüberwindbar und jeder Abrissbirne trotzend, die sturen Mauern die beide um sich errichtet haben. Schlussendlich hüllt man sich in ein tief verächtliches Schweigen und löst damit die unausweichliche Katastrophe aus ... ?

Ein mit wenig Dialog, Raum und Cast aufs Wesentliche konzentrierte Kammerspiel voller Ausweglosigkeit. Inszenatorisch feinfühlig, zeitgleich bitter und brutal. Metaphernreich bebildert. Intensiv performt, mimische und gestische Schauspielkunst, welche die oft zitierte Bezeichnung 'ganz großes Kino' wahrlich mehr als verdient hat. Rare Momente des Schmunzelns bleiben einem sehr schnell im Halse stecken. Selbst die Musik zieht sich fast komplett zurück, sticht nur hier und da prägnant und hinterrücks, durch melancholisch-depressive Pianoklänge eines der größten französischen Film-Komponisten, Philippe Sarde, noch weiter in die untiefen Blessuren einer gescheiterten Ehe.

Zeitlos, authentisch, packend, schonungslos, Meisterwerk!

Den Originalkommentar findet ihr hier.

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