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Kurzes Gastspiel

Filme, die trotz des Oscars vergessen wurden

09.02.2011 - 08:50 Uhr
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Was vom Oscar übrig blieb...
© AMPAS/moviepilot.de
Was vom Oscar übrig blieb...
Der Oscar bringt auf ewig Ruhm und Ehre – von wegen! Es gibt genügend Beispiele, die zeigen, dass auch der Gewinn des bekanntesten Filmpreises der Welt einem Film noch lange keinen Platz in der Ewigkeit sichert.

Alle Welt schaut am Abend der Verleihung des wichtigsten Filmpreises der Welt nach Hollywood. Der Oscar bringt Ruhm, Ehre und leistet den Siegern ökonomische Hilfe. Doch nicht immer finden die Gewinner den Weg ins Reich der Unvergesslichkeit, nicht immer hebt der Award der Academy den Auserwählten dauerhaft vom Rest der Filmlandschaft ab. Während die deutlichen, vielfachen Oscar-Gewinner selten aus dem Gedächtnis des Filmfans verschwinden, können das gerade die kleineren Produktionen, die sich gegen die Mitnominierten durchsetzen konnten, nicht immer von sich behaupten. Wir werfen einen Blick auf die vergessenen Helden einer Nacht. Dabei orientieren wir uns an den Verleihungen ab dem Jahr 2000, um beim aktuelleren Filmen zu bleiben, an die trotzdem kaum noch jemand zurück denkt.

Musikalisch groß
Die Produktion, die den besten Song des Filmjahres hat, müssen wir nicht immer kennen. 2008 ging der Oscar hierfür an den irischen Independentfilm Once und dessen Lied “Falling Slowly”. Jemandem ein Begriff? Für einen Film mit gerade mal 130.000 Euro Budget dennoch ein beachtlicher Erfolg. 2000 konnte sich der Original Score von John Corigliano für den Film Die Rote Violine durchsetzen. Grausige Besucherzahlen in Deutschland (0,036 Mio.) waren dennoch nicht zu verhindern. Dementsprechend wenigen Zuschauern blieb der Film im Gedächtnis haften.

Höchste Schauspielkunst
Selbst der Sieg in einer der Hauptkategorien bringt nicht automatisch Besucheranstürme und große Bekanntheit mit sich. 2007 wurde Forest Whitaker für seine Darstellung in Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht als bester Hauptdarsteller geehrt. In Deutschland kam der Film nicht einmal auf eine viertel Millionen Kinobesucher. Ähnlich erging es der britisch-amerikanischen Co-Produktion Iris. Als besten Nebendarsteller wählte die Jury der Academy den Filmveteranen Jim Broadbent aus, doch nicht einmal 150.000 deutsche Kinogänger ließen sich davon beeindrucken. Das Schlusslicht unter den hierzu genannten Beispielen bildet die amerikanische Biographie des gleichnamigen Malers Pollock. Obwohl die aus unzähligen Mitgliedern bestehende Academy-Jury sich für Marcia Gay Harden entschied, kratzte die Produktion vor allem in Deutschland und auch weltweit nur am Nullmeridian. Gerade mal ca. 37.000 Zuschauer fanden hierzulande ins Kino – an den Film erinnert sich niemand mehr.

Independent – schnell vergessen
Ob es am gewöhnunsbedürftigen Titel liegt? Bei der Oscarverleihung 2001 gewann Topsy-Turvy – Auf den Kopf gestellt den Kostüm- und MakeUp-Oscar und war immerhin für zwei weitere Statuen nominiert. Der britische Film wurde dennoch ein wirtschaftlicher Flop. In den USA spielte er gerade einmal etwas über sechs Millionen Dollar ein, kostete aber 20 Millionen. Mit Sideways gewann 2005 ein weiterer Independentfilm, in diesem Fall für das beste adaptierte Drehbuch. Zwei Jahre zuvor ging der Preis für das beste Drehbuch an das spanische Drama Sprich mit ihr – Hable con ella – der Film fristete weiterhin ein Underdog-Dasein. Je kleiner die Kategorie, desto ungewisser der Verbleib im Filmolymp. Dies trifft vor allem auf die Gewinner der technischen Kategorien und der Ausstattung zu, oder wer erinnert sich noch an den Oscargewinner Die Herzogin? Der Oscar hierfür war nur einer von mehreren Preisen und Nominierungen, doch ins Gedächtnis brennen konnte sich das historische Drama nicht so recht.

Der Oscar ist nicht alles, oft ist er nicht einmal viel. Gründe für das Versagen an Kinokassen und wenig Beachtung gibt es je nach Film individuelle. Manchmal ist der Stoff zu speziell, oft gab es keine ausreichend große Marketingkampagne. Meistens haben die angesprochenen Filme allerdings auch gar nicht den Anspruch, auf ewig in Erinnerung zu bleiben und sich mit den Größten auf eine Stufe zu stellen. Der Oscar ist ein prestigeträchtiger, großer Preis, keine Frage. Doch ein Wundermittel für Filme ist er nicht. Schließlich entscheidet letztens nicht nur die Academy of Motion Picture Arts and Science über den Erfolg. Da es sich bei den ewigen Underdogs vor allem um kleinere Produktionen handelt, sind sie es, die der Verleihung weiterhin willkommene Abwechslung bereiten und oftmals viel mehr Beachtung verdient hätten als so manch eine überteuerte Hochglanzproduktion aus der Traumfabrik.

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