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Mein Herz für Klassiker

Ich, Monsieur Hulot und ein ganz normaler Urlaub

22.09.2011 - 08:50 Uhr
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Mein Herz für Klassiker: Die Ferien des Monsieur Hulot
© Better Television Distribution
Mein Herz für Klassiker: Die Ferien des Monsieur Hulot
Die Ferien des Monsieur Hulot ist in meinen Augen eine der ganz großen Slapstick-Komödien, deren Gags oft unbemerkt entliehen werden. Deshalb möchte ich dem Film heute besonders würdigen und ihm mein Herz für Klassiker zusprechen.

Wie ich schon einmal im Zusammenhang mit meinem Herz für Tanz der Vampire berichtete, bemühte sich meine Mutter schon früh, mich jenseits des Mainstreams filmisch zu bilden. Dazu gehörten Filme von Charlie Chaplin, Buster Keaton und auch Jacques Tati. Hierbei waren es im Besonderen Die Ferien des Monsieur Hulot, die es uns angetan hatten und die deshalb regelmäßig Teil gemütlicher Fernsehabende waren. Nun darf ich diesem Film endlich mein Herz für Klassiker verleihen.

Warum ich Die Ferien des Monsieur Hulot mein Herz schenke
Irgendwie hat sich dieser schwungvolle Gang des einsamen Reisenden mit seiner Pfeife in meinem Kopf fest gebrannt. Wenn ich mir auch nur den Trailer ansehe, muss ich sofort wieder darüber schmunzeln wie Monsieur Hulot (Jacques Tati) in seinem scheppernden Auto die Reise nach Saint-Marc-sur-Mer antritt, um dort in Ruhe seine Ferien zu verleben. Leider hat er davon eine ganz andere Vorstellung als die Leute, die er in seiner Pension kennenlernt und so sorgt er dort für viel Trubel und jede Menge Ärger. Dabei möchte er doch eigentlich nur Freundschaften schließen und nicht mehr alleine Boot fahren müssen. Denn seine einsame Paddeltour endet darin, dass das Faltboot über ihm zusammenklappt und er vom Strand aus für einen riesigen Hai gehalten wird (daher also hatte Steven Spielberg seine Filmidee…).

Warum auch andere Die Ferien des Monsieur Hulot lieben werden
Der Film von Jacques Tati funktioniert im Grunde ohne Sprache und lässt sich am besten als eine Aneinanderreihung von Slapstick-Szenen zum Thema Urlaub beschreiben. Klingt langweilig? Was ist denn Hangover anderes als eine Aneinanderreihung von Slapstick-Szenen zum Thema Junggesellenabschied? Wir müssen nicht verstehen, was die Figuren in Die Ferien des Monsieur Hulot sagen, denn oft verstehen sie sich gegenseitig ebenfalls nicht. Die herrlichste Szene zum Thema babylonische Verwirrung spielt zu Beginn das Films, als ein Bahnhof gezeigt wird, auf dem sich eine große Gruppe Reisender befindet. Da niemand die Durchsage durch die Lautsprecher versteht, begibt sich die Meute konsequent stets auf den falschen Bahnsteig. Hier wird auch einmal mehr klar, warum der Humor von Jacques Tati für jeden funktioniert: Die Urlaubsszenen, die der Regisseur und Schauspieler uns hier zeigt, haben wir alle auf die eine andere Weise schon selbst erlebt.

Warum Die Ferien des Monsieur Hulot einzigartig ist
Dieser Film ist eigentlich gerade deshalb so gut, weil er gar nicht einzigartig wirkt, sondern uns immer wieder an Dinge erinnert, die wir so oder so ähnlich schon einmal gesehen haben. Doch in der Mitte dieser Anhäufung von Klischees und beliebter Peinlichkeiten steht die Figur des Monsieur Hulot, die in ihrer tölpelhalften Unbedarftheit dann eben doch unverwechselbar ist. Während er allen anderen auf die Nerven geht, müssen wir als Publikum ihn einfach lieben, weil wir wissen, dass er es stets gut meint. Selbst dann, als er versehentlich eine Trauerfeier aufmischt. Unvergessen ist übrigens auch seine Tennis-Performance und die bis dato unbekannte Aufschlagtechnik, mit der er eine britische Touristin tief beeindruckt. Schade, dass sein Herz eigentlich einer ganz anderen Frau gehört…

Warum Die Ferien des Monsieur Hulot die Jahrzehnte überdauert
Sicherlich ist dieser Film weder die Erfindung des Slaptstick noch sein Ende. Bevor wir aber darüber jammern, dass wir die zahlreichen Verwechslungen, unglücklichen Versehen und Tollpatschigkeiten schon einmal gesehen haben, sollten wir daran denken, wann dieser Film entstand: 1953. Klar erinnert Monsieur Hulots Besuch bei seiner Angebeteten, bei dem er ihr Wohnzimmer gehörig durcheinander wirbelt, verdächtig an den Loriot Sketch „Das Bild hängt schief“. Doch Die Ferien des Monsieur Hulot entstand lange vor dem deutschen Pendant und ist somit – wenn überhaupt – als Vorbild zu bezeichnen. Der Film ist eine Fundgrube für zeitlose Gags. Gerade weil er die Komik der Alltäglichkeiten zu betonen weiß, können auch die Kinder unserer Kinder noch darüber lachen, wie Monsieur Hulot versehentlich ein ganzes Feuerwerk entfacht. Die Jahrzehnte überdauern wird er übrigens auch deshalb, weil der Drehort Saint-Marc-sur-Mer inzwischen zu La Plage de Monsieur Hulot umbenannt wurde. Zu recht!

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