Mein Herz für Klassiker

Ich, Oblivion & meine persönlichen Heldengeschichten

The Elder Scrolls IV: Oblivion
© Bethesda
The Elder Scrolls IV: Oblivion
31.07.2016 - 09:00 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
4
3
Vor 10 Jahren wurde die Elder Scrolls-Reihe um ihren vierten Ableger erweitert und führte die Formel von zuvor konsequent weiter. Für mich war Oblivion allerdings nicht nur irgendein Spiel, sondern eine Plattform zum Geschichten erzählen.

Obwohl ich seit meiner frühsten Kindheit dazu neige, unendliche Stunden in virtuellen Welten zu verbringen, dauerte es viele Jahre bis es einem Spiel gelang, mich dermaßen in seinen Bann zu ziehen, dass ich über mehrere Jahre drohte alles um mich herum zu vergessen. Dieses Spiel war The Elder Scrolls IV: Oblivion, das ganz nebenbei auch noch definierte, was ein Spiel braucht, um mich zu begeistern.

Dabei kann ich nüchtern betrachtet gar nicht behaupten, Oblivion habe die Industrie oder das Genre revolutioniert. Die Faszination der Open World trug bereits Morrowind in sich und viele Kritiker bemängelten das inspirationsarme Schwarzwaldfeeling der Spielwelt, die im Vergleich mit der fremdartigen Umgebung von Morrowind unsagbar blass wirkte. Allerdings kam Oblivion für mich genau zum richtigen Zeitpunkt und festigte meine Liebe für Rollenspiele und klassische Fantasy, die mich bis heute nicht mehr verlassen hat.

Bethesda

Drei Jahre zuvor hatten mich die Filme und Bücher zu Tolkiens Herr der Ringe derart fasziniert, dass ich danach gierte, selber Charaktere und Geschichten in einer solchen fantastischen Welt zu erschaffen. Oblivion erfüllte mir diesen Wunsch, da es anders als beispielsweise Gothic 3 mit einem umfangreichen Charaktereditor daher kam. Die vergleichsweise nüchterne Spielwelt war ebenfalls ein Grund dafür, dass ich mich in Cyrodill sofort heimisch fühlte. In Morrowind fehlte mir der direkte Bezug zu einer klassischen Fantasywelt, den ich mir damals so sehr wünschte, weshalb ich die Welt dort eher nutzte, um meinem Forscherdrang nachzukommen, ohne mich aber darin zu verlieren.

Oblivion hingegen schaffte es, eine offene Welt zu gestalten, die sich lebendig anfühlte. Es drehte sich nicht alles nur um meinen Charakter, sondern auch abseits meiner Abenteuer führten die Bewohner ein Eigenleben. Dazu wurde ich anders als in Morrowind oder Baldur's Gate nicht ausschließlich von Textboxen erschlagen, sondern konnte mich mit den Personen in meiner Umgebung unterhalten. Ich konnte zu einer Wache laufen, nach dem Weg fragen und bekam eine hörbare Antwort. Das galt ausnahmslos für jede Figur in Cyrodiil. Abgerundet wurde das alles durch die für damalige Verhältnisse hervorragende Optik. Oblivion war meine zweite Heimat und das für hunderte von Stunden, über mehrere Jahre hinweg.

Bethesda

Stellenweise verlor ich mich so sehr in dieser Welt, dass ich mehrere Charaktere erstellte und mir für diese eigene Geschichten einfallen ließ, die nichts mit den Quests zutun hatten, die ich dort annehmen konnte. Einmal spielte ich mehrere Tage lang einen einfachen Dunkelelfen, der eigentlich nur so vor sich hin lebte. Er stand morgens auf, grüßte seine Nachbarn, ging aufs Feld, erntete Gemüse und machte danach noch schnell Jagd auf ein Reh. Fell und Gemüse wurden schließlich in der nahen Stadt feilgeboten und abends begab er sich in eine Taverne um etwas zu trinken.

Überraschenderweise wurde diese Art zu spielen irgendwann doch mühsam, allerdings lernte ich dadurch, wie wichtig es ist, einer Figur einen Hintergrund zu geben, der sie besonders macht. Deshalb gönnte ich es meinen Charakteren von nun an immer, sich einige Stunden lang an einem Ort in der Welt einzuleben, bevor sie ein (von mir konstruiertes) Ereignis aus der gewohnten Umgebung riss und ihr Abenteuerleben in Gang setzte. Mir war es damals nicht bewusst, aber Oblivion lehrte mich das Konzept der traditionellen Heldenreise wie sie seit Generationen in Abenteuergeschichten zu finden ist.

Bethesda

Um bei meinen unzählbaren Durchgängen nicht rein von den vorhanden Aufgaben und meiner eigenen Fantasie abhängig zu sein, kam mir die Möglichkeit des Moddens recht gelegen. Als ich feststellte, welche Möglichkeiten sich daraus erschlossen, bekam Oblivion einen ganz neuen Reiz. Teilweise lud ich so viele Mods auf meine Festplatte, dass es zu einem völlig anderen Spiel wurde. Neue Quests, neue Waffen, ein Survival-System... Die Welt stand mir offen. Der Modding-Wahn gipfelte schließlich in der großartigen Total Conversion Nehrim, die schließlich auch den Abschluss meiner regelmäßigen Oblivion-Sessions darstellte... vier Jahre später... während am Horizont bereits Skyrim in Sichtweite kam.

Oblivion mag nicht das größte, ideenreichste oder wegweisendste aller Rollenspiele gewesen sein, aber kein ein anderes Spiel hat mich jemals länger an sich gebunden. Die traditionelle, lebendige Spielwelt in Kombination mit dem detailreichen Charaktereditor gaben mir alles, was ich zu diesem Zeitpunkt benötigte, und die Möglichkeit mich kreativ auszuleben. Manchmal wünsch ich mich nach Cyrodiil zurück und denke mir dann neue Geschichten für meine Helden aus.

Das könnte dich auch interessieren

Kommentare

Aktuelle News