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Aufreger der Woche

James Bond 007 - Zensurgrüße aus China

26.01.2013 - 06:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Mit der Lizenz zum Sitzen
© Sony/moviepilot
Mit der Lizenz zum Sitzen
Manchmal muss ich lächeln und manchmal bekomme ich Wutpusteln, wenn ich mich so doch die News-Landschaft wühle. Diesmal geht es um ein Thema, das gar nicht komisch ist.

Wichtige Dinge geschehen auf dem Erdenrund. Nein, ich spiele nicht auf die Ereignisse in Australien an, die so viele Leute in Deutschland auf die Palme bringen. Das ist ja auch nicht wichtig. Was in der Volksrepublik China hingegen vorgefallen ist, ist tatsächlich von Interesse. Einmal mehr hat dort nämlich die Zensur zugeschlagen – in höchst rigidem und unverständlichem Maße.

Der Aufreger der Woche beschäftigt sich mit den Kürzungen und Veränderungen des Films James Bond 007 – Skyfall in China und geht auf die Reaktionen der chinesischen Zuschauer ein.

Schnipp, schnapp
Sie haben es wieder getan. Die chinesische Zensur hat die Schere aus der Schublade geholt und an James Bond 007 – Skyfall angesetzt, der vor kurzem erst in der Volksrepublik gestartet ist. Bösewicht Javier Bardem hat in der entschärften Version keine Erfahrungen mit folternden chinesischen Polizisten gemacht, von Prostitution in Macao bekommt der chinesische Zuschauer nichts mit, und dass ein chinesischer Wachmann von einem französischen Profikiller ermordet wird, schien den Zensoren auch zu heikel. Schnipp, schnapp. Und weil sie schon dabei waren, haben sie gleich noch aus Cloud Atlas – Alles ist verbunden knackige 40 Minuten entfernt – natürlich ohne Zustimmung der Regisseure. Allerdings wurde hierbei keine China-Kritik weggeschnitten, sondern die nach Ansicht der chinesischen Chefverbieter offenbar zu ausgedehnten leidenschaftlichen Liebesszenen. Ah ja. Wenn es noch eines Beweises bedurft hat, dass oberste Stellen in China einen Sockenschuss haben, dann dürfte er damit wohl erbracht sein. Besonders die Kürzungen von James Bond 007 – Skyfall stoßen den Fans sauer auf. So schreibt Niccilee im Internet: “Das ist nervig, es ist jedes Mal das Gleiche”. Und Leslie Zhuang fragt bezüglich der geschnittenen Wachmann-Szene “Haben sie Angst vor einem Nachahmungseffekt?”. Für uns mag diese Reaktion zahm klingen, aber in einem diktatorischen Land sind solche Worte schon als aufwieglerisch anzusehen.

Nicht mit Ruhm bekleckert
Natürlich hat China die Zensur nicht für sich gepachtet. Auch Deutschland hat eine unrühmliche Vergangenheit, was das Zerschnippeln und Verfremden von Filmen angeht. Dass während der Nazi-Diktatur auf Teufel komm raus verboten und verändert wurde, muss sicherlich nicht erwähnt werden. Aber auch danach haben sich Verleiher in diesem Land des öfteren nicht mit Ruhm bekleckert. Die erste Kinofassung des Films Berüchtigt – damals noch unter dem Titel Weißes Gift – von Alfred Hitchcock hat sämtliche Nazis aus dem Film getilgt und aus Uran Rauschgift gemacht. Dass die IG Farben eine bedeutende Rolle spielt, wurde damals wie später in der neusynchronisierten Fassung unerwähnt gelassen. Selbstredend gilbt es noch zahlreiche andere Beispiele für Zensur in Deutschland. Wer Rom, offene Stadt in der deutschen Fassung gesehen hat, der kennt nicht den Film, den Roberto Rossellini eigentlich gedreht hat; Die Spur des Falken ist in der deutschen Synchro mehr eine Musikkomödie als ein Film noir; Und wenn sich Bruce Willis in Stirb langsam Hans und Karl aufschreibt, um anschließend die hanebüchene Erklärung folgen zu lassen, dass er die beiden nach den „bösen Riesen im Märchen“ benannt hat (welche Riesen aus welchem Märchen denn bitteschön?), dann bemerkt auch noch der Letzte, dass hier Zensurpfusch am Werk ist.

Auf Prinzipien gepfiffen
Unschöne Beispiele. Aber mittlerweile ist bei uns der Hang zum Verfälschen größtenteils eingedämmt. Ein Grund dafür könnte sein, dass Filmfans heutzutage viel häufiger zum Original greifen bzw. sich dieses viel leichter beschaffen können, und auf diese Weise etwaige Veränderungen überhaupt erst bemerken. Das ist in China nach wie vor relativ schwierig. Freies Internet ist dort ebenso wenig vorhanden wie halbwegs ungehinderter Zugang zu ausländischen Erzeugnissen und Produkten der Medienbranche.

Dass trotzdem einige chinesische Filmfreunde ihrem Ärger öffentlich Luft machen, ist angesichts der drohenden Konsequenzen bemerkenswert. Dass der Absatz ungeschnittener Raubkopien boomt, wird zwar weder der chinesischen Regierung noch den Produzenten von James Bond 007 – Skyfall schmecken, es ist aber ein Zeichen dafür, dass etliche Menschen die Schnauze gestrichen voll haben von den schwachsinnigen Eingriffen in die Filmkunst. Vielleicht ändert sich ja mal was. Dabei behilflich könnte vor allem die US-Filmindustrie sein. Wenn aus dem Film Red Dawn nicht sämtliche Hinweise auf China durch Nordkorea ersetzt worden, hätte bestimmt auch das chinesische Regime bemerkt, wie ihr Land international wahrgenommen wird. Aber da das Riesenreich eine sprudelnde Geldquelle darstellt, wird auf Prinzipien einfach gepfiffen und vor der Volksrepublik gebuckelt.

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