Jurassic World 2 - Die notwendige Kurskorrektur für das Dino-Franchise

Jurassic World 2: Das gefallene Königreich
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Jurassic World 2: Das gefallene Königreich
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Beeblebrox Matthias Hopf
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Achtung, Spoiler zur Jurassic World 2: Das gefallene Königreich: Die Veränderung in Hollywoods großen Franchises ist eine heikle Angelegenheit. Wenn wir uns etwa das Marvel Cinematic Universe anschauen, dann besteht dieses seit einer Dekade vehement auf den Erhalt des Status quo, sodass nicht einmal der gewaltige Cliffhanger am Ende von Avengers 3: Infinity War mit vernichtender Endgültigkeit punkten kann, da im Lauf der 18 vorherigen Filme vermeintlich finale Entscheidungen viel zu oft wieder rückgängig gemacht und somit entkräftet wurde. Der Mut zur Veränderung ist auf Blockbuster-Ebene rar gesät - kein Wunder, dass Star Wars 8: Die letzten Jedi dermaßen polarisiert, wenn er die eigenen Helden kompromisslos infrage stellt. Auch Jurassic World 2: Das gefallene Königreich tendiert dazu, Entscheidungen zu treffen, die wirklich etwas verändern. Notwendig ist diese Kurskorrektur sogar unbedingt für die Dino-Reihe.

Die Veränderung liegt tief in den Jurassic Park-Filmen verwurzelt

Gerade die Jurassic Park-Filme erweisen sich in dieser Hinsicht als spannendes Objekt im aktuellen Franchise-Dschungel, immerhin erzählen sie im gleichen Atemzug beide Geschichten: nämlich die der Veränderung und die der Wiederholung. Steven Spielbergs Adaption von Michael Crichtons gleichnamigem Roman veränderte seinerzeit das Kino, genauso wie der Film selbst von den Möglichkeiten der Veränderung schwärmte, obgleich er diese zuerst in der Wiederholung - also der Wiederauferstehung einer ausgestorbenen Spezies - verstand. Kurz darauf wiederholte sich die Katastrophe im Jurassic Park zwei weitere Male, ehe die gewaltige Parkanlage über zehn Jahre ruhte, bis sie 2015 als Jurassic World neu eröffnet wurde. Es ist wahrlich bemerkenswert, wie schön die Filme in diesem Punkt auf einer Metabene ineinander übergehen und sich gegenseitig kommentieren, sodass nun der nächste, von Ian Malcolm (Jeff Goldblum) befürchtete Schritt eingeleitet werden kann.

Jurassic World 2: Das gefallene Königreich ist da geradezu prädestiniert, diesen nächsten Schritt zu gehen - zumal die Redundanz die größte Schwäche der Reihe ist. Einmal ausgebrochen wiederholen sich die Fluchtversuche von Dinosauriern, die offenbar nicht damit zufrieden sind, eingepfercht auf einer paradiesischen Insel zu hausen. Was bei Jurassic Park noch für Staunen sorgte, begeistert bei Vergessene Welt - Jurassic Park zumindest mit einer Überfahrt zum Festland, die neue Blickwinkel eröffnet. Spätestens mit Joe Johnstons Jurassic Park III droht sich die eigentlich doch so faszinierende Geschichte abzunutzen. Jurassic World konterte dagegen mit dem Ansatz, endlich John Hammonds Traum - zumindest für kurze Zeit - in Erfüllung gehen zu lassen, wenn der Dinopark beim zweiten Anlauf tatsächlich funktioniert und einen Besucherrekord nach dem anderen verzeichnet.

Jurassic World 2 markiert einen entscheidenden Wendepunkt

Colin Trevorrow, der sich mit seiner Vision von Jurassic World allerdings nie aus Steven Spielbergs Schatten wagte, steuerte mit der zweiten Hälfte seines Franchise-Debüts unmittelbar auf die verhängnisvolle Wiederholung zu, von der selbst ein Dino-Hybrid wie der Indominus Rex nicht ablenken konnte. Auch der Indoraptor, wie der neuste urzeitliche Gegenspieler in Jurassic World 2: Das gefallene Königreich heißt, ist Teil dieses Problems, da er sich mit der Variation altbekannter Motive begnügt und verzweifelt versucht, den Figuren den gleichen Schrecken einzujagen, mit dem einst Raptoren Dr. Alan Grant (Sam Neill) bis in seine Träume verfolgten. Gleichzeitig ist die Fortsetzung klug genug, um zu wissen, dass der Indoraptor allein nur bedingt Zäune einreißen kann, und greift daher auf drastischere Maßnahmen zurück. Mit dem Versprechen des Titels verschwindet die Isla Nublar unter der Lava eines Vulkanausbruchs, während die Dinos ein zweites Mal ausgelöscht werden.

Eine paar der Echsen gelangen unfreiwillig dennoch aufs Festland, wo sie weniger gerettet als an den Meistbietenden versteigert werden sollen. Dabei spaltet J.A. Bayona sein Sequel nicht nur in zwei extrem unterschiedliche Hälften, sondern bewegt sich ebenfalls auf den spannendsten Punkt der Jurassic Park-Mythologie zu: Nachdem Jurassic World einen kurzen Einblick in den perfekten Dinopark gewährte, endet Jurassic World 2: Das gefallene Königreich mit der anderen großen Fantasie, die aus der Prämisse der Filme resultiert: Die Dinosaurier brechen aus und sind nicht länger auf ihrem Inselgefängnis gefangen. Stattdessen beginnt ein Eroberungszug durch von Menschen besiedeltes Gebiet. Willkommen in der neuen schönen (Jurassic) Welt! Der Ausbruch, der in Vergessene Welt - Jurassic Park bereits zum Greifen nahe war, wird nun zur Wirklichkeit und schlägt somit ein neues Kapitel in der Jurassic Park-Geschichte auf.

Jurassic World verspricht endlich eine Welt voller Dinos

Was auch immer Colin Trevorrow, der Jurassic World 3 als Regisseur und (zusammen mit Emily Carmichael) als Drehbuchautor umsetzt, für den dritten Teil des Reboots vorgesehen hat, dürfte höchstwahrscheinlich wie kein Jurassic Park-Film zuvor werden. Zwar schlummert da irgendwo im Meer noch die Isla Sorna und wenn es die Macher drauf anlegen, wird sich sicherlich auch ein Weg finden lassen, um wieder auf die Isla Nublar zurückzukehren. Zumindest ausgehend von der Post-Credit-Szene von Jurassic Park 2: Das gefallene Königreich könnte die Reihe in Zukunft aber ein neues Level an Dino-Wahnsinn erreichen und uns in eine regelrecht apokalyptische Dinowelt entführen, in der unter Umständen ganz neue Genre-Einflüsse möglich sind. Nicht zuletzt wäre da ein menschlicher Klon, den Jurassic World 2: Das gefallene Königreich eigenartig beiläufig in die Handlung wirft, ohne selbst so recht zu wissen, wohin die Reise der Familie der neuen Welt im Anschluss geht.

Wer weiß, ob wir Jurassic World 3 überhaupt noch als Jurassic Park-Film identifizieren werden, so abgedreht ist die Themenvielfalt mittlerweile. Natürlich wird sich Universal nicht mit einem waghalsigen Manöver von einem seiner wertvollsten Franchises verabschieden, indem es den Kern der Marke verfremdet. Ebenso könnte eine potentielle Neuausrichtung die Zukunft der Reihe aber sichern, indem sich von dem "Park-Konzept" verabschiedet und mutig die nächste Evolutionsstufe in Angriff genommen wird. Dabei besteht zwar die Gefahr, dass die Fortsetzung ins völlig Lächerliche abdriftet oder unter einer der anderen Drehbuchausrutscher seitens Colin Trevorrow einknickt. Vorerst ist es aber zu begrüßen, dass J.A. Bayona zumindest das Tor in eine neue Dinowelt geöffnet hat, auch wenn nun ein anderer durchgehen muss. Hoffentlich ist Colin Trevorrow nach dem nostalgisch-gemütlichen Jurassic World dieses Mal dafür bereit.

Was glaubt ihr, in welche Richtung sich Jurassic World in Zukunft entwickelt?

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