Kathy Bates und ihr furchteinflößender Durchbruch als Killerin

Kathy Bates
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Seltenst wird der begehrteste Filmpreis der USA, der Oscar, für eine schauspielerische Leistung in einem Horrorfilm verliehen. Meistens haben Darstellungen berühmter Persönlichkeiten in Biopics oder realer Personen in gesellschaftskritischen Dramen die höchste Wahrscheinlichkeit, die prestigeträchtige Auszeichnung zu gewinnen. 1990 war Kathy Bates die erste Frau, die für ihr Schauspiel in einem Horrorfilm den renommierten Preis einheimsen konnte. Heute feiert Kathy Bates ihren 70. Geburtstag und wir sie für eine ihrer größten Rollen: die durchgedrehte Krankenschwester Annie Wilkes in der Stephen-King-Adaption Misery.

Kathy Bates will Misery nicht sterben lassen

In der Stephen-King-Romanverfilmung spielt Kathy Bates die Ex-Krankenschwester Annie Wilkes. Diese findet und pflegt den verunglückten Schriftsteller Paul Sheldon (James Caan), der kurz zuvor das letzte Werk seiner kitschigen und romantischen Misery-Reihe fertiggestellt hat. Auf dem Weg zu seiner Agentin in New York gerät er unerwartet in einen heftigen Schneesturm und hat einen schweren Autounfall. Als Annie - sein größter Fan - das Manuskript liest und herausfindet, dass er die Protagonistin Misery Chastain im letzten Band sterben lässt, kommt ihre psychopathische Ader zum Vorschein. Sie macht ihn mit Medikamenten gefügig, foltert ihn und nutzt seine den gebrochenen Gliedern geschuldete Immobilität, um Paul unter Zwang und in Gefangenschaft ein anderes Buch schreiben zu lassen, in dem Misery am Leben bleibt.

Stephen Kings Misery-Film fand mit Kathy Bates die ideale Besetzung

Durch die unberechenbaren Gemütszustände ihrer Figur konnte Bates einige unterschiedliche Facetten zeigen. Zwischen extremer Gutherzigkeit und cholerischem Wahnsinn jagt einem die perfekte Inszenierung ihrer psychotischen und grusligen Figur auch noch 28 Jahre nach der Filmpremiere immer noch einen ekligen Schauer über den Rücken. Der Film lebt von Bates' Wutausbrüchen sowie den gruseligen liebevollen Charakterzügen, die sie gleichsam überspitzt in Mimik und Gestik ausdrückt. Ihre oft aus der Froschperspektive von Paul Sheldon gefilmte Figur, die vor keiner schrecklichen Tat zurückschreckt und emotionslos auf den Schriftsteller und somit auch uns Zuschauer herabblickt, ist beängstigend und zugleich genial.

Selten war die Darstellung einer wahnsinnigen Person so mitreißend und abschreckend zugleich. Ohne die Vergeudung von Unmengen an Kunstblut schafft es Kathy Bates, den Film schrecklicher zu machen als mancher Splatter-Streifen, der ab 18 Jahren freigegeben ist. Selbst im jetzigen Schreibprozess ertappe ich mich beim Gedanken an ihre verrückte Visage, dass mir die Mundwinkel vor Abschreckung zunehmend nach unten Wandern. Ihre irren stahlblauen Augen, die während ihrer cholerischen Momente scheinbar aus den Höhlen hervorstechen, erledigen den Rest: Vor dieser von Kathy Bates' verkörperten Annie Wilkes kann man nur vor Angst erstarren.

Misery war nach Stand by Me bereits die zweite Verfilmung eines Stephen-King-Romans von Rob Reiner. Nachdem der Schriftsteller das erste Werk von Reiner für gut befand, durfte auch Misery von dem Regisseur umgesetzt werden. Im Film hatte Kathy Bates den Horror-Autor so sehr beeindruckt, dass er die Figur seines folgenden Romans Dolores Claiborne mit der Vorstellung von Bates in der gleichnamigen Rolle schrieb, die den Charakter auch in der Verfilmung tatsächlich spielte. Die Szene, in der sie dem Autor Paul Sheldon mit einem Vorschlaghammer beide seiner Füße bricht, um ihn an seiner Flucht zu hindern, ist heute eine der ikonischsten Filmszenen der Kinogeschichte.

Misery tötete Annie Wilkes und belebte Kathy Bates

Ein Monolog in Misery erklärt, dass Annie Wilkes davon überzeugt ist, wegen ihres Aussehens anders und von der Gesellschaft geächtet zu sein. Ihr ist nicht bewusst, dass ihr cholerisches Wesen und ihre verschrobene Besessenheit die Gründe für ihre Isolation sind. Während Annie Wilkes die mörderische Außenseiterin einer US-amerikanischen Kleinstadt ist, konnte Kathy Bates' Karriere durch diese Rolle erst richtig Fahrt aufnehmen. Nach der Auszeichnung mit dem Oscar standen Kathy Bates, die sich rein optisch von dem Hollywood-Schönheitsideal absetzt, alle Türen offen - eine gänzlich gegenteilige Erfahrung im Blick zu ihrer Filmfigur.

2012 adaptierte der Misery-Drehbuchautor William Goldman den Roman für die Theaterbühne. Am Broadway waren Bruce Willis und Laurie Metcalf in den Hauptrollen von Paul Sheldon und Annie Wilkes zu sehen. Mit dem Gedanken an ein mögliches Film-Remake des Stoffes könnte ich mir jedoch keine andere Hollywood-Schauspielerin der heutigen Zeit vorstellen, welche die burschikose und vor Kraft strotzende Soziopathin verkörpern könnte wie Kathy Bates.

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