König des Hollywood-Musicals: Regie-Legende Stanley Donen ist gestorben

Singin' in the Rain
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Singin' in the Rain
24.02.2019 - 12:45 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Gemeinsam mit Gene Kelly inszenierte er den Klassiker Singin' in the Rain aka Du sollst mein Glücksstern sein. Nun ist Regisseur Stanley Donen im Alter von 94 Jahren gestorben. Bekannt war er auch für Charade und Ein süßer Fratz.

Stanley Donen, einer der letzten Meister des Goldenen Zeitalters Hollywoods, ist tot. Am Donnerstag verstarb er im Alter von 94 Jahren aufgrund von Herzversagen. Das teilten seine Söhne, Joshua and Mark Donen, der Associated Press mit, wie der Hollywood Reporter  berichtet. Damit verabschiedet sich der "König der Hollywood-Musicals", wie ihn einst Filmkritiker David Quinlan nannte. Er hinterlässt ein Œuvre voller Farben und Bewegungen - die geballte Kraft des Kinos sozusagen.

Stanley Donen singt und tanzt mit Gene Kelly im Regen

Unsterblich machen ihn seine Kollaborationen mit Gene Kelly, allen voran der Klassiker Du sollst mein Glücksstern sein, hierzulande auch bekannt unter seinem Originaltitel Singin' in the Rain. Auch sein eigenes Schaffen hat ihn zum Meister der bewegten Bilder werden lassen - und das nicht nur im Musical-Metier. Abseits von meisterhaften Choreographien und Fred Astaire schrieb Stanley Donen Kinogeschichte, u.a. mit Charade, dem besten Hitchcock-Film, den Alfred Hitchcock nie gedreht hat.

Geboren wurde Stanley Donen am 13.04.1924 in South Carolina, wo er bereits im Alter von 10 Jahren Tanzunterricht nahm und in örtlichen Theatern Bühnenerfahrung sammeln konnte. Das Musical Flying Down To Rio sollte sich schließlich als wegeisende Erfahrung entpuppen und inspirierte Donens Karriere in all ihren Facetten - inklusive der ersten Begegnung mit Fred Astaire, der später selbst als Hauptdarsteller seiner Filme fungieren sollte.

Singin' in the Rain

Tanz und Musik begeisterten und inspirierten Stanley Donen, sodass er nach einem abgebrochenen Psychologiestudium an der University of South Carolina in den 1940er Jahren nach New York zog und eine weitere prägende Begegnung machte: Gene Kelly. Donen assistierte Kelly bei seiner Arbeit als Choreograph des Broadway-Musicals Best Foot Forward. Als sich MGM 1943 die Filmrechte sicherte, wurde Donen in dieser Position engagiert.

Stanley Donen erobert und verändert Hollywood

In Hollywood arbeitete Donen als Choreograph an zahlreichen Produktionen von MGM und Columbia, mehrmals auch mit Gene Kelly. Gemeinsam verantworteten sie etwa die Tanznummern von Es tanzt die Göttin und Liebe auf den zweiten Blick, ehe 1949 mit dem Matrosen-Musical Das ist New York - Heut' gehn wir bummeln die erste geteilte Regiearbeit erfolgte. Der Grundstein für Singin' in the Rain war gelegt. Damit war Donen jedoch längst noch nicht am Ende seines Könnens angelangt.

Stanley Donen prägte in den nachfolgenden Jahren das Hollywood-Musical wie kaum ein anderer Regisseur außer Vincente Minnelli. Mit seiner ersten eigenen Regiearbeit, Königliche Hochzeit, ließ er sein Vorbild Fred Astaire in einer unvergesslichen Sequenz an der Decke tanzen, während er später mit Eine Braut für sieben Brüder seinen Ruf als visionärer Filmemacher bestätigte. Die 1950er und 1960er Jahre gelten dabei als die produktivsten seiner Karriere und haben uns nicht zuletzt das Meisterwerk Ein süßer Fratz beschert.

In diesem verirrt sich Audrey Hepburn als unscheinbare Buchhändlerin im Wahnsinn der Modewelt und lernt den Fotografen Dick Avery kennen, der - wie sollte es anders sein - von Fred Astire verkörpert wird. Wie so oft bei Stanley Donen treffen auch hier zwei gegensätzlich Welten aufeinander, die trotzdem von der gleichen Faszination für Musik und Bewegung vereint werden, was besonders eindrücklich in einer Tanzsequenz am See zum Ausdruck kommt, während sich im Hintergrund Paris als sagenhafte Kulisse entfaltet.

Charade

Darüber hinaus drehte Stanley Donen Indiskret mit Ingrid Bergman, Vor Hausfreunden wird gewarnt mit Cary Grant und Arabeske mit Gregory Peck. Die leichtfüßige Inszenierung, die Donen in seinen Musicals zuvor eindrucksvoll unter Beweis stellte, verlagerte er im Zuge von Charade ins Fach der Krimi-Komödie und holte dafür zwei seiner liebsten Schauspieler zurück: Audrey Hepburn und Cary Grant liefern sich ein hinreißendes Versteckspiel zwischen Agententhriller, Romanze und Screwball-Komödie.

Das Vermächtnis von Stanley Donen lebt im Kino weiter

Als Stanley Donen mit Der kleine Prinz 1974 zu seinen Musical-Wurzeln zurückkehren wollte, war der Erfolg nicht auf seiner Seite. Ebenso konnte er mit weiteren Genre-Ausflügen wie dem Abenteuerfilm Abenteuer auf der Lucky Lady, dem Science-Fiction-Film Saturn 3 und der Hollywood-Satire Movie Movie nur bedingt für euphorische Schlagzeilen sorgen, sodass er sich 1984 mit Michael Caine und Schuld daran ist Rio aus dem Kino verabschiedete. Einzelne TV- und Broadway-Produktionen folgten dennoch.

Was bleibt, ist ein aufregendes Schaffen voller ikonischer Momente, die noch heute einen Schwung ins Kino bringen, wie er auf der großen Leinwand viel zu selten zu erleben ist. Wenngleich Stanley Donen 1988 nur mit einem Ehrenoscar bedacht wurde und nie als Bester Regisseur ausgezeichnet wurde, gibt es nur wenige Filmemacher, die das Kino so lebendig haben werden lassen. Als Freund und Mentor bezeichnet Steven Spielberg den Verstorbenen, von dem er in den 1960er Jahren als Filmstudent gelernt hat. Wir können uns sicher sein, dass Donens Vermächtnis im Spielbergs West Side Story-Remake weiterleben wird.

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