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Aufreger der Woche

Kristen Stewart im Würgegriff der Sexualmoral

18.08.2012 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Kristen Stewart wird zu hart bestraft
© Universal/moviepilot
Kristen Stewart wird zu hart bestraft
Es ist zum Mäusemelken: Die Meldungen, die die Galle hochkommen lassen, nehmen einfach kein Ende. Eine medizinisch indizierte Wutreduktion hilft da bestimmt.

Die Olympischen Spiele sind vorbei und somit auch die Zeit des ganz großen Sports. Und was nun? Sich einfach einem beliebten, transnationalen Wettbewerb widmen, der sich “Promiklatschen” nennt. Ein Opfer gibt es bereits seit ein paar Wochen, und jeder kloppt so richtig schön drauf. Dass das schlicht fies und ungerecht ist, scheint kaum jemanden zu belasten.

Der Aufreger der Woche handelt vom unverhältnismäßigen Umgang mit Kristen Stewart.

Karrierebremse Affäre
Dass im Leben nicht alles gerecht zugeht, weiß nun wirklich jeder. In Hollywood gilt diese Binse in mehrfacher Potenz, denn in der Glamourmetropole werden gerne einmal die Großen laufen gelassen und die Kleinen gehängt. Oder eben weitreichende Verfehlungen unter den Teppich gekehrt und bedeutungslose Skandale aufgebauscht. Aktuellstes Beispiel ist nach wie vor der Seitensprung von Kristen Stewart. Die Schauspielerin hat bekanntlich mit dem Regisseur Rupert Sanders was auch immer gemacht und damit ihren Freund Robert Pattinson betrogen. Eine junge Frau nimmt es mit der Treue mal nicht so genau und verstößt gegen die gängigen Moralvorstellungen – an sich nichts Besonderes, sondern etwas, was tagtäglich Dutzende Male geschieht und die Welt nicht ins Wanken bringt. Hier scheint der Fall aber anders gelagert zu sein, denn ein, für ihr Alter nicht untypischer, Fehler bringt die Karriere von Kristen Stewart gehörig ins Schlingern. Ihre Rolle im Sequel von Snow White and the Huntsman scheint sie los zu sein und auch in Cali wird sie allem Anschein nach nicht mitwirken. Wer denkt, das hätte nichts mit der Affäre zu tun, ist einfach nur naiv.

Überzogene Erwartungen
Dass überzogene Reaktionen auf diese kleine Verfehlung scheinheilig sind und die Geschlechter bei amourösen Fehltritten noch immer unterschiedlich bewertet werden, wurde vor kurzem schon thematisiert. Dieser Vorfall geht darüber jedoch noch weit hinaus. Dass eine Schauspielerin in unrealistischem Maß mit einer ihrer Rollen gleichgesetzt wird, ist grotesk. In den meisten Fällen wird nämlich keineswegs über Kristen Stewart geschrieben und gesprochen, sondern über Bella Swan. Selbst wenn ihr bürgerlicher Name verwendet wird, besteht gedanklich das Bild der zarten, sich nach ihren männlichen Helden verzehrenden Schönheit mit ihrem Twilight-Habitus. Die Öffentlichkeit, egal ob Fans oder Reporter, will gar nicht Kristen Stewart mit all ihren Macken und menschlichen Fehlern, sondern die Kunstfigur Bella Swan. An einer solchen Erwartungshaltung scheitert auf kurz oder lang jeder. Anstatt gegen diese Form des Realitätsverlustes anzugehen, wird sie durch die Erschwerung ihrer beruflichen Laufbahn noch befeuert.

Vom Himmel in die Hölle
Jodie Foster, die mit Kristen Stewart in Panic Room zusammengearbeitet hat, hat sich in einem Artikel für die Website The Daily Beast zu diesem ausufernden Rummel um Kristen Stewart geäußert: “Man hebt schöne junge Menschen in den Himmel und lässt sie dann auf den Boden fallen”. Es scheint für manche Menschen tatsächlich eine Art Sport zu sein, einen Star möglichst bekannt zu machen, um ihn dann bei der ersten sich bietenden Möglichkeit, wie nichtig die auch sein sollte, in den Abgrund zu stoßen. Für Jodie Foster hat das Ausmaße angenommen, die sie so nicht verkraften würde: “Wenn ich heute eine junge Schauspielerin wäre, würde ich alles hinschmeißen, bevor ich überhaupt richtig angefangen hätte”.

Veruntreut jemand Milliarden, kann er irgendwann in Ruhe weiterleben, hat eine junge Schauspielerin jedoch ein kurzes Verhältnis, bricht ihr das unter Umständen das Genick. Okay, das ist Polemik, der Kern bleibt jedoch bestehen: Die Bewertungsmaßstäbe stehen in keinem Verhältnis zur eigentlichen „Tat“, eine vorsintflutliche (Sexual-)Moral wird als akzeptabel propagiert, dem Reifegrad eines jungen Menschen wird keine Rechnung getragen. Und selbst wenn Kristen Stewart schon 40 Jahre alt wäre und einen Seitensprung gewagt hätte, ist es vor allen Dingen eines: ihre Privatsache.

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