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Verharmlosung von Kriegsverbrechen

Lars von Trier droht Anklage wegen Hitler-Eklat

06.10.2011 - 09:50 Uhr
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Lars von Trier
© Filmladen Filmverleih
Lars von Trier
In Cannes sorgte der Provokateur Lars von Trier mit seinen hitlerfreundlichen Aussagen für eines der größten Eklats der Festivalgeschichte. Voraussichtlich folgen jetzt rechtliche Konsequenzen.

Vor einer Äußerung nachzudenken, empfiehlt sich schon einmal prinzipiell und ganz besonders, wenn der sich Äußernde eine Person des öffentlichen Lebens ist. Wer dazu momentan eine ganze Menge sagen könnte, ist Lars von Trier. Er wird zukünftig aber höchstwahrscheinlich nicht mehr besonders viel in der Öffentlichkeit von sich geben.

Eigenen Angaben zufolge wurde der dänische Regisseur am vergangenen Mittwoch von der dänischen Polizei aufgesucht und bezüglich seiner Äußerungen auf dem diesjährigen Festival Cannes befragt. Ihm droht nun eine Anklage der französischen Staatsanwaltschaft in Grasse wegen Verharmlosung von Kriegsverbrechen.

Im Mai hatte Lars von Trier während einer Pressekonferenz zur Premiere seines neuen Films Melancholia Verständnis für Adolf Hitler geäußert und sich zu der Aussage hinreißen lassen, er sei ein Nazi. Von der Festivalleitung wurde er daraufhin zur persona non grata erklärt und entschuldigte sich später öffentlich mit der Begründung, er habe nur Spaß gemacht.

In einer schriftlichen Mitteilung ließ der Regisseur nun wissen, dass er sich weder in Interviews noch in Pressekonferenzen künftig noch öffentlich äußern wolle. Wortwörtlich schrieb er: “Aufgrund dieser ernsten Anschuldigungen ist mir bewusst geworden, dass ich offensichtlich nicht über das nötige Geschick verfüge, mich eindeutig auszudrücken. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich von heute darauf verzichten werde, mich öffentlich zu äußern und Interviews zu geben.” Bereits im August hatte Lars von Trier verkündet, in Zukunft keine Pressekonferenzen mehr geben zu wollen. Dieses Versprechen scheint er spätestens jetzt endgültig einzulösen.

Seine verbalen Entgleisungen scheint der kontroverse Filmemacher tatsächlich im Nachhinein lange überdacht zu haben. "Ich habe idiotische Sachen gesagt und kann mir bis heute nicht verzeihen, dass ich damit Leute verletzt habe“, sagte er vor einiger Zeit der französischen Tageszeitung Libération.

Von kommenden Einschränkungen in seiner Arbeitsweise ist aber glücklicherweise nirgends die Rede. Lars von Trier arbeitet momentan an Nymphomaniac 1, einem Film der die Themen Pornografie und Philosophie berührt. Morgen startet in Deutschland sein preisgekröntes Werk Melancholia mit Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg und Kiefer Sutherland.

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